Lorenz Kellhuber - The Brooklyn Session

1265/15: Reingehört: Lorenz Kellhuber Standard Experience – The Brooklyn Session (VÖ: 13.11.15)

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Lorenz Kellhuber - The Brooklyn Session

Lorenz Kellhuber (p)  (Website)
Orlando le Fleming (b) (Website)
Obed Calvaire (dr) (Meinl-Website)
Besetzung/lineup der CD „The Brooklyn Session“

Die neue CD von Lorenz Kellhuber erscheint am 13. November 2015 und ist eine weitere Art musikalischer Mikrokosmos eines der hoffnungsvollsten Talente Deutschlands. Wir haben in die CD reingehört und berichten.

Kürzlich im Zig Zag-Club in Berlin kam ich mit Gabriel Hahn, dem Berliner Schlagzeuger seines Berliner Trios zusammen. Wir redeten dies und das. Dass Kellhuber (25) auf dem neuen CD-Projekt nicht mit dem Berliner Trio tätig ist, erstaunte mich. Das habe Kellhuber mit New Yorker Kollegen aufgenommen. Auf meine Frage, ob es denn auch weiterhin das Berliner Trio um bzw. mit Kellhuber gäbe, vor diesem Hintergrund: „Ja, klar.“ Und: „Lorenz macht eigentlich immer nur Musik. Und wir haben unsere Zeiten zusammen und jeder von uns hat andere Zeiten alleine.“ Genau so muss man sich den Kellhuber vorstellen. Versessen und eingetaucht ins musikalische Ganze.

Das Projekt heißt jetzt „Lorenz Kellhuber Standard Experience“ und folgt musikalisch drei veröffentlichten CDs (des Lorenz Kellhuber-Trios Berlin) nach.

Es sind 6 Stücke Instrumentaljazz, samtseiden, elegisch, natürlich, offen klingend, eine Freude fürs Ohr. Musik, die wie geschaffen dafür ist, sich Pausen zu gönnen bzw. sie sich selbst zu verordnen und statt zu tun, zu lassen. Mach mal Pause.

Sich ganz hingeben, jener guten Sache, von der wir auf unverkünstelten Aufnahmen nicht alles sofort,  vieles aber bereits nach kurzem wiedererkennen können. Es sind die folgenden Stücke:

01 In Your Own Sweet Way (D. Brubeck) (mit Schlagzeugsolo)
02 Late Lament (Paul Desmond)
03 Autumn Leaves (Joseph Kosma)
04 If You Shoud Lose You (Ralph Rainger)
05 Never Let Me Go (Jay Livingston)
06 All The Things You Are (Jerome David Kern)

(Gesamtspieldauer: 54:44)

Gespielt wurde, wie Jazz am besten ist. Spontane Sessions im Big Apple-Tonstudio: Die Aufnahmen sind ausnahmslos First takes, aufgenommen im Januar 2015 im New Yorker Systems Two Studios. Insgesamt wurden 15 Stücke aus dem Great American Songbook aufgenommen, von denen sechs der Öffentlichkeit vorgestellt werden.

Über die Bedeutung der großen American Standards unterhielt ich mich mit Lorenz Kellhuber am selben Abend kürzlich vor der Tür vom Zig Zag Club. Dass er auch in Berlin  ein weiteres Projekt laufen hat, in dem es um die Interpretation von Standards geht, verwunderte den Berichterstatter. Ich fragte: „Ist das nicht gerade etwas abgenudelt, Lorenz? Bzw. kann man damit was verdienen?“ – Seine Antwort war einfach und findet sich in den aktuellen Presseinformationen zur Veröffentlichung des Tonträgers erneut wieder: „Die wenigsten jungen Musiker spielen die alten Standards, dabei sind sie die Basis aller Jazzmusiker.“

To celebrate the great real things.

Die CD ist sehr ausgewogen und musikalisch systematisch liegt sie richtig. Nicht, dass Gesang die Schönheit der Musik stören würde, haben sich hier drei Vollblutmusiker in einer Jamsession-artigen Herangehensweise in New York getroffen, Instrumental-Stücke aufgenommen und was wir am Ende hören, überzeugt zutiefst, ist in hohem Maße ansprechend und in keinem der veröffentlichten Stücke irgendeinem eitlen Possenspiel ausgeliefert. Hier wird auf hohem Niveau musiziert. Die Musik ist als Hintergrundmusik kaum geeignet, denn zu sehr lassen fantastische Arpeggien und Glissandi des Pianisten immer wieder mit offenen, spitzen Ohren zuhören, man möchte den Verstärker lauter drehen, noch und nöcher, und freut sich über einen erdfarbenen, dunklen Kontrabass, ein leichtes, süffisantes und spielerisch ätherisches Jazzschlagzeug erster Güte. Meine Güte: Brillant.

Bewertung: Fünf Sterne (Höchstbewertung)

Bewertung: Fünf von fünf Sternen!

Die CD ist, ich hab es auch gar nicht anders erwartet, erste Sahne. Kaufempfehlung.

Kellhubers Konzerte sind inzwischen weltweit gut besucht und es ist keine Frage. Von diesem Talent werden wir mit Sicherheit noch viel hören. Seht euch Kellhuber unbedingt an, wenn er in Berlin live spielt. Weitere Informationen auf blackbirds.tv findet ihr mit der Namenssuche nach Kellhuber (Artikelsammlung) Gut so.

Termine:

09.12.15 A-Trane, Berlin (Record Release Show)
10.12.15 Jazzclub, Regensburg
11.12.15 Loft A 46, Montreux (Schweiz)
12.12.15 Loft A 46
16.12.15 Zig Zag Club, Berlin
22.01.16 Hochschule für Kunst und Musik, Regensburg
23.01.16 Stadtkirche Darmstadt
20.02.16 Kulturzentrum Aurelium, Lappersdorf

Richtiggehend warmhören kann man sich hier….

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