1287/15: Positionen: Die Nachrichtenlage der Welt ist getürkt. #LiedDesTages

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Atemlos.Geschichte

Im Fall des Abschusses eines russischen Bombers über dem Gebiet der Türkei (einerseits behauptet) bzw. auf syrischem Gebiet (anderseits entgegnet) ist höchstes Misstrauen angesagt: Und zwar gegen beide beteiligte Parteien. Denn es ist ebenso gut vorstellbar, dass die Familie des türkischen Präsidenten Erdogan aktiv in Ölgeschäfte mit dem IS verstrickt ist, wie es denkbar ist, dass die dazu präsentierten Fakten von Rußland schönfärberisch getürkt wurden. Der Ort dieses Weltgeschehens legt es auch sprachlich nahe: Die Gesamtlage ist getürkt. Was wir zu lesen bekommen, sind gedankliche Fehlfarben.

Der Globus quietscht und eiert. Wir sind mitten im Krieg.

PC-War, nicht politically correct, sondern vor dem Personal Computer: Die einen fernsteuern aus Milwauckee und von anderswo Kampfdrohnen. Die anderen schießen Flugzeuge ab, so wie Bomber Einsätze fliegen, für oder gegen den Islamistischen Staat. Der schickt Attentäter nach Paris, um Vergeltung zu üben. Was gerade in Los Angeles passiert ist, ist noch nicht richtig aufgeklärt. Währenddessen sitzen wir, die privaten Helden unseres Alltags als Weltbevölkerung vor unserem privaten Rechner, der längst gesamtüberwacht ist, wie als hätten wir Fäustlinge auf den Händen, während wir navigieren, stolpernd mit Mausklicks durch das social net.


Fehlfarben Monarchie und Alltag 08 Ein Jahr Es geht Voran

Ich bin was Nachrichten angeht, extrem misstrauisch. Allerdings sowohl der Türkei gegenüber, die in vielfältiger Hinsicht absolut kein Vorbildstaat ist, als auch ggü. Rußland. – Und überhaupt: Die Beweisfaktenlage qua Öffentlichkeit stellt den Versuch dar, einen alten Fehlfarbensong in die Tat umzusetzen: Keine Atempause, Geschichte wird gemacht, es geht voran.

Eins ist klar: Mit allem, was wir für gefallenswürdig erachten und liken, setzen wir Statements und natürlich sind alle diese Daten auch social feeds in einer zeitgleichen Auswertung persönlicher Befindlichkeiten. Die nächste USA-Reise heißt inzwischen ein Wiedersehen unter guten, alten Bekannten, nicht Freunden. Man weiß alles über uns. Zwischenzeitlich versucht Ministerpräsident Erdogan an der Weltkrisenlage vorbei Ölgeschäfte zu betreiben mit unlauteren Geschäftspartnern? Einen Moment sind wir atemlos, nicht? Helene Fischer hat es ja gesungen. Und Xavier Naidoo singt es auch, nur bisschen verschwurbelt, wie beispielweise Torsten Sträter in einem viel beachteten Redevideo vortrug.

Zu denen möchte ich nicht gehören

Die Menschen spüren, ob einer lügt. Sie fühlen die Wahrheit. Nichts ist so schwierig zu erinnern, wie eine Lügengeschichte. Authentizität lebt man, durch und durch. – Abgesehen davon gibt es Zweifler und Haderer, Menschen, die sich selbst am wenigsten vertrauen und erst recht nicht anderen. Leider. Das sind die Hasser, die persönliche Durchbruchserfolge anderer schmälern müssen, um nicht an ihrem eigenen Schmerz zu verrecken. – Die Glücklichen sind und bleiben gelassen und erfreuen sich am Fortkommen eines Menschenbruders oder einer Menschenschwester.

Das ist das Gegenteil von Demokratie, weil wer die Technik besitzt, die Informatikseite der Welteinschätzungen auszuwerten, auch die Macht besitzt, die Massen gezielt zu steuern und mit falschen Informationen fehlzusteuern. Was bleibt? Vielleicht der Wunsch, kritisch bleiben zu dürfen. Und ein gewisses Maß an Agonie. Und ein Lied des Tages, das uns ein bisschen an diese Gesamtsituation erinnert. Ich geh schaukeln.

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