1301/15: History: Frank Zander ist mitnichten der Ur-Ur-Enkel von Frankenstein, sondern eher so ein Guardian Angel

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Ur-Ur-Enkel von Frankenstein 2006 – Frank Zander

Ich bin der Ururenkel von Frankenstein
Und ich bitte um Diskretion
Denn ich richte mein Labor schon langsam ein
Auf ’ne Menschenmassenproduktion

Frank Zander nahm den Ur-Ur-Enkel von Frankenstein, im Original 1974 als deutschlandweiter Hit sehr erfolgreich erschienen, 2006 noch einmal neu auf. And it was A Rammstein Tune, nearly.

Frank Kurt Zander (* 4. Februar 1942 in Berlin) war schon immer Berliner. Sein Geburtshaus steht in Neukölln.

Zander war auch immer schon Musiker, jedenfalls gefühlt. Nero Brandenburg, ex-RIAS-Radiomoderator und ebenfalls Schlagersänger (unvergessen: Mein Ding A Ling, einschl. Sendeverbot), erinnert sich.

Nero.Brandenburg_Frank.Zander

FRANK ZANDER, eine ehrliche Haut, jawoll. Wir kennen uns seit ca. 50 Jahren (ick habe die Gloomy Moon Singers mal aus dem „Riverboat“ für den Berliner Jugendclub rausgekauft 60er Jahre) Frank war immer zur Stelle, wenn es darum ging zu helfen. Winter 1977, bitterkalt. Im Februar kam Klaus Schneider von King-Cars am Nollendorfplatz auf die Idee, kostenlos Suppe an Bedürftige zu verteilen; Frank war mit mir der erste, der am Kessel stand und verteilte; man, hat das aber „gekesselt“…. – Nero Brandenburg, heute auf facebook

Vielleicht war das ja der Anfang einer mildtätigen Ader von Frank Zander?

Wir wissen es nicht genau.

Der überaus erfolgreiche, ja talentierte Herr Zander, in den deutschen Erinnerungen wird er so erinnert.

Nach einer Ausbildung als Grafiker begann Zanders Karriere als Sänger und Gitarrist der Gloomy-Moon-Singers (später Gloomys). Mitte der 1970er Jahre startete er seine Solokarriere und wurde bekannt mit Liedern wie „Der Ur-Ur-Enkel von Frankenstein“ (1974; 1975 in Österreich eine Woche lang auf Platz 1), „Ich trink auf dein Wohl, Marie“ (1974) und „Oh, Susi (der zensierte Song)“ (1976). 1977 erhielt er den Bronzenen Bravo Otto der Jugendzeitschrift Bravo.

Mich hat das närrische Treiben des Herrn Zander von Anbeginn seiner ersten Tonträgerveröffentlichungen unter bürgerlichen Namen gefangen genommen. Wir kauften uns seinerzeit die TOP-Schlagertexthefte und wussten, „Ich trink auf dein Wohl, Marie“ mit jeder noch so fein nuancierten Besoffenheitsrate zu repetieren.

giphy.Travolta.Abendmahl

Der Ur-Ur-Enkel war eine besondere Klasse.

Überhaupt hatte Unsinn, Spaß und Leichtigkeit in jenen Tagen eine gewisse Üblichkeit. Unvergessen auch Nero Brandenburgs Eindeutschversion von My Dingaling (Chuck Berry).

Kapitalismuskritik: Wurm ißt Fisch

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Viel früher noch als Heino kam Zander auf die geniale Idee, die Seichtwerke seiner früheren Erfolge neu ins Hardcoregenre zu verpacken.

Seine CD „Rabenschwarz“ (2004) – beworben mit „Das Ende des Deutschen Schlagers“ – enthält Schlager, wie „17 Jahr, blondes Haar“ von Udo Jürgens, die im Stil von Rammstein gecovert wurden. Am 31. Oktober 2005 erschien die CD „Rabenschwarz Teil 2“, unter anderem mit einem Duett gemeinsam mit Nina Hagen. Neben Coverversionen sind auch Neuauflagen alter Zander-Songs wie „Hier kommt Kurt“ oder „Nachbar“ enthalten.

Zander fehlte es nie an Distanz zu seinen eigenen Machwerken, die er teils unter eigenem Namen, manchmal auch unter Pseudonymen wie dem Hamsterfreund Fred Sonnenschein herausgebracht hatte.

Seit 1995 organisiert Frank Zander in Berlin im Neuköllner Hotel ESTREL alljährlich ein zünftiges Weihnachtsessen für Berliner Obdachlose und ist damit kurz vor der Heiligsprechung. Wir wissen nicht, ob jener Klaus Schneider (King Cars) der frühe Motor für Frank Zanders Bestrebungen war, am Ende ist es auch Wurscht, bzw. Gänsekeule.

Gegessen wird, was auf den Tisch kommt. Für viele Menschen hat Frank Zander Kultstatus und ist bereits in genießerischer Nähe zur indischen Mutter Teresa, sagen wir mal, so ganz kurz vor der Heiligsprechung durch den Pontifex maximus in Rom. Wer hätte das weniger verdient als Frank Zander? Bzw. mehr? Iss Keule. Gänse-…

Go, Gauck, go!

 

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