1406/16: Positionen: Zwei Dinge stören mich am #ESC und noch paar andere

Atemlos.Geschichte

Deutschland mit elf Punkten letzter. Aber schön war´s doch, unsere kleine Mangaprinzessin Jamie Lee. Sie hat ganz sicher nichts falsch gemacht.

Der jährliche Liedwettbewerb #ESC ist ein weiteres Mal geflogen.

Rausgekommen ist wieder das gleiche. Zwei Dinge stören mich am ESC, wie er jährlich veranstaltet wird.

Das Voting freundschaftlicher Länder im Geiste für- und übereinander. Gut ist eine neue Art und Weise auszuzählen, indem eine sachverständige Jury pro Land 12 Points vergibt und damit schon mal eine grobe Richtung vorgibt. Was allerdings im weiteren Verlauf des Auszählens auch nichts nutzt, wie man merkt. Deutschlands Jury hat Israel 12 Punkte gegeben. Eine nette Geste. Im weiteren Verlauf des Auszählens war Israel nicht weiter von Bedeutung.

Zweitens: Die Länderauswahl ist inzwischen bescheuert. Australien hat auf einem ESC nichts zu suchen, war auch das Liedchen hübsch und erfolgreich. Es geht hier nicht um Neid. Es geht hier um Europa. Da sollten noch viele weitere Länder rausgeworfen werden. Europa hat seine Grenzen. Schon allein beim Liedgut der europäischen Länder merkt man ja, dass nur selten hörenswertes Liedgut dargeboten wird. Vieles ist richtiggehend Schrott.


(Winning Song) „Merci, Chérie“ Udo Jürgens [Eurovision 1966: FInal]

Ich selbst war von zwei Darbietungen überzeugt.

Aus Georgien kam eine richtige Rockband namens Nika Koscharow and the Young Georgian Lolitaz und so gehört sich das. Das hatte Format. Auch wenn irgendein Kommentator gesagt hat, das sei wie Dingsbums ohne den Sänger Chris soundso (gemeint war Coldplay). Alles Schwachsinn.

Und die deutsche Darbietung: Wunderbarer starker Song, wunderbare Darstellung/Sängerin mit einem mangahaften Outfit und sehr schöner Bühnenperformance. Und ich, so ü/50, hab von Musik offenbar mittlerweile so gar keine Ahnung mehr. Nein, was dort gewinnt, dies Jahr in Stockholm, das will mir nicht mehr vernünftig rein. In Wahrheit ist das schon seit vielen, vielen Jahren so. Es gewinnt dort kaum etwas, das mich überzeugen könnte. Lena Meyer-Landrut war da eine absolute Ausnahme.

Eine große, geistige Bruderschaft guter MusikerInnen ist am ESC kaum abzuholen.

Den stärksten Auftritt des Abends legte er hin: Justin Timberlake.
Der schwedische Sänger erinnerte mehr an Timberland.
Deutschland viel an Lummerland, ist abgebrannt.

Stevie Wonder Prince: A Band Of Bro's

Man bildet ein starkes Backoffice und schreibt Songs, wie sie die Welt braucht. Bedeutungs- und ausdrucksstark und mit gekonnter Phrasierung, und mit Bildern, die Köpfe und den Geist gefangen nehmen: Für eine wunderbare, bessere Welt, in der Songs Musik sind und nicht abgeschmackte Choreographien, die nur deswegen beeindrucken, weil eine computergesteuerte Lichtanimation kaum noch Wünsche offenlässt.

Wie traurig: Der besetzungsstärkste Sänger Deutschlands war nicht mal eingeladen. Ich hätte ihm einen Sieg in Stockholm sehr gewünscht: Xavier Naidoo. Sicher hätte auch eine Helene Fischer, mit einem passenden Song im Gepäck, mehr gerissen. Es heißt, sie kann singen. Beide, Xavier und Helene, Hassfiguren des durchschnittlichen deutschen Michels und immer wieder gut als Projektionsflächen von intoleranten deutschen Menschen, die die besonders Erfolgreichen im eigenen Lande möglichst umfassend ätzdissen. So ein bisschen wie Böhmermann es gerade rausgepolkt hat bei „Schwiegermutter gesucht“, dem Lügenformat von RTL: Man sucht sich die besonders Furchtbaren heraus und sieht sie sich an, um sich selbst und sein krankes Selbstwertgefühl aufzuhübschen. Vertiefen wir diese Gedanken nicht noch.

Heißt doch die entsprechende Taste auf dem Computer in ihrer wesentlichen Bedeutung to escape. Das könnte eine den Weg weisende Ausdeutung sein. Lasset uns fliehen. Ein paar Revolutionäre beabsichtigen, in Deutschland den Musikpreis Echo zu zerstören und einem Tonio genannten Award im Herbst dieses Jahres zu beginnen. Was für den Echo gilt, ist für den ESC eine gute Idee. Diesen unsäglichen Wettbewerb in kleine Teile schlagen und einen echten, guten ausloben, der Musikgeschichte schreibt. So wie früher der Grand Prix Eurovision de la Chanson.

ESC - Escape

Weiterführend

Hier wurde über den ESC auch früher schon geschrieben

Schreibe einen Kommentar