Famous168 - CD: Kopfsache (Bild)

1554/17: Gigs, Review, Preview: Gemischte Gefühle: Bundeskohl, Austauschreiche Wetter und Rock am Rhin(g) #Rheinsberg

Collage "Rock am Rhin"

Am 16. und 17. Juni 2017 findet am Abend die Veranstaltung Rock am Rhin in Rheinsberg in der Ostprignitz statt. Für gerade mal 3,- € Eintritt wird von den Veranstaltern ein kleines, rühriges Festival mit jungen Musikern angeboten. Wir haben die Veranstaltung gestern Abend besucht und empfehlen, infolgedessen am heutigen Abend einen Besuch als netten, kleinen Ausflug in Erwägung zu ziehen. Hat Spaß gemacht.

Der gestrige Freitag, ein Mensch mit gemischten Gefühlen. Erst „Wetter, Wetter, Wetter“, dann wird bekannt, dass unser aller Bundeskohl verstorben ist und damit schon wieder ein weiteres Loch in die Weltgeschichte gerissen ist. Aber am Abend dräut Glückseligkeit. Es ist Zeit für Musik, heavy, an den Drums hard Hitter & an den Mikros süffisant-zartbitter.

Da war zunächst die austauschreiche Wetterlage. Eine Roadmap nach Berlin und zurück Richtung Rheinsberg in der Ostprignitz. Motorrad fahren für den Weltfrieden, aber schon am Nachmittag teilte sich das Wetter dem Außenläufer gehörig mit. Es hatte ja nichts zu verschweigen. Heftige Seitenwinde und ab und an ein great big shower direkt von oben. Der Mensch ist nicht ein Wetterhahn. Doch ließ sich bald best weather an.

Denn am Abend ist für die örtliche Zivilbevölkerung von Rheinsberg und Umgebung die 14. Folge eines kleinen Festivals mit großem Besteck angesagt. Rock am Rhin heißt die Veranstaltungsserie. Bei gerade 3,- € Eintritt pro Person und Abend eine Veranstaltung, die man sich gerade noch leisten kann. Apropos leisten: Großes leistete der Topact des gestrigen Abends Felix Famsn – auch genannt Famous – und in der Tat: Wirklich famos, was der junge 22-jährige Edelrapper und Hip Hopper auf der Bühne veranstaltet.

Sehr schön die Idee des Abends, nicht nur vom Band und dem Mikrolaptop Beats zu zaubern, sondern gleich eine ganze Band auf die Bühne zu stellen. Die reichlich üppig ausgestattete Stage mit großem Equipment, darunter mindestens drei Subwoofern zuviel, einem wirklich empfindlichen Punch in die Magengrube, hat allerdings den schönen Effekt einer Gänse- auf der Kopfhaut. Das rüttelt und schüttelt so schön.

Collage "Rock am Rhin"

Und – Leute – was soll ich Euch sagen: Ich war gestern in Berlin. Und dann hat es reichlich geschüttet wie aus Eimern. Ich nutzte die Zeit für ein kleines, aber nützliches Update für Apple iOS, Apple versprach mir wesentliche Verbesserungen an der so genannten Autokorrektur, Ihr kennt das. Ich kann jetzt das Ergebnis ganz klar darstellen, also ich meine, weil es aus Eimern kübelte: Leute, die Straßen waren wie leergefickt.

Nein, Famous F. kommt gleich von Anfang an zur Sache. Dazu hat er drei heiße Bräute auf die Bühne gepackt, die Hip Hopski tanzen, eine Art polnisches Ratatouille vom beatversessenen Häschen. Eine Sängerin ist auch dabei. Und zwei Compagnons, die an Felix F. allerdings nicht heranreichen oder: Nobody can reach him the water. Rheinsberger Tafelwasser (Preussenquelle) hat sich hier in der Gegend schon einen guten Namen erarbeitet.

Das Publikum ist durch und durch herrlich unheterogen.

Geigenbauer Jan Dayß – nicht Jan Delay – ist auch da, wie der ältere Musiklehrer Herr Krömer (Name geändert, da vergessen). Eltern sind da, Schüler. Mädels, Jungs, aber auch ein paar ganz Harte, mitten im Konzert gibt es einen Graben fürs Pogen, mir rennt auch ein Mädchen ziemlich unbemerkt mitten ins Gesicht, aber das scheue Reh ist längst wieder weg, als ich vom gegen den Hirn-Schlag noch taumle. Eine Dicke hat vollkommen blaugefärbte Haare, irgendwie so Indigo, ihr Freund ist auch ziemlich blau.

Rock am Rhin Bühnenbild

Das ganze Bühnenequipment mit Tonnagen vom Soundcheck und Lichtertechnik à la bon heur ist schlicht gesagt groß und lässt die Finanzierung der Veranstaltung durch subversive Regionalförderung vermuten. Man will dem Ort eine kultische Begegnung der juvenilen Art verpassen, es ist ein gute Laune-Ding, ein Tanzen und Wordern, besser als Mördan.


FAMOUS – IMMERNOCH DER GLEICHE (FREETRACK 2017)

ROCK AM RHIN – 16.6.2017 !!! facebook.com/baserkaproduktion facebook.com/famous168

Man muss die Rapperszene bewundern, wie sie es schafft, Texte von außerordentlich großer Dichte und mit schier rhythmischer Versklavung durch Gaumen, Zunge, Hals zu skandieren. Shout & loud: Immer wieder läuft Sprechgesang mit Chorgewitter zwischen Bühne und Publikum hin und her. „Ich war in der Schule und habe nichts gelernt,“ möchte man meinen, doch diese Zeile stammt von den Kannibalen in Zivil (KIZ), die heute Abend nicht hier sind. Überhaupt ist Rock am Rhin, so bemerken kongeniale Facebook-Mitleser meiner Besuchsnotizen via Social Media wie die rührige Ulla Wedig, eine Art kleines Rock am Rhin(g), tsching, bumm, benggg!, so vong der Liveszene her gesehen, beispielsweise zum parallel stattfindenden, einzigen vergleichbaren Kosmonautfestival mit Musikern wie Kraftclub und anderen. Insider witzeln nun schon, der Beat sei heute Abend in Rheinsberg. Das ist wider bässeres Wissen.

Zum Soundcheck allerdings Kritik: Bei einer Mörderanlage wie dieser hätte man bspw. den Schlagzeugmix wirklich besser machen können. Die Bassdrum zappt einem ins Mark, dass es einem Großes verspricht. Snare, Toms und Overheads bleiben hinter diesen Erwartungen zurück. Da hätte der Berichterstatter gern nochmal mitgeredet. Auch die Gitarre ist zu leise und immer wieder beklagen sich vorn die Musiker, sie hören sich auf dem Monitor nicht gut. Ja, das ist zusammenfassend das Quantum Konzertkritik, dass allerdings die dargebotene Leistung des Hauptdarstellers nicht schmälert. Auch unter schwierigen Bedingungen gab es hier eine Meisterleistung.

Der große blonde Felix F. kann auch noch viel erreichen, wenn er dran bleibt.


FAMOUS – ICH KOMM‘ AUF DEINE PARTY (OFFIZIELLES VIDEO)

Sänger Felix Famsn: Immer noch zu wenig Haare für `ne Vokuhila… #herausgepickt

Das Konzert gestern Abend war erst einmal ein großes Gesamtfeuerwerk, mit eingebundener Pyronale und Trockeneis.

Heißer Scheiß. – Heute Abend gibt es noch weitere Livemusik für wenig Öcken. Hingehen.

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