1590/17: Trends: Der wichtigste Mann von Kreuzberg wacht über die „Good Vibes“ aus der Raummitte heraus

In anderen Clubs ist es der Türsteher. Im Yorckschloss ist es ein Iron Man, der in der gedachten Raummitte steht. Anders als anderswo wacht der nicht über den Einlass nur bestimmter Gäste (Stichwort: Gesichtskontrolle), sondern über den Groove. Der Guardian Of The Groove ist eine künstlerische Ikone und inzwischen ein Wahrzeichen im Schloss der Schlösser. Im Yorckschlösschen. Schlecht ist nur, wenn wie Chicago singt, der Groove Guardian verlustig ginge eines Tages: If You leave me now… ♪♫♪

Ich war längere Zeit nicht im Yorckschlösschen.

Mich wehte ein Zeitfenster dorthin. Der Mann, mit dem ich mich treffen wollte, um in Kreuzberg herumzuflanieren, hatte keine Zeit.

Also besaß ich welche davon. Fasste den Entschluss, mal wieder ins Schlösschen zu gehen.

Jemand anderes, den ich wegen dieser Idee noch anrief, um ihn hinzu zu rufen, war gerade erst umgezogen und fand die Idee auch nicht wegweisend. Also so wie ich.

So stieß ich unangekündigt ins Yorckschlösschen und traf letztlich alte Bekannte. Auf der Bühne die Band Nat’s Corner, ein Zusammenschluss von am selben Musikgeschmack vereinigten Jazzmusikern um Andreas Gäbel (G) herum. Gesang Siri Svegler, Piano Stefan Brandenburg, Bass Randy Scott. Gut besucht war es. Natürlich muss ich auch schon aus Gründen der Correctness beim Vorsteher des Ladenlokals vorsprechen und so kam ich mit Olaf Dähmlow ein weiteres Mal ins Quatschen. Es großer Ausflug, ein weites Feld.

Der wahrhaft zu Glück kommende Mensch reibt sich auch an seinen schwierigsten Vergnügungen. An Momenten, von denen man später erinnerungshalber sagt: Siehst Du? Ich habe gelebt. Hiergegen ist nichts einzuwenden, so lange sich das lasterhafte Andere nicht in Permanenz ergießt. Oder gar in Pirmasens. Wo ist überhaupt Pirmasens?

Man kann hier dies und jenes reden.

Und es gibt auch Dinge, über die redet man eben nicht.

Eins davon hat mit dem Yorckschloss und Dämlow gar nichts zu tun, sondern eher so mit dem Vergleich von Clubs über ganz Berlins Geschichte hinweg. Da gibt es das Quasimodo vom Giorgio, das jetzt sein früherer Mitarbeiter innehat. Dann gibt es das A-Trane vom Sedal. Früher gab es auch das Flöz, Nassauische Str., Wilmersdorf. All die Leute existieren, mit manchen hat man schon seit Jahren keinen Kontakt mehr, mit anderen hält man den Kontakt über Jahre hinweg oder er bahnt sich wieder erneut an. Irgendwie kennen sich in Berlin alle, die in dieser Szene zu tun haben, seit vielen, vielen Jahren.

Interessante Gesprächsgesichtspunkte kleben einem da ganz automatisch im Gesicht. So wie Fragezeichen.

Oder mit der besten Mitarbeiterin von allen: Pia aus dem Yorckschlösschen, ja, sie ist so was wie diese „Perle der Unterhaltungsindustrie“. Wenige Frauen sind witziger, gescheiter, eloquenter und wirklich gut zu mögen, selbst wenn sie Ecken und Kanten haben oder vielleicht gerade deswegen?

Oder Tom vom Carabao, ein skurriler Mischmasch aus guter Bar und Thai-Restaurant auf der Hornstr., direkt gegenüber vom Yorckschlösschen. Schon kommen wir ins Schlendern. Ins Hinüber wachsen. Vom Wachskabinett der Livemusik ins thailändisch-buddhistisch, aber auch irgendwie panamerkanische Ambiete von Tom‘ Carabao-Bar, wo es wirklich auch guten Whiskey gibt. Julien arbeitet dort manchmal: einer der besten, vielsaitigsten Gitarristen Berlins. Jaja, ich weiß, das mit den Besten, das ist immer so eine Sache. Fest steht: Der Mann hat Eier, beißt sich durch, und der macht alles, was erforderlich, damit er sein Ding weiter durchziehen kann. Genau so muss das auch.

Wir merken uns für interessanteste Gespräche, großartigste Momente diesen Walk Of Fame und die unbedingte Erforderlichkeit von Fußläufigkeit, denn wer will dann schon Auto fahren, dieses teuflische Dreieck an der Yorckstr./Ecke Hornstraße.

Sehr schön, Freunde.

Nach ein, zwei Whiskey wieder zurück ins Yorckschlösschen und bei Wein, Weib und Gesang Tresenkräfte drücken.

Das war ein schöner Abend.

Mache ich bestimmt mal wieder.

 

Schreibe einen Kommentar