1694/18: Erinnerungen: Es gab keine bessere Band in Deutschland in jenen Tagen – Wir streichen graue Mauern bunt. Wir sind viel zu gut.


Spliff Die Maurer (via YouTube)

Wir warten schon so lange
Solang kann das nicht sein
Wenn wir morgens aufstehn
Sind wir ganz allein
Unsre Frauen sind so schön
Sie liegen fett im Bett

Uuh, dann ist die Zeit so schön
Und wir müssen weg
Wir sind viel zu gut!

Das Leben treibt uns weiter
Weil das Leben ist ein Spiel
Wenn wir manchmal Geld verliern
Dann verliern wir viel
Wir streichen graue Mauern bunt
Im fünften Stock am Baugerüst
Hängt unser Superkran

Einer ist der Chef bei uns
Der darf den Kran auch fahrn
Wir sind viel zu gut!

Oh das Leben ist ein Schrei
Kommt einer hoch gehn fünfzig unter
So muss das sein

Sie ham die Bank wir ham den Stein
So wird das immer sein
Wir sind viel zu gut!
Zu gut!

Vom heutigen Standpunkt betrachtet hat es nichts genützt. Es hatte seine Zeit, nun ist es aus und vorbei. Erstens fehlt ein glaubwürdiger Bassist: Manfred Manne Praeker (#Himmel) ist tot. Zweitens sagt Drummer Herwig Mitteregger (#Hamburg), er habe den Kanal gestrichen voll vom Popstar sein. Insolito heißt übrigens ungewöhnlich. Wir tasten: Drittens hat Reinhold Heil (#USA) sein Ein- und Auskommen in Trumpelland. Herr Kennedy, wir lieben sie. Potsch Potschka (#Berlin) zieht andere Saiten auf. Der gestern verstorbene Jürgen Jürgens (#Himmel) hat Potsch interviewt und alles über Potschens Pläne mit ihm herausgearbeitet. Nina Hagen ist raus aus der Nummer. Die hatte mit der Spliffnummer nichts zum tun.

Dabei war das mal eine Zeit lang Deutschlands beste, vielversprechende Band. Eine Band mit Geschmack, Stil, Können, Vivre. Ich erinnere auch Konzerte, bspw. eins in der Berliner Eissporthalle. Da war als Mothers little Helper auch Curt Cress als Drummer mit dabei. Herwig hatte auch immer wieder umfassend Gesänge gegeben, von der Bühnenkante. Gut, der Cress konnte ihn würdig vertreten, wenn Spliff anders als im Studio live tourte. Aber ein Cress musste es schon sein. Denn dieser Mitteregger, das war mal ein absolutes Vorbild in Sachen gekonntes Trommeln. Er trommelte fulminant, mit Verve, fintenreich und hier und da regelrecht überraschend gegen alle Regeln. Ein ganz großer Könner seines österreichischen Fachs.

Beim Rias war es Lord Knut, beim SFB war es Jürgen Jürgens.

Wir kommen uns doch alt jetzt vor, mit so einem Lied des Tages. Die Maurer, das hat alles, was damals Spliff so wundervoll machte. Doch hört selbst, falls Ihr von dieser Band noch nie was gehört habt. Liebesgrüße an alle vier aus dem Internetz: Danke, Manne, Herwig, Reinhold, Potsch…das war soooo schön von Euch.

Mit der oben aufgestellten, virtuellen Trauerkerze möchte ich dem Radiomoderator Jürgen Jürgens aus tiefstem Herzen für sein Lebenswerk danken und eine kurze Liebeserklärung hinterherschicken. Beppo Pohlmann sagt es oben in dem Video schon ganz richtig, so habe ich es gestern auch schon gesagt. Im Grunde genommen waren zwei Radiomoderatoren jener Zeit von den Endsechzigern/Anfangsiebzigern an „kriegsentscheidend“ in der musikalischen Küssenschlacht der Herzen: Was auf Rias Berlin der frühere Lords-Musiker Lord Knut (und Schlager der Woche) war, war als Pendant beim Sender Freies Berlin in der Masurenallee Jürgen Jürgens und seine Sendung Hey Music.

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(Auf den nachfolgenden Audiolink klicken: Audiodatei anhören)

      Intro 1. Hey Music-Sendung mit - SFB2

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Es ist einem im Nachherein ein erschreckendes Detail, wenn wir uns das noch junge, ja zarte Alter von 65 Jahren im Jahre 2018 vor Augen halten, wie lange dieser Mann für viele Berliner und Umgebungskünstler (gemeint sind Bürger der untergegangenen DDR) von ausschlaggebender Bedeutung war.

Es ist uns ein Anlass, den Tod von Jürgen Jürgens zu betrauern.

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