1740/18: Nachruf: Ingo Insterburg eigentlich Ingo Wetzker (* 6. April 1934 in Insterburg in Ostpreußen; † 27. Oktober 2018 in Berlin)


Raucherhusten Blues – Insterburg & Co

Ich liebte ein Mädchen in Lichterfelde,
die lebte zu lange von meinem Gelde,
ich liebte ein Mädchen in Jungfernheide,
wir liebten uns täglich alle beide!
Ich liebte ein Mädchen in Grunewald,
bei der war immer die Bude kalt.
Ich liebte ein Mädchen in Wannsee,
die konnt‘ kein‘ nackten Mann sehn.
Ich liebte ein Mädchen in Wedding,
die wollte immer nur Petting.
Ich liebte ein Mädchen in Tempelhof,
die war sehr lieb, doch ’n bisschen doof.
Ich liebte ein Mädchen in Neukölln,
die wollte es niemals im Hell’n.
Ich liebte ein Mädchen in Heiligensee,
da gabs zwischendurch Gebäck und Tee.
Ich liebte ein Mädchen in Spandau,
von der war immer der Mann blau.
Ich liebte ein Mädchen in Tegel,
die hatte Ohren wie Segel.
Ich liebte ein Mädchen in Tiergarten,
da musste ich immer bis vier warten.
Ich liebte ein Mädchen in Charlottenburg,
die liebte Ingo Insterburg.

Doch dann wurd‘ es ihm in Berlin zu klein, drum zog er in ganz Deutschland ein: 1973 hatte das noch grenzüberschreitenden Charakter. Während Ostberlin unerwähnt blieb, trieb sich Anarcho-Ingo in ganz DDR-Deutschland herum, in Meißen tat sie ihm die Hose zerreißen. Es war eine gesamtdeutsche Freude. Er liebte die Mädchen, aber sie nicht ihn, hieß die Botschaft, im Video unten präsentiert sie passenderweise Manfred Sexauer. Die Happy Aua der Schlüpfrigkeit

In gewisser Weise hat sich Humor inzwischen internationalisiert.

Wir sollen über die Sachen lachen, die anderswo produziert werden. Global Players of Humor produzieren ganze Serien mit xbeliebigem Humor. Richtig beliebig ist er geworden. Der Humor. Dafür gibt es auch Gagschreiber. Die vorn an der Bühne stehen und auftragsgemäße Witze erzählen, sind eben witzige Storyteller.

Ich liebte ein Mädchen in Plauen, da bin ich bald abgehauen.
Ich liebte ein Mädchen in Gießen, auch die tat mich schnell verdriessen.
Ich liebte ein Mädchen in Meißen, die tat mir die Hosen zerreissen.
Ich liebte ein Mädchen im schönen Zerbst, da hielt die Hose bis zum Herbst.
Ich liebte ein Mädchen in Mainz, die war gar keins.
Ich liebte ein Mädchen in Kiel, auch da war nicht viel.
Ich liebte ein Mädchen auf Rügen, wir liebten uns beim Fliegen.
Ich liebte ein Mädchen in Papenburg, die liebte Ingo Insterburg.

Doch dann wurd‘ es ihm in Deutschland zu klein, drum zog er sich die Welt hinein.

Wenn der große Olli Dittrich am Imbiss in Hamburg-Eppendorf seine Monologien des Unerträglichen mit einem fürsorglichen „Mein Ingo“ einleitet, habe ich immer sofort an Ingo Insterburg gedacht. Oder an die Karikatur vom gemobbten Ingo und alle so: „Halt die Fresse , Ingo.“ An Ingo I. aus Berlin-Schmargendorf denke ich schon viel, viel länger. Ingo I., Russlanddeutscher, hat schon pittoresk geblödelt, als ich ein Junge war mit keinem Motorrad.

Insterburg & Co. war so kongenial als schräg als umtriebig, Sie waren die ersten Langhaarigen, die sich was trauten.

Ich liebte ein Mädchen am Südpol, was selten da geschieht wohl.
Ich liebte ein Mädchen in Östereich, für die war ich der Grösste gleich!
Ich liebte ein Mädchen auf Elba, die liebte sich lieber selber.
Ich liebte ein Mädchen in Mexiko, die hat einen runden sexy Po.
Ich liebte ein Mädchen in Indien, wir taten im Reisfeld sündigen.
Ich liebte ein Mädchen in Thailand, allein auf einem Eiland.
Ich liebte ein Mädchen auf den Mollukken, da fings bei mir an zu jucken.
Ich liebte ein Mädchen in Griechenland, die die Liebe am schönsten beim Kriechen fand.
Ich liebte ein Mädchen in Frankreich, wir liebten uns auf ’ner Bank gleich.
Ich liebte ein Mädchen in Schweden, die konnte französisch reden.
Ich liebte ein Mädchen in Italien, die liebt dich nur für die Fressalien.
Ich liebte ein Mädchen in den Niederlanden, uns’re Kleider wir niemals wieder fanden.
Ich liebte ein Mädchen in Polen, die hat mir die Unschuld gestohlen.
Ich liebte ein Mädchen in der Sowjetunion, die sagte immer: ‚Njet, mein Sohn‘.
Ich liebte ein Mädchen in Ägypten, so lang bis die Pyramiden wippten.
Ich liebte ein Mädchen in Luxemburg,
die liebte Ingo Insterburg.

Doch dann wurd‘ es ihm auf der Welt zu klein, drum zog er sich den Himmel rein:
Er liebte ein Mädchen auf dem Mars, ja das war’s.

Jetzt ist Ingo Insterburg verstorben, Großer des deutschen Humors, wir werden Dich nicht vergessen. Du bist in das nationale Gedächtnis eingebrannt. Die Bestattung findet pünktlich zur near the Spargelbeet statt. Der Leichenschmaus ist Chappi. Ich sag es lustlos, ohne jeden Humor. Mir ist der Witz vergangen.


1976 – Mus1976 – Musikladen mit Insterburg & Co

Ruhe in Frieden, Ingo.

Weiterführend

Schreibe einen Kommentar

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.