1772/19: Positionen: Der soziale Netzzwerg geifert Gift und Galle – Gedanken an unsere schöne, alte Dame „Belle“ #NotreDame

Der soziale Netzzwerg (Ani/gif)

Der soziale Netzzwerg (Ani/gif)

Ein kleiner Wichtel geht um im sozialen Netzwerk: Es ist der soziale Netzzwerg. Widerspruch wird aufgeknüpft, Basta!

Im Unterschied zum Fruchtzwerg geifert er Gift und Galle und hat nicht wie Heinz Erhardt, der Ältere, Gewürzgurke gegessen, mit der guten Gisela. Hier geht es um Gift und Galle. Um Gossip. Die Niederträchtigkeit der gedachten Gedanken. Der soziale Netzzwerg 2019 weiß ganz genau, wie es um die Deutungshoheit für die Lese- und Schreibschwächen anderer und deren abgesonderte Ungenauigkeiten steht. Gallertartige Magma (innen), nicht Lava (außen). Unmündigkeit der Anderen setzt er seine revoluzzerhafte Aufmüpfigkeit entgegen: Er fügt dem Beitrag (Post) eines Menschen Augenöffner hinzu, die unmündige Zwerge nicht selbst hätten ausdeuten können. Doch die Anderen, das sind wir. Woher denn auch? Das Leben ist zu vielschichtig, so vielschichtig wie eine Platte Multiplex. Außerdem können wir ja alle auch nicht mehr lesen. Wir können auch nicht mehr an uns halten, was raus muss, muss raus, sofort, möglichst schnell und ohne groß darüber nachgedacht zu haben. Reflexion? Das ist die Verspieglung der Tabletoberfläche bzw. die Vorspiegelung falscher Halbwahrheiten. Weggewischt auf dem Tatschscreen.

Ich weiß nicht, warum mich das so berührt. Und ich möchte auch keine Bilder der brennenden Notre Dame mehr sehen. Ich möchte auch nicht mehr nach Paris, denn ich will sie in Erinnerung behalten, wie sie war. Es mag viele wunderschöne und architektonisch wertvollere Gebäude in Europa geben. Sogar schönere. Aber keines von ihnen hat je diese düstere Melancholie beim Anblick oder Betreten erzeugt. Keines von ihnen bringt man so sehr in Verbindung mit Weltliteratur und Geschichte. Der sakrale Gedanke spielt dabei keine Rolle. Jedenfalls nicht für mich. Diese Kirche ist so viel mehr als ein Gebäude. „Notre Dame de Paris“ hat mich mit 11 oder 12 Jahren zum Hugo-Leser gemacht. Diese Liebe ist nie vergangen. Was Notre Dame (Unsere Frau) für die Pariser bedeutet, können wir wahrscheinlich gar nicht ermessen. (schreibt meine Leidensgenossin Maria Steuer aus Schwerin auf Facebook) – Thank You for wording.

Gestern Abend brannte Notre Dame Paris. Der Brand an und für sich macht einen schon sprachlos. 2019 ist das Jahr, in dem Notre Dame fast niedergebrannt wurde. Weitgehender geht es nimmer. Schlimmer welche Assoziationen das Feuer in Notre Dame wie ein Höllenfeuer gebiert: Die Hölle der Pädophilen, ist da zu lesen, es ist ein Zeichen vom Zorn Gottes. Wenn Kitas brennen, gibt es keinen solchen Tara, schreibt jemand und vergisst die Feuerversicherung üblicher Sechziger-Jahre-Hortgebäude. Notre Dame ist jetzt ein Hort der Hölle. Hölle, Hölle, Hölle.

Der soziale Netzzwerg argumentiert vom Flachbildschirm aus und wischt die Gegenmeinungen zu seinem Sujet mit Fingerwisch weg und merkt gar nicht, dass er flach argumentiert, weil er nicht mehr in der Lage ist, richtig in die Tiefe zu denken. Er nennt, was er sagt, das letzte Quantum Meinungsfreiheit. Es ist ein Malheur und es macht den Quasimodo noch kreuzunglücklicher: Dabei richtet sich der Zorn Gottes nicht gegen das eigene Haus, die Kirche. Es ist der Zorn des sozialen Netzzwergs, und er richtet sich gegen ein Stück Menschheitsgeschichte aus 1.000 Jahren. Notre Dame steht für alles, was Du gerade jetzt mal schnell herauskotzen kannst. Vor aller anderen Leser Füße.

Ich kann gar nicht so viel essen, wie ich ….

Der Spruch ist von Max Liebermann und Nachdenken bildet.

 

Schreibe einen Kommentar

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.