450/11: Kritik: Auf der Suche nach Musikern kein Problem, überall T-Shirts zu erwerben!

Na dann lasst uns mal den Frühling einläuten und den letzten Rest Glühwein aus den Regalen wegtrinken. Demnächst folgen noch mehr Infos Rund um Berserker die es in sich haben werden… So long und Stay Brutal, Stay Frühlingsgefühle…  (Gruß & Hinweis auf der Website von Berserker Berlin, abgefragt am 19.02.11)

Ne, jetzt mal ehrlich. Auf der Suche nach neuen Musikern triffst du in der bunten Welt der Kleinanzeigen (wir berichteten!) zunehmend auf textile Grundsatzfragen, die mit der Musik selbst nicht mehr viel zu tun haben:

  • Gibt es unter „Fanartikel“ auch scharlachrote Schals mit Pepitafütterung?
  • Muss man eine ähnliche Figur wie der Gitarrist der Band besitzen oder ist etwas dicker besser?
  • Was ist, wenn meine Tatoos dann noch zu sehen sind? Stimmt es, dass Tatoofarbe krebserregend ist?


Johnny Winter – Be Careful With A Fool – via Youtube

Ansonsten hasse ich Schubladen-Denken und Moralapostel, die ihre Weisheit mit Löffeln gepachtet haben und mir ihre Welt aufzwingen wollen. (Chris, Label Sunny Bastards,  „Bastard für Alles und Labelchef oder -knecht, je nach Betrachtungsweise, hier)

Ich hab jetzt festgestellt, dass mir einiges am Musikerleben, aber auch am Fan sein (sollen) einigermaßen fremd ist. Gestern Nacht war der sichtlich gealterte Johnny Winter (ein Albino seit Geburt) im Nachtfernsehen zu sehen, ich zappte aus Versehen dort hin. Nein, weil Andreas, der Jazzgitarrist mich drauf gebracht hatte, via facebook. Jetzt weiß ich wieder: Johnny ist ein harter Hund, kann aber aktuell während eines Konzerts nicht mehr stehen, sondern sitzt.

Ich dachte, ojé, so gut ist der aber auch nicht mehr drauf. Aber was wichtig ist: Er sitzt auf einem Stuhl, wie andere in einem Rollstuhl und hext mit der „headless“-Gitarre herum, es geht bluesy ab. Johnny Winter hatte in Woodstock gespielt, kam aber wegen Streitigkeiten des Managements mit den Filmemachern nicht in den offiziellen Film, den jetzt alle kennen. Shit happens.

Heutzutage ist das alles kein Problem mehr: Es gibt dieses spreadshirt-Konzept. Du baust den Shop mit ein paar Zeilen Hypertext (hyper, hyper) in deine Website ein und fertig ist die Laube. Es gibt T-Shirts, Kaffeetassen, Zip- und Workerjacken, ja sogar Frühlingsangebote.

Nur kommt dann nicht die Musik selbst ein bisschen zu kurz? Ick will mir doch nicht einkleiden, Leute, ick will jute Musik hören. Olaf vom Yorckschlösschen zweifelte neulich daran, dass ein großes Schlagzeug aus Plexiglas mit mehr als einem Stand- und einem Hängetom irgendeinen Sinn hat. Es reicht aus, das Besteck so übersichtlich zu halten, dass auf den Basics was Vernünftiges zusammentrommeln könne. Was soll man in diesem Zusammenhang dann (erst recht) über Fanartikel-Shops sagen?

Tja, Johnny Winter und Konsorten, das waren noch harte Männer! Es waren andere Zeiten.

Das ist nun mal nicht Unheilig, der Graf und der damit derzeit erfolgreichste Musikact Deutschlands! Egal: Sollten solche Leute einen Mitmusiker suchen, werde ich mich nicht melden. Ich steh nicht auf die textilen Rahmenbedingungen, die andere um ihre Musik drumrum weben. Mir reichen der unverhüllte Anblick, die nackten Fakten und der unverstellte Himalaya guter Musik. Om!


Johnny Winter -Guitar Lessen Part 1) erzählt, ist älter geworden! (via Youtube)

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