464/11: Positionen: Im Schrifttum dieser Website ist ein Fehler aufgetreten. #Bugs #Echo 2011

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Die Fehlermeldung, die ich erhielt, war eine gewöhnliche, die von der Benutzung des Microft Internet Explorers gern einmal vermeldet wird. Denn heute kam der Echo Musikpreis 2011 über uns, am Abend wird er in Berlin verliehen. Und Verleihen, das kommt von zurück geben, von ausleihen und was dann? Mich trieb die Frage an, warum in meiner Eingangspost die Einladung dazu ausgeblieben sei? War ich am Ende ein unbedeutendes Würstchen, ignoriert von musikalischen Vegetariern, die meine Beobachtungen der Berliner Musikszene einfach nur widerwärtig fänden?

Internet Explorer Skriptfehler

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Annette Humpe? Ich hab sie so lieb, ich würde ihr ohne Bedenken eine Kachel aus meinem Ofen schenken. #Poesiealbumspruch, Anfang der 80iger

Doch ich hatte schon einen ganzen „Arsch voll Geschichte“ gehabt: Ich war einer der Ersten, der der Kultband IDEAL aus Berlin zujubelte. Sie gaben ein gefeiertes Open-Air-Konzert in der neu besetzten Zehlendorfer Schultheiß-Brauerei Anfang der Achtziger. 6000 Leute quetschten sich bereits in den Innenhof und Annette Humpe sah hinreißend aus. Der Schlagzeuger Hansi Behrendt war mein frühes Vorbild. Seine Art zu spielen berührte mich zutiefst – und tut es noch bis heute, wenn ich die alten Songs noch einmal zu Kontrollzwecken höre. Ihre Musik war zeitlos gewesen und ist noch heute hörbar, bzw. wunderbar.

Und Joy Denalane? Sie schaffte es irgendwie, schwarzen R & B einzudeutschen. Ihre Texte hatten etwas von der angloamerikanischen Süffisanz, sie hatten einen Spirit, eine Art „Come and Go“, dass es einem schwindlig werden würde. Nein, Joy Denalane sah nicht nur gut aus, das ist ein Gerücht.

Doch jetzt haben sich die Zeiten geändert, und wenn heute Abend der Echo Musikpreis 2011 verliehen wird (wie gesagt, nur verliehen), dann werden die Preise wohl eher an Unheilig, den etwas weißlichen, glatzköpfigen Grafen von Middlefrissum (weiches s) gehen und nach Hannover zur Enkeltochter des deutschen Politikers und Diplomaten Meyer-Landrut. Weitere Preise gehen nach Hamburg, vermutlich irgendwo an die Außenalster bzw. die Rothenbaumchaussee. Hach, Leute, wo bleibt denn da die Berliner Musikszene.

Richtig: Auch sie ist bei der Echo-Preisverleihung gut vertreten, und das ist auch für uns Älteren ein Trost.

Dass Annette Humpe heute einen Echo für ihr Lebenswerk bekommt, ist verdient. Zwar kommt sie nicht aus Berlin, aber von Berlin aus nahm ihre vorzeigbare Karriere ihren Ursprung. Es waren die Neonbabies (im Duett mit Schwester Inge) und dann Ideal, der Blockbuster „Der Ernst des Lebens“ und „ahula“ (flieg nach Hawai, wir sind auch dabei, flieg nach Tel Aviv, zum Minimaltarif, flieg nach Eschnapur, dem Tiger auf der Spur). Damals war der Tiger noch im Tank. Heute lebt Annette Humpe in Hamburg, das war ein Fehler. Für Berlin, nicht für Hamburg, wenn Ihr versteht….

Joy Denalane wird auftreten….

Muss man nach all dem letztlich zu dem Ergebnis kommen, dass die Berliner Musikszene ein Surrogat verschiedenster Nationalitäten darstellt, das erst durch die Hinwendung und Anpflanzung im Berliner „Dschungel“ (einst eine veritable Vergnügungsstätte des Berliner Nachtlebens) zu etwas Bedeutendem aufkeimt? Vielleicht ist es so, wie ich vermute: Dass erst die Mischung es macht, ein bisschen New York (Jocelyn B. Smith), Annette Humpe (aus Hagen), oder Gabriele „Nena“ Kerner (ebenfalls aus Hagen, wo -hurra, hurra- die Schule brannte) -und so weiter und so fort- ….

Keine Frage: Bei der Verleihung eines Preises für ihr Lebenswerk fielen mir noch weitere ein, die „post mortem“ zu bedenken wären: Ich denke an Heiner Pudelko, den Ausnahmesänger der Berliner Band Interzone, an Effjott Krüger, den Gitarristen von IDEAL, nur beispielsweise. Beide wären verdiente Ehrenpreisträger und haben sogar vielfach zusammen auf einer Bühne gestanden. Doch da lebten sie noch, diese vergessenen Helden der Berliner Musik. Verzeiht, wenn ich einige hier nicht namentlich genannt habe, die in dieselbe Kategorie gehören.

Angesichts der vergessenen, schriftlichen Einladung an unsere Redaktion fuhr heute Morgen diese Website hoch und zeigte den oben abgebildeten Fehler: Tja, es ist eine Frage, die zu Herzen geht! Der Echo 2011 geht an uns vorbei, denn einen für das Lebenswerk bemühter Schreiberei würde es erstens jetzt noch nicht geben. Dazu ist die Schreiberei noch nicht lang genug am Markt der unwiderstehlichen Möglichkeiten. Und zweitens ist der Beweis noch nicht angetreten, dass diese die Berliner Musikszene in einer Weise befruchtet hätte, als dass sie allein dadurch „auf die Hufe“ gekommen wäre. Ganz im Stil von The Boss Hoss, sind wir einsame Präriepiratencoyoten, allein getrieben von der Einsicht, dass eine regelmäßige und nachvollziehbare Beschreibung der örtlichen Musikszene einen gewissen Sinn ergäbe. Abwarten und Tee trinken, Freunde.

Keine Atempause, Karriere wird gemacht, es geht voran. #Fehlfarben (Düsseldorf), Credo der Berliner Musikszene

Ach ja: Und rettet die Livemusik!

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