476/11: Kleinanzeigen: Die Menschen bauen viele Zäune auf, die man dann erst wieder niederreißen muss!

Wer auf Kleinanzeigen antwortet, dem kann theoretisch alles passieren. Komplette Anfänger können dich kontakten oder gewiefte, begnadete Könner. Deswegen gilt es herauszufinden, mit wem du es eigentlich zu tun hast? Ist das ein fortgeschrittener Teamplayer, der super spielt oder hast du es mit einem autokratischen Führer zu tun, der dich lediglich benutzen will, musikalisch aber keine Einmischung erlaubt? Oder weiß derjenige nicht einmal, wo er wirklich steht? Besonders bescheuert ist ein zu schriftlicher, alles verkomplifizierender Frage, Antwort, Frage-Kontakt via Email, der zu nichts als Worten führt und zwischen den Zeilen ergibt sich nichts anderes als Abneigung, Entfremdung und trennende Worte. Musik spricht für sich selbst: auch ohne viel verbales Trallala. Allerdings muss man dann auch Audiomaterial vorweisen….

Natürlich kann ich schief liegen, aber es stört mich. Was wir tun, wenn wir nach Musikern für ein neues Projekt suchen, das sind unheimlich viele Worte. Doch Daliah Lavi, die alte Dame des deutschen Schlagers sang doch schon: „Worte zerstören, wie sie nicht hingehören“. Es war ihre Art, Liebe zu zeigen. Meine Art, Liebe zu zeigen, ist betreffend das Musizieren inzwischen immer wieder grenzgängerisch. Ich unterscheide nur noch zwischen guten und schlechten Musikern. Erst wenn diese Barriere überwunden ist, befasse ich mich näher mit weiteren Fragen, wie z.B. Stilfragen. Stilfragen per Email oder am Telefon aufzuwerfen, ist unklug. Es reicht zu erfahren, ob jemand sein Instrument beherrscht.

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Ein guter Musiker kommt zur ersten „Audition“ (Vorstellung), um sich einzufühlen. Der gute Musiker ist technisch versiert und stilistisch „polyphon“, in der Lage, zu jedem ihm dargebotenen Groove oder Akkord etwas Passendes dazuzusteuern. Wer dann -nur um etwas gemeinsam zu probieren- schon die Nase rümpft, hat den Sinn von gemeinsamen Musizieren nicht verstanden. Denn Gruppe spielen ist Gruppentherapie und nur erfolgreich, wenn es zusammen klappt.

Ich kenne einen guten Keyboarder, dessen Spiel ich sehr hoch einschätze und von dem ich glaube, dass er mit mir etwas Tolles auf die Beine stellen kann. Wir verhandelten mit einer Sängerin. Die Sache war bis zu einem bestimmten Punkt gediehen, und dann war die Sängerin nicht mehr im Kontakt mit uns. Der Faden riss ab. Bis dato war alles via Email gelaufen, und weil ich ein konkreter Mensch bin, gab es einen konkreten Vorschlag: Wir treffen uns im Proberaum und schauen, was passiert. Doch ab diesem Zeitpunkt war alles eine Art Rückzugsgefecht. Zu dem Termin kam es dann nicht mehr.

Weder war sie noch bereit, den Keyboarder überhaupt nur anzuhören. Stattdessen verwarf sie den Keyboarder, ohne ihn zu kennen. Nahm einen anderen. Der, den ich hatte, spiele Rockmusik und Funk, ePiano und Orgelsounds. Sie will mehr Synthieflächen einsetzen. Soll sie doch. Aber nicht mit mir. Der, den ich kenne und mit dem gemeinsam ich sie hätte austesten wollen, ist einem „Teppichverleger“ von wabernden Synthiesounds sicherlich im Spiel überlegen. Was ich aber will, sind gute Musiker, keine Protagonisten, keine Komparsen, keine „zweite Reihe“ hinter einer „Chefin“, die sich wünscht, die Augsburger Puppenkiste zu bedienen, lauter Marionetten, die auf Zuruf wabern und Atmosphäre schaffen. Ich bin -leider oder auch nicht- zu tief im Musik machen selbst „verstrickt“ und da fühle ich mich pudelwohl.

Ich halte es für einen Fehler, wie man mich versucht hat, zu instrumentalisieren. Ich bin ein ganzes Stück Universum, unfähig mich von einem Anderen als Knetemännchen formen zu lassen nach seinem Wunsche. Denn ich bin kein Auftragsmucker für Kohle, Mücken, Penunse, ich bin Musiker.

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