542/11: Trendbarometer: Geht der Streit GEMA vs. Youtube nach lauten Wortmeldungen in eine neue, entscheidende Runde?

MSP - Meinungen, Statements, Positionen!

Wir bedauern zutiefst, erneut über die GEMA in negativer Weise berichten zu müssen, bzw. weitere, etwas aufgefrischte Meinungen, Statements & Positionen herunterzubeten. Denn das ist eigentlich nicht das Kerninteresse dieser Website. Unser Kerninteresse besteht einzig und allein darin, der Berliner Musikszene mehr Geltung, Aufmerksamkeit und Erfolg zu ermöglichen. Durch die „Überbetonung des Juristischen“ stirbt Kultur ein Stück weit ab und wir fragen uns in erster Linie, was wir dürfen und was wir sicherheitshalber lassen? Es wäre doch positiv, wenn sich Websites wie diese schlicht und ergreifend nur und ausschließlich auf die Musik selbst, anstatt auf das Reden über deren Begleitumstände konzentrieren könnte. Die GEMA macht das leider unmöglich. #Meinung

Was sind wir eigentlich, wir „freiwilligen Berichterstatter“? Geschäftsführer ohne Auftrag? Na, jedenfalls ist die Berichterstattung über musikalische Zusammenhänge, wie sie die Berliner Musikszene nun einmal zu bieten hat, ein heißes Pflaster. Für „offene Worte“ werden wir ohnehin nicht belohnt, sondern sogar bestraft. Allerdings haben wir auch sehr frühzeitig darüber berichtet, wie die GEMA als Spiegelfechter von bestimmten Autoren in Deutschland versucht, deren Urheberrechte zu sichern. Das gelang nicht im Wege der Einstweiligen Verfügung. Am 11. September 2010 berichteten wir darüber hier.

Abfrage der GEMA-Homepage am 11.09.2010, wir berichteten!

Richtig: die GEMA hatte sich gerade erst eine „Backpfeife“ eingefangen. Sie drang mit ihrer Rechtsansicht vor Gericht und auf hoher See nicht durch. Nein, eine besondere Eilbedürftigkeit könne das Gericht nicht erkennen, urteilte es und entschied, dem Antrag auf Erlass einer Einstweiligen Verfügung gegen Youtube auf Unterlassung der Veröffentlichung von bestimmten Streaming-Inhalten erst einmal nicht stattzugeben. Dass das aber „in der Hauptsache“, wie so was die Juristen sagen, noch keine Vorwegnahme derselben darstelle, machte das Gericht klar. Nein, es sah Anhaltspunkte dafür, dass im deutschen Urheberrecht gute Argumente für die GEMA und ihre Rechtsposition sprächen. Das aber könne man auch „in Ruhe“ entscheiden. So eröffnete das entscheidende Gericht zugleich auch den Prozessreigen, der nun prozessual „in allen Instanzen“ anhängig bleiben wird. Bis einer irgendwann einmal feststellt, dass die Position der GEMA möglicherweise zu starr, zu unbeweglich und zu wenig realistisch ist. Doch das wäre eine Sache gutgeführter Verhandlungen.

Das Kernproblem aber scheint zu sein, dass Verhandlungen derzeit nicht stattfinden. Dieser Vorgang ist im Vergleich mit einer Vielzahl weiterer Länder weltweit ziemlich einmalig und belegt die besonders verkrusteten Urheberrechtsstrukturen in Deutschland. Die GEMA betont daher auch, dass Deutschland „nun mal ein starkes Urheberrecht“ hätte. Na und?

Letztendlich ist die eingetretene Situation die eines insgesamten Rohrkrepierers. Tante GEMA, die Altehrwürdige, berühmt sich ihrer historischen Größe und die ganz überwiegende Zahl der jüngeren, technikaffinen Menschen ulkt sich eins darüber. Geradezu schwachsinnig erscheint die derzeitige Praxis des Urheberrechte an den Pranger Stellens, wie es in dem schwarzbleibenden Videofenster bei Youtube mit einem skeptisch glotzenden Emoticon gekürt wird zum Standardspruch: „Das Video ist in deinem Land nicht verfügbar.“ Hier richtet die GEMA mit überzogenen, unrealistischen und vom Contentanbieter schlicht nicht zu finanzierenden Streamingpreisen verlustträchtige Geschäftsmodelle ein, die weder einen Abnehmer finden, noch betriebswirtschaftlich vernünftig abgefedert werden können. Denn wenn auch google hinter Youtube steckt, so darf der Urheberrechtswächter kaum erwarten, dass eine Querfeldeinfinanzierung über Firmenstrukturen hinaus erfolgversprechend durchsetzbar ist. Am einfachsten macht man sich deutlich, dass das Geschäftsfeld Youtube für google, wie für jeden anständig denkenden Unternehmer ein „sich selbst tragendes“ Geschäftsfeld bleiben muss, na was denn sonst?

Davon ist die GEMA allerdings weit weg.

Aktuell ruft das zwei Männer auf den Plan, die in Deutschland nicht gerade wenig zum Thema sagen können, deren Wort eine gewisse „Marktrelevanz“  besitzt. Frank Briegmann ist Chef von Universal Music Deutschland. Edgar Berger ist Chef von Sony Deutschland. Beide Plattenbosse sind derzeit total unzufrieden, ja, mit der Gesamtsituation, mit dem Stillstand, dem „Revisionismus“ und dem Verharren in Unbeweglichkeit der GEMA. Am Ende überlegt der Berichterstatter schon, ob vielleicht Edmund Stoiber die richtige Person wäre, die GEMA aus ihrer Malaise zu führen: als Entbürokratisierungsbeauftragter bei der Europäischen Gemeinschaft konnte er üben, er kann ex-Ministerpräsident Günter Oettinger hinzuziehen – Stichwort: Stresstest bei der GEMA- und der GEMA-Aufsichtsrat Frank Dostal komponiert dazu eine elegische Ballade pour Urheberrecht.

Edgar Berger behauptet nun gegenüber Spiegel Online, Deutschland sei ein digitales Entwicklungsland. Und Frank Briegmann fügt hinzu: „Einige Mitglieder (der GEMA – die Red.) scheinen noch nicht im digitalen Zeitalter angekommen zu sein.“

„Unterm Strich zähl ich“ sagen sich jetzt immer mehr Musiker und kümmern sich von vorherein um vollkommene GEMA-Freiheit ihrer Urheberrechte. Schade eigentlich: eine gut und zeitgemäß geführte GEMA könnte den Musikern helfen, sich auf ihre Kernkompetenzen zu besinnen. Übrigens: Dies gilt nicht minder für die „schreibende Zunft“.

 

4 Gedanken zu „542/11: Trendbarometer: Geht der Streit GEMA vs. Youtube nach lauten Wortmeldungen in eine neue, entscheidende Runde?

  1. Pingback: http://blackbirds.tv – Berlin fletscht seine Szene » 545/11: EILMELDUNG: Der Server der GEMA ist offline! Anonymous? #News

  2. Hallo,
    ich habe den Eindruck, dass hier das Kind mit dem Bade ausgeschüttet wird. Kreative, die wollen, dass ihre Tracks auf YouTube gezeigt werden, können das veranlassen:

    Lt. Satzung der GEMA § 3 Absatz 2
    Der Berechtigte der GEMA kann bei der GEMA das Nutzungsrecht Internet
    ausschließen, und sich selber vertreten.
    Heißt: Er muss im Internet selber für seine Rechte kassieren.
    Das gilt auch für andere Nutzungsarten.

    In diesem Sinne muss ich Micki Meuser recht geben. Hier wird die GEMA zum Buh-Mann gemacht. Ich empfehle den Artikel des Rolling Stone zum Lesen. Es gibt kein anderes Unternehmen, dass das Inkasso für Künstler weltweit wahrnimmt. Wenn man als Musiker Geld von der GEMA aus z.B. Japan bekommt, sieht man das in einem anderen Licht. Persönlich könnte man das nie leisten. Manager von Plattenfirmen haben auch ihre Interessen. Ob die den Interessen der Musiker entsprechen, stelle ich in Frage.

  3. ach ja, Rolling Stone Artikel über die Gema
    http://www.rollingstone.de/magazin/features/article72541/Schon-gezahlt-Kinder-Der-Aerger-mit-der-GEMA.html

    Zitat daraus:Dafür leidet die Mittel- und Unterschicht der Musikschaffenden umso mehr. Die britische Musicians’ Union hat zum Jahresende gemeldet, dass 87 Prozent ihrer Mitglieder weniger als 16.000 Pfund im Jahr verdienen. Die Performing Rights Society, die britische Gema, fügt hinzu, dass es bei 90 Prozent ihrer Mitglieder sogar nur 5000 Pfund sind. Für viele Musiker nimmt die Gema den Status einer Lebensversicherung ein.

  4. Lieber Walter Holl,

    das bestätigt ja eigentlich, was ich schrieb:
    Schade eigentlich: eine gut und zeitgemäß geführte GEMA könnte den Musikern helfen, sich auf ihre Kernkompetenzen zu besinnen. In diesem Sinne danke für deinen Kommentar.

Schreibe einen Kommentar