63/10: Video: Steve Vai & Felix Lehrmann (Berlin, drums) auf Musikmesse 2008 – Beat It (MJ – R.I.P.)


Felix Lehrmann, Andy Timmons, Felix Lehrmann – Musikmesse 2008 – Beat It – via Youtube

Aus aktuellem Anlass: Diesen Beitrag widmen wir dem unvergesslichen Michael Jackson, dessen Lebenswerk und der Erinnerung an den „King of Pop“

Das Video: Harte Kost für frühmorgendliche Ohren: Ein paar Leute aus Berlin und Umgebung mischen noch nicht mal so lange, wenn man in Dekaden denkt, das Berliner Musikgeschehen auf. Dazu gehört auf jeden Fall der Halberstadter Berliner Felix Lehrmann (Jahrgang 1984). Felix Lehrmann ist Schlagzeuger, Linkshänder, he do it the other way round, hat immer noch keine eigene Homepage und braucht vermutlich solchen Schnickschnack nicht, um Aufmerksamkeit zu erregen. Das tut er mit dem Kern seiner Interessen. Auch Felix Lehrmann will offenbar nur spielen.

Ein älterer Herr bezeichnete in Hintergrundgesprächen Schlagzeuger als Zischdeckelfritzen. Auch diese Bezeichnung trifft auf Lehrmann ohne Frage zu. Wie nur wenige andere, die wir im Laufe eines durchaus schlagzeuginteressierten Musikerlebens kennenlernten, beherrscht Lehrmann insbesondere jene Kunst, die Nichtdrummern stets nur an anderen Dingen auffällt. Der Nichtdrummer rät herum, woran es wohl liegt, dass dieser Song nicht groovt. Richtig: Die Königsdisziplin aller schlagzeugspielenden Eierwollmichsäue, das findet auch Felix, ist die Hi-Hat-Arbeit. Als Vorbild mit dem gewissen „Kick“ in Richtung Schlüsselerlebnis hat er sich einen Herrn ausgesucht, der erstens schwarz ist, zweitens in Paris lebt, drittens aber nicht von dort, sondern von der Cote d´Ivoire, zu Deutsch Elfenbeinküste, kommt. Monsieur Paco Séry, Jahrgang 1956, hat es ihm angetan, sagt Felix Lehrmann und lobt insbesondere dessen wahnsinnig gute Hi-Hat-Arbeit (Hi-Hat = Zischdeckel).

Als Wahlberliner lebt der „Musikus“ Felix Lehrmann schon seit Jahren in Berlin. Seine Roots sind familiär „in Musik“ verhaftet. Schon als kleiner Steppke trommelte Lehrmann nicht nur in Papas Keller. Auch heute noch begleitet der Sohn den Vater, vermutlich nicht nur, wenn mal Not am Schlagzeuger ist. Und bei dem Verhältnis Vater-Sohn und hier insbesondere dem Vater sind wir wieder beim Thema Ostrock, dem wir uns erst gestern ausführlicher widmeten, soweit es das Heute betrifft. Nein, früher, da war alles noch wie früher und Vater Michael Lehrmann spielte Gitarre in Ostrockbands, u.a. bei Reform und Veronika Fischer. Das liegt weit zurück. Heute ist Vater Lehrmann als Gitarrenlehrer im „Speckgürtel“ in Kleinmachnow unterwegs, ebenso wie mit IC Falckenberg auf Tour.

Ein sehr geschicktes Händchen beweist Norbert Saemann, bei der Fa. Meinl zuständig für die Betreuung der Endorser (schlagzeugspielende Werbeträger für Produkte der Beckenfirma aus dem fränkischen Gutenstetten): Nicht nur führt Saemann (follow him: hier) für Meinl inzwischen jährlich ein Drummers Drummer-Festival durch, dass den Namen Meinl Drumfestival trägt. 2009 ein Ausrutscher, die Auslagerung nach Moskau (Michael Jackson: Stranger in Moscow), bewies Saemann der Fachwelt und Tausenden von nationalen Drummern vor allem folgendes: eine geschickte Melange aus Kunst & Kommerz, angereichert mit HowTo´s (Gebrauchsanweisungen: Wie spielt man eigentlich Schlagzeug?), ist immer noch die beste Art und Weise, seine Produkte regional und überregional an den Mann Mensch zu bringen. Von diesem „Themenmix“ profitieren -bei aller Distanz zu Kommerz, nur weil er laut ist- inzwischen eine ganze Reihe nationaler und internationaler Drummer, die Meinls Produkte gegen unheimlich gute Vorzugskonditionen favorisieren. Bekannt wurden Schlagzeugerpersönlichkeiten wie Benny Greb (Augsburg, jetzt Hamburg), Wolfgang Haffner und -last but not least- Felix Lehrmann durch die Sponsoren der fränkischen Edelmetallbieger zwar nicht allein, aber einen richtigen Push gab das den Karrieren schon. Wenn die Industrie doch auch anderswo ähnlich kompetent mit den Künstlern zusammenarbeiten würde….Einzuordnen ist der unbestreitbare Erfolg der konsequenten Arbeit von Norbert Saemann sicherlich so: Die Fa. Meinl (Gutenstetten, Franken) wandelte sich vom Zischdeckelhersteller zu einer internationalen Edelbeckenfirma, die in der obersten Liga der hochwertigen Produkte ganz entscheidend mitspielt. Um das gleich klarzustellen: an diesem Erfolg haben natürlich auch die konsequenten Qualifizierungstsunamis bei der Produktfertigung entscheidend beigetragen. Heutzutage ist man stolz, Becken der Fa. Meinl spielen zu dürfen, das war früher anders.

Zurück zu Felix Lehrmann, dem Meinl-Endorser, Groovedramma und Mann der mopsfidelen Hi-Hat-Arbeit:

Mit dem obigen Video von der Musikmessen 2008 verbindet sich ein Aha!-Erlebnis der besonderen Art. Denn das an der Gitarre einer Instrumental-Version des Michael Jackson-Klassikers Beat it! Mr. Steve Vai steht, hat einen kommerziellen Hintergrund. Vai erschien auf der Musikmesse Frankfurt 2008, um seine Aufgabe als Endorser der Fa. Ibanez zu erfüllen. Das brachte ihn wohl auf die Idee, einem Herrn Lukather (Toto, Gitarre) zu entsprechen und zu zeigen, dass ein gewisser Herr van Halen (Gitarre) auch nur „mit Wasser“ wäscht, als er das weltberühmte Gitarrensolo des Evergreens Anfang der 80iger einspielte. Nein, das überraschende ist, dass Felix Lehrmann da mal schnell an den Drums sitzt. Glückwunsch, Felix, das darf man schon als Ehre bezeichnen, mit einem so ausgebufften Gitarrenhero wie Steve Vai die Bühne teilen zu dürfen. Verdient ist verdient.

Referenzvideo für saugute Groovearbeit – Musikmesse 2006 pt. I

Felix Lehrmann – Thema: Wie spielt man eigentlich richtig geil? (via Youtube)

Groovearbeit at it’s best – Schlagzeug: Felix Lehrmann:

RIVO3 – Freunde fürs Leben – via Homepage RIVO3

Weiterführend

  • Leider bislang keine eigene: Felix Lehrmann (auf myspace)
  • Enzyklopädisch kühl & präzis: Felix Lehrmann (auf wikipedia)
  • Endorservertrag bei: Meinl Cymbals (Gutenstetten, Franken, Bayern, mit Gruß an Norbert Saemann)
  • Wenige schaffen es bis dahin: Felix M. Lehrmann (drummerworld.com, übrigens aus der Schweiz betrieben!, danke, Bernhard für „fu+k*ing good work)
  • Groovy, sexy, extra“ordinär“: RIVO3 (Stammband von Felix)