689/12: Trendbarometer: Wohin wandert das Uhrheberrecht? Und ist es nicht ohnehin bewölkt über unseren Köpfen?

The Rotten Recordings - performed by Tommy Tulip & Soundcloud
The Rotten Recordings – performed by Tommy Tulip & Soundcloud

Diese ganze Urheberrechtsdebatte treibt schon skurrile Blüten. Aktuell lässt ein Musiker seine Auftrittsvideos “post embeddem” (nach deren Einbindung auf einer weiteren, der hiesigen Website) löschen, weil er im Nachhinein glaubt, dabei schlecht weggekommen zu sein. Dabei war er gut weggekommen. Ein tiefer künstlerischer, ja laienhafter Anfänger-Fehler, wie sich noch herausstellen wird. Man biegt sich die “verdammte Presse” nicht zurecht und degradiert sie zu Handlangern des Marketings. Denn das Imperium kann auch zurückschlagen, no doubt! Getroffen ist die Redaktionsehre!

Vielleicht sind wir alle schon meschugge oder wenigstens ein bisschen “plem plem”, oder wie man so sagt. Wenn man was sagt. Bzw. was zu sagen hat. So genau weiß das niemand. Ich habe jetzt schon eine Weile Soundcloud am Start und ich finde “das Gerät” haptisch, visuell und bedienungsmäßig sehr gut gemacht. Ähnlich wie ein Großbauer kann ich nun meine persönliche Landluft-Wolke (neudeutsch: Cloud) über mir wabern lassen. Oder über anderen. Auf den Gedanken, dass wer eine Cloud betreibt, auch klaut, komme ich erst nach stärkerem Nachdenken. Dies allerdings ist gewiss: Qualität ist immer das Ergebnis angestrengten Nachdenkens. So wie bei Lorenz Meyer, Großmeister des Sheng Fui, Wohnsitz: im Herbst in Peking und sonst auch.

Das Grauen hat einen Namen: Dr. Grauert´s "Wahnsinn im Büro"

Das Grauen hat einen Namen: Dr. Grauert´s "Wahnsinn im Büro"

Nachdem deutschlandweit die Uhren abgeschafft werden und zur Entspannung Office-Yoga zelebriert wird, stellt sich jetzt die Frage, wie mit dem so genannten “Uhrheberrecht” umgehen, wenn nahezu überall, wo ordentlich gearbeitet werden soll, Uhren nicht mehr verfügbar sind. Nachdem nach einem genau ausgeklügelten Recherchesystem dieser Redaktion zum Stichwort “Urheberrecht” die Meinungs- und Politikführer im wesentlichen die GEMA und Youtube sind, wird deutlich, dass es allein auf die Fundstellen- bzw. Trefferanzahl bei “Google” dazu gar nicht ankommt. Bzw.: Die Anzahl der Fundstellen zum genannten Thema ist umgekehrt reziproktiv zum tatsächlich relevanten Sachverhalt oder anders ausgedrückt: “Das derzeitige Urheberrecht ist auch keine Lösung.”

Man kann deutlich gesagt noch hinzufügen: Die Größe der Fußballfahnen an Autospiegeln und als Einklemmer in Fensterhubanlagen -Modell: Windpendler- ist häufig umgekehrt kontraindikativ bzw. umgekehrt proportional zur Größe des gefahrenen Kleinwagens und der Kleinteiligkeit der Miniplay-Dauerwelle der Fahrerin des geschmückten Wagens. Mal genauer beobachten, das stimmt. Ich selbst grabe in meinen tiefen Erinnerungen mit Väterchen Zufall als Verbündetem. Dass ich überhaupt noch eine Casettenrecorder habe und Casetten, hat sicher damit zu tun, dass ich knapp vor innovatorischen Zeitenwenden ungezogen umgezogen bin. Von da nach hier. Hier sitze ich nun auf vermüllten Erinnerungsbergen meines gesamten bisherigen musikalischen Werkschaffens. Ich mache Musik, also bin ich musikalisch wie netzrechtlich wie urheberrechtlich touchiert. You are always the Gelackmeierte. Ich habe noch via Youtube ein musikalisches Rätsel ins Netz gestellt. Es hat zu tun mit der Zeit. Das Rätsel ist oben noch einmal, sicherheitshalber, eingeblendete, das bin ich den Lesern dieser Website schuldig.

Das Urheberrecht von 1991 kannte Youtube, Google und solchen Schnickischnack noch gar nicht, wohl aber das Urheberrecht selbst an sich. Nun sitze ich mit im Boot der einklagbaren Urheberrechte, in diesem Fall am Schlagzeug. Soll ich nun oder soll ich nicht veröffentlichen dürfen, was ich 1991 hinter meinem Schlagzeug so getrieben habe? Genau, Ihr habt Recht: das ist ja sowas von eine Gewissenfrage! Max Liebermann sagte in anderem Kontext, er könne gar nicht ….

Rettet die Livemusik! Max Liebermann-Zitat
Rettet die Livemusik! Max Liebermann-Zitat

Vergleichsweise einfach ist das, zugegeben. Man muss nur alt genug sein, dann weißte Bescheid. Nicht?

Dr. Grauert ist ein äußerst moderner Ratgeber für Büromenschen. Eigentlich ist Dr. Grauert ein Musterbrief, der sich inhaltlich allerdings vom Dr. Grünert-Brief unterscheidet. Kürzlich erschien das oben abgebildete Machwerk “Dr. Grauert – Der Erfolgsratgeber zum täglichen Wahnsinn im Büro” mit Lebenshilfecharakter im Pattloch-Verlag (Droemer & Knaur). Dr. Grauert geht im tristen Büroalltag Wege, die der gewöhnliche Musiker bereits bedenkenlos nachäffen könnte: Beispielsweise führt er die immer präsente Uhr ohne Zeiger ein, damit im Büro das ständige Hinter der Zeit hinterher hetzen aufhört. Einfach ohne Zeitbewusstsein und Timing arbeiten und glücklich sein.

Hervorhebenswert ist die neue, praktische Blätter-Funktion, mit der der tägliche kleine Ratgeber niedlicherweise gleich ausgestattet wurde. Da denkt aber jemand mit, hallo?

Dem zu hohen, ständigen (Permanenz-)Druck im Büroalltag hat Dr. Grauert einen hilfreichen Drucker-Leitfaden entgegengesetzt und der Weg zum papierlosen Büro wird gnadenlos entblößt. HP, Kyocera und Apple können nur neidisch sein. Aber auch wir, die lange Riege der arbeitslosen Musiker, können hier wertvolle Tipps “saugen”, so z.B. das “vollkommen timinglose Einspielen von Schlagzeugparts”. Eine Uhr, die keine Zeiger hat und eine Zeitmaschine, deren Regeln nicht in beats per minute zu zählen sind, das sind vorstellbare Randparameter des sozialen Gewissens und vielleicht ein Aufbruch in bessere, viel schöpferischere Zeiten. Kein Problem. Wie sang schon Herwig Mitteregger über Rudi: “Alter, deine Zeilen sind ein Hieb!”. Genau.

Mr. + Mrs. Pattington Booth, die Führer der neuen Heilsarmee
Mr. + Mrs. Pattington Booth, die Führer der neuen Heilsarmee

Banner FotoCreditsVertrackt, vertracktes © Das Foto hat der Fotograf Tommy Tulip heute Morgen geschossen! Fotografiert wurde eine Buchseite eines Buchs aus dem Jahre 1896, kein Witz. Lassen wir die Juristen darüber spekulieren, ob mit diesem Foto ein Urheberrecht verletzt wurde?

Während der Aufnahmen der Anderen widmen wir uns dem Studioklo, dass -ebenfalls papierlos geführt- zur Brutstätte schöpferischer, kompositorischer Meisterleistungen wird. Ohnehin sind Studios seit geraumer Zeit schon papierlos: kompositorische Tracks, Patterns und Zisternenstückchen werden einfach über die Tastatur (das “keyboard”) eingegeben und schwupps erscheint am Bildschirm eine korrekte Partitur, die niemand mehr lesen bzw. verstehen kann.

Auf den Festivals der Welt waren wir eingeladen, als Frontberichterstatter. 2011 hat Roman Kaupert, Verlagsinhaber des berlinbekannten “Kauperts” zum “Currywurstical” eingeladen, um das Erreichen von fanbasevergleichbaren Benchmarks zu feiern. Kaupert gab im Hinterhof von Curry 36 jedem eine Wurst aus, das war großzügig. Auf der Bühne trat auch Torsten Schack auf, mit einem Herbert Grönemeyer-Imitatprogramm, wobei wir jetzt schon wieder beim bereits oben angesprochenen Nachäffen sind.  Wir berichteten darüber.

Jetzt, genauer gestern, hat die Mannschaft dieses Künstlers die Verletzung von Uhrheberrechten (! Schreibweise absichtlich!) bemängelt gegenüber Youtube. Hintergrund ist, dass Torsten Schack sich zwar seinerzeit über die Guerillaberichterstattung dieser Website sehr gefreut hat und eine herzliche Onlinefreundschaft mit ihr begann. Mit dem Verstreichen einer gewissen Zeit glaubt nun aber der Künstler, das Aufgenommene sei zu sehr “Hinterhof” und sein Management rhabarbert was von Kontraproduktivität. So sieht es nämlich aus: Dass hier Websites aus der Berliner Kulturszene berichten, ist genehm, solange es genehm ist. Aber dann herrscht durchaus die Vorstellung, man könne die “verdammte Presse” (Zitat anderswoher geklaut) anweisen, Berichte wieder zu entfernen. Das allerdings nicht “mit uns”, Freunde. Was einmal aufgeschrieben ist, hat manifesten Charakter und bleibt daher stehen, auch zum Zwecke des späteren Nachschlagens.

Richtiggehend ein übler Handstreich ist allerdings, wenn dieser Künstler uns dann mit dem unzutreffenden Hinweis auf die Verletzung von Urheberrechten bei youtube anschwärzt. Dort ist die Sachlage so, wie wir sie ja jetzt schon ständig von anderen Details her kennen: Wer mehrmals -und auch unzutreffenderweise- der Verletzung von Urheberrechten bezichtigt wird, …

  • kann sich erstens dagegen kaum wehren, denn ansprechbare Menschen dafür gibt es bei youtube Deutschland nicht
  • gerät accountmäßig in Verruf mit der Folge, dass bei dreimaliger Verletzungsanzeige der gesamte Account gesperrt wird. Dieses kann man einen kulturellen Kollateralschaden nennen, wenn man mag.

Äußerst ärgerlich vor diesem Hintergrund. Und nun wird deutlich, warum in Deutschland derzeit nicht nur klare, unmissverständliche Regeln für so was wie diese Art Kulturberichterstattung fehlen und Denunziantentum platzgreifend um sich greift. Nun wird deutlich, dass man über Kultur foto-, audio- und medienlos in Schriftform berichten kann, aber nicht in ansprechender, lesbarer, bzw. genießbarer Form. So übrigens entsteht auch die Vermutung von der Nichtberichtbarkeit über bestimmte Künstler, eine Art Schreib- und Reportverbot, was bestimmte Künstler angeht: zu gefährlich, unberechenbar und stets “aus den gewöhnlichen Rudern laufend”.

Wir lassen uns das nicht gefallen. Wir berichten offen und unverschlüsselt darüber. Der Urspungsartikel bekommt jetzt nachträglich eine ordentliche Flaggmarkierung. Das war mit Sicherheit nicht im Sinne des Erfinders.

 (EP)

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