801/13: Musiker-Anzeigen: Der große Elchtest – „Musiker-Board“ gibt neuen Anzeigenteil frei

Header Wunderbare Welt der Kleinanzeigen

Musiker sucht blaue Schlümpfe, um Vadda Abraham endlich Konkurrenz zu machen, wir gründen „Die lustigen Konkubinen“ und stechen die Biene Maja aus, autsch. (Anzeigentextentwurf für eine Musiker-Kleinanzeige)

Mal ganz abgesehen davon, dass eine Vielzahl veröffentlichter Musiker-Kleinanzeigen auch textlich schlicht unbrauchbar ist: Wo findet man Mitmusiker für das neue Bandprojekt? Vermutlich mit Kleinanzeigen eher nicht. Oder man hält die Klappe, schaltet den Kopf aus und sagt sich: Ich geh hin, wohin ich gehen soll, alles andere klärt sich eh am Ort selbst. Richtig: Musiker zu finden ist nämlich eine persönliche Sache, die irgendwie umgekehrt proportional verläuft zum online Kleinanzeigen lesen. Diese Website hier, also diese hier, hat jedenfalls schon viele, nicht gerade wenige Kleinanzeigen verrissen. Zu schlecht getextet, danebengegriffen in den Formulierungen und so weiter und so fort.

Neu ist jetzt das Angebot von Musiker-Board.de (am Ende verlinkt), Kleinanzeigen zu schalten. Das haben wir mal getan und ein bisschen auf der Website herumgespielt. Hier der Erfahrungsbericht.

Kritik

 

Erst einmal sieht alles schick aus. Die „Musiker-Suche“ ist navigationstechnisch leicht zu finden und schick sieht auch die google-Maps-Einbindung via api-Schnittstelle aus. Eine fokussierte Leselinse zommt den Findebereich im Örtlichen. Dazu gibt man seine Postleitzahl ein.

Zum Test haben wir gleich mal eine Postleitzahl im Brandenburgischen, draußen vor dem Tore, eingegeben. Die Leselupenlinse fokussiert den Suchbereich zutreffend. Und dann folgt die erste programmtechnisch programmierte „Spaßfundstelle“. „Ich suche alle Musiker“ by default-Einstellung in einem Aktionsradius von 250 km im Umkreis um das Brandenburgische herum. Na klar, das ist auch gut so. Wer ist schon in Brandenburg und macht Musik. Rainald Grebe hat dazu alles Wesentliche vor vielen Jahren gesungen. Also ist die Einstellung „Radius 250 km“ nicht einmal abwegig. Oder doch?

Als nächstes geben wir „Zehlendorf“ im Berliner Süden als Suchfokus ein. Wieder wird ein Suchradius von 250 km angeboten. An die Programmierer: Das ist wirklich Unsinn. Der Suchradius von Musikern ist nicht bei „default 250 km“, das erschwerte jedes vernünftige Proben. Also rangezoomt, näher ran, dichte bei müssen die Musiker hocken, die ich suche.

Auch im Brandenburgischen klickten wir schon versuchsweise auf den 250 km entfernten Gitarristen, 25 Jahre alt, und versuchten, näheres zu erfahren. In Berlin-Zehlendorf findet man insgesamt „58 Mitglieder“ im Umkreis von 250 km, die Musiker suchen. Na ja.

Als wir „Ben TheRookie“ anklicken, der nur 7 km von Berlin-Zehlendorf als Gitarrist Musiker sucht, ist allerdings die nächste Enttäuschung da. Es passiert …..nichts…..

Hi ich bin 16 Jahre alt und Suche Leute die Lust haben Musik zumachen egal ob und welches Instrument man spielt man muss nur Lust mit bringen. Ich höre und spiele vorallem Rock bis Punk(egal ob Deutsch oder Englisch) und meine Lieblings bands sind The Offspring, Billy Talent, Children of Boddom und die Broilers.

Chris Wacken ist erst 16 Jahre alt, also klick: …nichts….

beatsafari sind 4 Jahre alt, allerdings dürfte das die bisherige Lebensdauer der Band sein. Man merkt schnell: Die Eingabeformulare werden unterschiedlich genutzt. Wir klicken auf beatsafari, die zur Erweiterung ihres Bläsersatzes, …nichts…., allerdings: Wir können auch gar nicht blasen. Übrigens: Das hatten wir eingangs dort gelesen:

Du bist Musiker? Du interessierst dich fürs Musikmachen?
Dann bist du hier richtig! Hier ist der mit Abstand größte Treffpunkt für Musiker in deutscher Sprache. Viel Spaß beim Lesen. Wenn du schreiben möchtest, musst du dich registrieren 😉 (Fantasie in D-Moll und unzutreffend: Der Test ergibt, man muss sich registrieren, um lesen (!!) und schreiben (siehe oben) zu dürfen.)

Emoticons zu benützen, wirkt an dieser Stelle besonders unpassend. Ist das vielleicht gewitzt, so eine Mitteilung? Bedarf sie eines Augenzwinkerns? Wir glauben: Nein. – Das wesentlich Inhaltliche ist: Wir müssen also, wenn wir „schreiben möchten“, eine Registrierung durchführen. Na gut, das ist verständlich.

Die Realität widerspricht sich allerdings nach den weiteren Feldversuchen wie folgt:

Wir klicken zum Versuch auf „Kontakt“ der Anzeige von beatsafari und, siehe da, nun folgt eine systematische vBulletin-Systemmeldung mit einer ganz anderen, weiteren „Systemmeldung“ wie folgt:

Du bist nicht angemeldet oder du hast keine Rechte diese Seite zu betreten. Dies könnte einer der Gründe sein:
Du bist nicht angemeldet. Bitte fülle die Felder unten auf der Seite aus und versuche es erneut.
Du hast keine ausreichenden Rechte, um auf diese Seite zuzugreifen. Dies kann der Fall sein, wenn du Beiträge eines anderen Benutzers ändern möchtest oder administrative bzw. andere nicht erlaubte Funktionen aufrufst.
Du versuchst einen Beitrag zu verfassen und hast keine Schreibrechte oder wartest noch auf die Aktivierung deiner Registrierung.

Genau. Das wollen wir erstens nicht, denn wir sind Musiker. Wir gelten als „sensibel“, was den Schutz unserer Daten im Internet angeht. Warum registrieren? Wozu?

Im derart beschriebenen „Zwangsregistrierungsvorgang“ stecken geblieben, warnt uns erst der letzte Satz des Folgebildschirms wörtlich, ganz unten, Zitat: „Du musst registriert sein, um diese Seite aufrufen zu können.“

Hier nun spätestens wird uns als Elchtester der Website deutlich: Wir werden uns hier nicht registrieren lassen, denn offensichtlich ist es denen wichtiger, dass sich alle mit eigenen Hoffnungen und Wünschen dort registrieren, als durch ein überzeugendes Anzeigenangebot mit großer Streuung, hoher Fokussierungsdichte und mannigfaltiger Auswahl zu überzeugen. Einen Grund, sich hier registrieren zu lassen, haben wir beim besten Willen nicht und Kleinanzeigen von Musikern suchen wir daher weiterhin anderswo. Auch etwas voll genommen den Mund, „der mit Abstand größte Treffpunkt für Musiker“ zu werden, ist ein hehres Ziel, es bereits zu sein allerdings eine weitere Fantasie, ganz egal in welcher Tonart das Stück spielt.

Du suchst einen Musiker? Ja. Dann komm, ich sag dir welche. Au fein, danke. Aber, da muss ich mich ja registrieren lassen. Ja, fein, au ja, ätschebätsche, sonst sag ich dir keine…. #Dialogentwicklung zweier Kleinkinder

Die Seite steckt noch voller Anfängerfehler und es fehlt ein überzeugendes Konzept, um einen großen, freiwilligen Bohei um die Seite herum zu inszenieren, der es sozusagen „megacool“ und „erforderlich“ macht, nicht auf sie zu verzichten. Man sieht es einen guten Ansatz, die Umsetzung ist allerdings vielleicht zu registrieren in der so genannten „Reformationsbewegung“, viel Änderungen noch erforderlich. Der liebe Gott wird´s richten.

Niemand hatte die „Absicht, eine Mauer zu errichten“. Also eine Firewall gegen denkbare Anzeigenkunden.

(EP)

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