802/13: Historische Schmachtfetzen: Die Berliner Band „Karo“ zog große Hoffnungen auf sich

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Wieder ist ein kleiner Ausflug in die Vergangenheit fällig: Im West-Berlin der Mitteachtziger formierte ex-Morgenrot-Keyboarder Caro eine neue Band namens „KARO“.  Der Band blieb der weltweite Erfolg versagt, aber einen großartigen Versuch war es ja wert gewesen. Großartiger Heavy-Rock vom feinsten. Die Aufnahmen zu Heavy Birthday begannen mehr als erfolgversprechend.

Es mag so 1986/7 gewesen sein, nach meiner Erinnerung, ungefähr. Hans-Jürgen „Caro“ Straub, kb.,  hatte nach seiner Mitwirkung bei „Morgenrot“ gemeinsam mit Ronny Bosien, einem der fähigsten Schlagzeuger Berlins, weltweite neue Ideen. Gemeinsam gingen sie ins Studio, ein Teil der Aufnahmen wurde ihren Erzählungen nach in Amerika aufgenommen. Es hieß, auch Bobby Kimball (Toto) habe Backings eingesungen. Oder war das nur das übliche „namedropping“? Na egal. Die Ideen, die sie aufnahmen, waren furios und brauchten internationale Spitzenvergleiche nicht zu scheuen. An der Gitarre stand Erich Holstein. Besondere Aufmerksamkeit meinerseits erregte der Sänger.


Karo – Still Hate To Loose

Track #3 from „Heavy Birthday“ album by german Hard Rock / AOR band Karo, released in 1988. Tracklisting:
01 – Wanna Be Loved.
02 – One Of A Kind.
03 – Still Hate To Loose.
04 – Sister Sister.
05 – Ball Of Fire.
06 – Call Of The Wild.
07 – No-Man’s Land.
08 – Out On The Line.
09 – Cold Shoulder.
10 – Nobody’s Fool.
11 – Wanna Be Loved (new version 2005).
12 – Wanna Be Loved (acoustic version).
Dan Lucas (vocals), Karo Straub (keyboards), Erich Holstein (guitar), Dieter Seeburg (bass), Ronald Bosien (drums).

Commercial Hard Rock was their thing and they had this special flair, which turned good songs into pretty great catchy tunes. The keyboard had an important part alike at many Hard’n Heavy bands, although it wasn’t too bombastic and too much used alike at many Wannabe Metal bands. The CD sounds like a polished version of the fourth SINNER album „Dangerous Charm“, respectively, it’s on the same way like the KINGDOM/DOMAIN debut „Lost In The City“. KARO’s vocalist was to later record two albums under the name of DAN LUCAS and found the man going in a more Melodic Rock direction.

(für den englischen Text verantwortlich: Der Einsteller auf Youtube)

Er hieß Lutz Salzwedel und kam „als Frischfleisch“ aus dem Osten. Zuvor gab es dort  Bands, denen Lutz Salzwedel angehört hatte. Ich kannte einige der „Ostmucker“ von drüben aus anderem Zusammenhang. Einige von ihnen verfingen sich in meinen Arbeitsgebieten der Achtziger Jahre rund um das größte Sanierungsgebiet Europas an der Weddinger Brunnenstr.. Jörg Powileit oder Detlef Brauer beispielsweise, von der Gruppe Keks, und Lutz Brauer, Schlagzeuger von Regenbogen. Die Gebrüder Kessler kamen aus Magdeburg, der eine von der Gruppe gleichen Namens und der andere ging als Schlagzeuger zu Herbert Grönemeyer nach Bochum.

Ich hatte in jenen Jahren ohnehin enzyklopädischen Zugang zum Thema „Ost-Berlin“. Als zeitweiliger zweitweiliger Chefredakteur und als Federführender des Berliner-Musikszeneallmanachs „Rock City Berlin“ dieser Jahre verschickte ich häufig Fragebögen. Ich überwachte deren vollständige Rücksendung an unser „Rockbüro“ im damaligen „Rockhauptstadtbüro des Verlags Frieling & Partner GmbH“ in der Steglitzer Liliencronstr..

Passion hieß eine Band, der Lutz Salzwedel als Sänger angehörte. Eine Rockgruppe aus der DDR mit kirchlichem Hintergrund. Sie vertonte allerhand christliche Musik. Ich kann hinzuaddieren, dass Lutz Salzwedel später auch bei der DDR-Band Karussel mitwirkte, deren „bester Hi“ inzwischen eine zweite Nationalhymne der untergegangenen DDR ist: „Als ich fortging“ intonierte allerdings Dirk Michaelis.

Um auf KARO zurückzukommen, jenes hoffnungsvolle Projekt Mitte der Achtziger mit Weststempel, so erinnern wir, uns in der Charlottenburger Schlüterstr. zu einem Termin getroffen zu haben, um eine vielsagende Democassette in Empfang zu nehmen.

So war das früher, man traf sich persönlich, es wurden auch ein paar Fotos gemacht und am Ende eine schöne kleine Audiocassette mit „konspirativem Material“. Es waren rohe, ungeschliffene Diamanten darunter, ein schweres, hammerhartes „Shuffle-Stück“ namens „Cold Shoulder“ und auch ein großartiger göttlicher Song namens „Still hate to lose“.

Wer die Ursprungsaufnahmen als Rohmaterial kannte, vergleicht das oben eingeblendete Endfiletstück vom härtesten aller Rehrücken auf dem späteren Album vor seinem geistigen Auge mit „Da ist jetzt zuviel Keyboard drin“.

Dem Vernehmen nach erfüllte die Band unter dem Druck ihres Produzenten dessen Vorstellungen von der Verkäuflichkeit solcher Platten als eine zeitgemäße, großartige Band internationalen Zuschnitts. Da Keyboard und seine führende Rolle. Es war die Zeit des final Countdown via Europe: Besuchen sie Europa, solange es noch steht, oder besser „The final countdown“ von Europe. Letzteres war Vorbild.

Zunächst durfte Karo für NENA den Supportact als Vorgruppe geben, eine große Aufgabe und eine Chance zugleich. Wenn auch die Zielgruppen nicht kongruent waren, in der Berliner Deutschlandhalle. Wir wissen das Ergebnis: Die Deutschlandhalle wurde abgerissen. Karo gingen auch mit Meat Loaf auf Deutschlandtournee und fielen vielen Fans des amerikanischen „Fleischklops“ positiv auf. In der öffentlichen Meinung war Karo eine Band, die es unverdientermaßen nicht ganz bis nach oben geschafft hat.

Das Endprodukt verkaufte sich einigermaßen gut, nachdem es als „Heavy Birthday“ 1988 in Deutschland erschien. Ein Welterfolg wurde das Album nicht. Woran es genau gelegen hat? Die Wege dieses Herren sind unerfindlich. Die Band hätte es ganz gewiss verdient.

Sie gehörte zum Besten, was Berlin in dieser Zeit zu bieten hatte. Das Stück „Still Hate to lose“ war in der noch ungeschliffenen, sehr viel gitarrenlastigen Vorherfassung ein solches Stück, dass einem die Tränen sturzbachweise unter die Augendeckel trieb und Attacken fremder Gänsehäute rieselten empfindlich am eigenen Rücken herunter. Aber beschreib mal den Geschmack der Farbe „schwarz“. Unmöglich.

Ronny Bosien, der großartigste Rockdrummer Berlins, verstarb kürzlich schwerkrank in Berlin. Gitarrist Erich soll schon in den Achtzigern an einer Überdosis fortgegangen sein. Was Caro heute macht, ist unbekannt. Caros Karo war eine ganz großartige Band, eine der großartigsten Rockbands im alten West-Berlin. Lutz Salzwedel lebte lange in den Staaten und soll dem Vernehmen nach inzwischen in Süddeutschland wohnen. Unter dem Namen „Dan Lucas“ ist er Mitglied einer Band namens „Helter Skelter„. Genauere Verlinkungen bieten wir hier nicht an. Sucht doch selbst, während wir hier eine Träne der sentimentalen Erinnerung an die größte Rockband West-Berlins ins Knopfloch drücken. Hach, das war ´ne Band.

_link Lotse

(EP)

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