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864/13: Positionen: „To Love Somebody The Way I do“…… – Zum öffentlichen Streit von Sinead O´Connor & Miley Cyrus

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Hast du schon mal die Frau von Stevie Wonder gesehen? Nö.  Na ja, er eben auch nicht. So lautet der Witz über die Blindheit eines der hervorragendsten Musiker zweier Jahrhunderte, in denen uns doch Musik so sehr angeht. Man spottet darüber. Seine Nachrichten läse er beim Bäcker: Auf Mohnbrötchen. Haha, sehr lustig.

Es sind die Blinden, die die Großartigsten sind im Musikgewerbe. Zwei Sehende, Sinead O´Connor und Miley Cyrus, die eine so alt wie eine denkbare Tochter der Ersteren, streiten dieser Tage miteinander. Und übereinander. Es wird geschimpft, gezetert und Gegenstellungnahmen lösen Stellungnahmen in der Öffentlichkeit ab.                               Am Ende: Was soll´s?

Boris Becker und Oliver Pocher beharken sich via Twitter dieser Tage. Miley Cyrus und Sinead O´Connor auch. Das Medium Twitter ist dafür gut geeignet: Lässt sich doch jeder noch so überflüssige Streit auf 140 Zeichen reduzieren. Genau so muss man derartige „battles“ auch verstehen.

Sinead O´Connor war in den Achtzigern ein Vorbild, auf der Grundlage ihres Erstlings, den Prince komponiert hatte: „Nothing compares 2 U“. Das Video dazu war ein Dammbruch. Es zeigte die empfindsame, kurzgeschorene Sinead weinend. Sie hat den Song von Prince besser gegeben, als Prince es seinerzeit entworfen hatte. Sie erst hauchte dem Song jene Einzigartigkeit ein, die er brauchte, um zu einem Welthit zu werden. Gut gemacht.

Später haben wir allerhand verwirrendes über Sinead in den Zeitungen gelesen. Es folgten noch einige tolle Sachen auf CDs bzw. Platten, darunter auch eine großartige Swingplatte mit diesen ganzen Teasern und Nervtötern: Bewitched, bothered & bewildered. Oder war es umgekehrt?

Miley Cyrus ist eine ganz andere Art von Granate. Aktuell macht sie von sich reden, indem sie in einem Musikvideo total nackt auf einer Lustbirne umherschwingt und lasziv an Hämmern leckt. Ist schön anzusehen. Zweifelsohne.

Ganz wildes Kätzchen, schnurr.

Gefällt uns.

Und nun noch dies: Dies Video haben wir nachträglich hier eingefügt, ein Mashup zum „Schwestern- bzw. Generationenstreit“.

Sex sells.

Das dürfte das wesentliche Ziel dieses Videos sein. Oder sei es gar die Botschaft, dass Mädchen und Frauen sich sexuell befreien wollen? Mitnichten. Diese Bresche haben ganz andere mehrere Jahrzehnte zuvor schon mit Macheten der Leidenschaft in die gesellschaftlichen Büsche geschlagen. Jene Pfade sind gesäubert, der Weg wurde schon gegangen, von Generationen davor. Von Alice Schwarzer, Ruth Westheimer, von Janis Joplin und Nina Hagen, aber eben nicht von Sinead O´Connor und erst recht nicht von Lady Gaga (auch nackt zu sehen) oder Miley Cyrus.

Kurz gesagt habe ich nichts dagegen, diese Damen nackt in Videos anzusehen. Das ist okay, bitte weiter machen.

Dass Sinead O´Connor warnend auf die Mistverständlichkeit solcher Auftritte hinweist und die Idee, sich für die Öffentlichkeit zu prostituieren  als mögliche Selbstgeißelung bewarnt, hat seine Berechtigung. Sie weiß es aus eigener Erfahrung. Wenn Miley Cyrus sich einerseits auf das Weltkulturerbe einer Sinead O´Connor und „Nothing compares 2 U“ bezieht, um zu erklären, es sei ihr Inspiration für das aktuelle Machwerk gewesen, ist das allerdings auch nichts, dass uns nun veranlassen müsste, davon zu naschen. Ein jeder nimmt sich aus der Öffentlichkeit, aus Videos, Zeitungsartikeln und Schnipseln jener Vergangenheit doch das, was er für sich für richtig empfindet. Oberflächlich gesehen mag es eine Reminiszenz an Sinead sein, in einem lasziven Räkelsexvideo Tränen fließen zu lassen, inhaltlich ist es das aber noch lange nicht. Denn um das neu zu bewerben, bedürfte es eines inneren Verständnisses der Kausalitäten.

Daran fehlt es einer Miley Cyrus und ihre Absicht, möglichst viele Klicks zu generieren und dafür „sogar zu weinen“ ist unglaubwürdig. Es soll gefallen. Eine Zwanzigjährige will gefallen, begehrt werden, Aufmerksamkeit auf sich ziehen, Klicks generieren, Geld verdienen und frei sein, Dinge zu tun (oder zu lassen), die altersgemäßen Schranken unterliegen. Sich befreien, ein öffentlicher Seelenstrip.

Dass Miley Cyrus noch lange nichts davon verstehen wird, wie der Kontext von Sinead O´Connor gewesen war in den Achtzigern, macht nichts. Sie muss es nicht. Sie kann sich jetzt ausprobieren, ihre Erfahrungen machen. Irgendwann wird auch sie erfahren, dass sie einmal nicht mehr so gefragt ist. Wenn die Reize verfliegen wie die Lebensjahre, so lässt sich mutmaßen und so sagt es auch Sinead O´Connor in ihren öffentlichen Stellungnahmen dazu, wird jeder Anfangs 20jährige begreifen lernen, dass man Öffentlichkeit nicht essen kann, weder als Nervennahrung, noch als auf Dauer befriedigende Strategie zu überleben, um sich geliebt bzw. angenommen zu fühlen, so wie man ist, bzw. nicht so, wie man mal gewesen ist.

Der Streit zwischen zwei unterschiedlich alten Frauen im Musikbusiness hat etwas Überflüssiges, weil die jüngere der älteren Sängerin nicht zuhört, diese beleidigt und ihre mahnenden Worte nicht versteht. Sie erreichen die jüngere Sexfurie nicht.

Wer weiß, in zehn, zwölf Jahren wissen wir vermutlich mehr.

_link Lotse

(EP)

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