932/14: Nachruf: Kralle Krawinkel, Gitarrist, Musiker

Ortsschild Großenkneten

Kerze (animiert)

TRIO – Bye bye

Mir folg’n die Wolk’n
Egal wohin ich flieh‘
Mir folg’n die Wolk’n
Ganz egal wohin ich zieh‘
Ich bin der Gott des Reg’ns
Hau ab wenn du mich siehst

(Text: Rio Reiser, Musik: Kralle Krawinkel)

Gert „Kralle“ Krawinkel, Gitarrist, Baujahr 1947, ist tot.

Bestieg einstmals das Pferd und ritt von Hamburg nach Sevilla. Geht´s noch?

War vorher und gefühlt schon immer ein großartiger Gitarrist. Ich selbst nahm ihn erst wahr, als er schon nicht mehr im wesentlichen der Gitarrist von Trio war. Da kannte ich ihn natürlich schon, aber so richtig „als Könner“ fiel er mir erst auf, als ich ein Konzert von Marius Müller-Westernhagen im Berliner Olympiastadion ansah. An den Drums damals ein weiterer Könner seines Fachs, der Berlin-Hamburger Schlagzeuger Hansi Wallbaum (u.a. Interzone, inzwischen Hamburg Blues Band)

Gut wär was Asche
Gut wär was zieh’n
Zu leer die Tasche
Zu leer die Scene
Nicht gut bei Kasse
Goodbye Berlin

(Text: Rio Reiser, Musik: Kralle Krawinkel)

Kralle Krawinkel, das klingt so angenehm nach Nonsens und Loriots „Krawehl, krawehl“, das möchte man gar nicht missen. So wie man Kralle Krawinkel gleich lieb hatte.

In Berlin-Moa-Beat hatte er ein Tonstudio. Seinen persönlichen, musikalischen Ashram.

Er war auch immer ein scharfkantig wahrzunehmender Gitarrist. Fender Stratocaster, wie sich das für ordentliche Rockgitarristen gehört. Kralle Krawinkel ist der musikalische Trioismus von drei musikalischen Phänomenen und entwirft die Gitarrenarbeit von Trio, einer Band, die alle bisherigen Konventionen weit über Genf hinaus sprengt, weltweit hört man dem akustischen „Dada-Ismus“ neuester Prägung zu, ohne noch weltvergessen an jene Altphase des schon mal da gewesenen Dadaismus anzuknüpfen.

Denn mit dem hatte es nicht mehr viel gemein.

Kralle über Trio – Altes Filmmaterial von Trio

Man tut ihm dann unrecht, wenn man versucht zu fragen, in welcher Phase seines Lebens er „ernsthaft Musik“ gemacht hat.  Denn er hat immer ernsthaft Musik gemacht, jedenfalls so lange er mochte bzw. wollte. Als später „horsemanship“ wichtiger für ihn wurde, war Musik nur noch zweitrangig.

Die Textfragmente oben sind aus dem Song „Mir folgen die Wolken“, aufgenommen und abgemischt von dem Soundtüftler Udo Arndt. Mir folgen die Wolken, sang er. Jetzt ist es umgekehrt. Großenkneten darf nicht in Vergessenheit geraten.

Trio – Bum Bum 1983

Ortsausgang Großenkneten

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