Fotoserie "A Crowd Of People Stood & Stared"

1065/14: Fotoserie: ‚A Crowd of poeple stood & stared‘, „a passion of love“

Fotoserie "A Crowd Of People Stood & Stared"

Fotoserie „A Crowd Of People Stood & Stared“

A crowd of people stood and stared
They’d seen his face before
But nobody was really sure
If he was from the House of Lords
A Day In A Life – Beatles, Auszug

Bier trinken. Flaschenbier.

Niemand weiß, woher der Biertrinker wirklich kommt. Aus welchem Umfeld. Warum er sich so gibt, wie er sich gibt, als ein aufrechter, Bier trinkender Fan. Er ist Bestandteil eines Publikums und erregt unsere Aufmerksamkeit. Wir fertigen heimlich ein paar Fotos von ihm an. Aus Überzeugung.

Er trinkt sein Bier nachmittags, aus Überzeugung. Und trägt sein T-Shirt vor sich her, rücklings lesen wir „Fucking racism“, das ist gut. Er ist der Gute. Aus Überzeugung.

Fotoserie "A Crowd Of People Stood & Stared"

Fotoserie „A Crowd Of People Stood & Stared“

Allerdings: Hier sind keine Rassisten. Es ist derangiert, irgendwie. Niemand möchte hier und niemand will hier rassistisch sein. Vielleicht bis auf diejenigen, die hierher gekommen sind, um eine Reiterdarbietung anzusehen. Es gibt hier rassische Gesichtspunkte. Die einen bevorzugen Isländer als Reitpferde, weil sie zwei Gangarten mehr aufweisen. Die anderen bevorzugen Friesen, wegen ihres Wuchses, ihrer Kraft und ihres stählernen Schwarz.

Genau so gut könnten sie auch Heavy Metal-Fans sein oder dem Swing huldigen. Fest steht: Es ist ein Konzert der Generationen, hier.

Rassismus in der Musik: Streng gegeneinander abgegrenzte Stilrichtungsdebatten, das Verteilen von „love & hate“ für oder wider gegen eine der existierenden Musikrichtungen. Dabei war das doch noch längst nicht alles: Musik wird sich immer weiter neu durchmischen und Stilrichtungen überschreiten. Etwas ganz neues, ist zu vermuten, findet nicht mehr statt. Alles baut auf bisherigem auf. Als Lebensberatung erscheint eine Maxime richtig, die darauf aufbaut und nicht auf Überheblichkeit, Alleinstellung von Musikrichtungen und der angeblichen Überlegenheit einer bestimmten Art und Weise, Akkorde miteinander und aneinander zu reihen…

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Blood, Sweat & Tears: „Spinning Wheels“

Das Publikum setzt sich aus allen existierenden Generationen zusammen. So wie bei Peter Fox. Der gefällt jung und alt. Es gibt keinen Grund, Peter Fox an den Rand irgendeines Generationenclusters zwangszuversetzen. Peter ist für alle da. Es hat ihm gereicht, so im Mittelpunkt zu stehen, da hat er angekündigt, wieder mit SEEED weiter zu machen, aufzuhören, überall ausverkaufte Konzerte für Generationen zu geben. Sogar in der Berliner Waldbühne.

Zurück in den Schutz der Mitte.

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Vorbei die Zeit des Kosmopolitischen, die Zeit als „everybodys darling“. Es ist gar nicht so leicht, everybody´s darling zu sein. Man möchte lieben, aber man möchte auch haten.

Love & hate, peace & war. Yin & Yang.

Die Fans sind überall. Sie stehen hinter einer Reißleine, die den Tatort absichert. Die Bühnensecurity ist dahinter aufgestellt und drängt zu drängenden Fans zurück. Hinter die Reißleine.

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Fotoserie „A Crowd Of People Stood
& Stared“

Das Publikum wabert sitzend, kauernd, starr und so aufmerksam wie regungslos hinter der Reißleine, während das Konzert zum „Game without Frontiers“ (Peter Gabriel) verkommt, zum Spiel ohne (scheinbare) Grenzen. Einmal noch möchte ich spüren, wie sich die Menschen im Publikum für Eintrittspreise verkalkulieren, in ihren Erwartungen.

Die Kinder haben den Opa mitgebracht, damit der sowas auch mal sieht. Und Opa ist mitgekommen, weil er den Kindern Begleitschutz gewähren wollte. Falls irgendwas anbrennt. Man kann in so einem Publikum herumsitzen und anderen die Zeit stiebitzen. Oder man macht´s von der Bühne aus.

„Es gibt Eis, Baby.“ Oder Bier. Im Pappbecher, Du sollst nicht werfen.

Fotoserie "A Crowd Of People Stood & Stared"

Fotoserie „A Crowd Of People Stood & Stared“

Oma ist das alles zu viel. Sie ist mitgekommen, aber soviel Menschengewimmle, das ist ihr nichts. Sie ist mit Tante Evi auf den oberen Rängen, schaut von einem Fensterplatz aus zu. Es ist eine Vernissage von Menschen, Publikum, magnetisch zur Bühne hin ausgerichtet, zum Nordpol der Aufmerksamkeit.

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Fotoserie „A Crowd Of People Stood & Stared“

Die Band ist beglückt. Ihre Triebfeder ist das Publikum. Aufmerksamkeit erregen, Begeisterung, Verehrung, das Mitklatschen in jedem dritten Song und der Sänger als Animateur der Massen. Alle tanzen mit, sind glücklich und gut drauf. Wer Zweifel hat, trinkt Bier. Und schafft es so, glücklicher zu sein. Noch glücklicher.

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Für all das. Die jahrelangen Proberaum-Zeiten, Schweiß „Sweat“, Blut „Blood“ und Tränen „Tears“, die Aufnahmen in den Studios, das Marketing. Die Attitüde wurde sorgsam einstudiert. Damit einem nie wieder ein faux pas passiert. Das Publikum ist leicht zu amüsieren. Oder nicht so leicht. Fans aber sind bedingungslos. Rockfan bleibt Rockfan. Schlagerfan Schlager, undsoweiter…


Paul McCartney „Performs More Beatle Classics“ Live-2005

Good Day Sunshine
For No One
Fixing A Hole
Penny Lane
Too Many People
She Came In Through The Bathroom Window
Please Please Me

„When You were young and Your heart was an open book“, da sind die 27 Buchstaben des Alphabets vervollkommnet worden zu etwas Überirdischem und du hast die Musik in die Wiege gelegt bekommen, von wo aus sie nun Platz greift für den Rest des Lebens. Wer Pech hat, dem kommt sie wieder abhanden. Doch das ist eine andere Geschichte, eine vom Verlust.

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Fotoserie „A Crowd Of People Stood & Stared“

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