Bilderserie: Blackbird Studios, Wiedereröffnung

1123/14: Studioszene: Von Werten und ihrem Verfall. Von dem, was bleibt. Blackbird Music Studio am Salzufer eröffnet #wieder

Bilderserie: Blackbird Studios, Wiedereröffnung

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Guerillacam mit iPhone „Socialcam“: Ron Spielman Trio „I don´t need no Doctor“

Ich wollte ein Studio schaffen, das mehr kann als Musik aufnehmen. Ich wollte einen Platz schaffen, wo Sound und Video aufgenommen werden können auf dem höchsten Qualitätslevel und zur gleichen Zeit. Wo du spielen kannst und Livekonzerte genießt, Filme anschaust in einer kinoähnlichen Atmosphäre. Ein Platz wo Kreative zusammenkommen, um Ideen auszutauschen, wo Musikfans Künstler treffen können. (Andreas Hommelsheim, zur Eröffnung am 13.11.14)

Am 13. November 2014 hat Andreas Hommelsheim, Chef des Blackbird Music Studio am Salzufer nach einer Umbaupause das bereits ca. zwei Jahre bestehende Tonstudio mit einer Veranstaltung recht herzlich wiedereröffnet. Auf der Gästeliste: Rang und Namen! Ein Stelldichein aus ganz Europa.

Seiner Frau hat er es so gesagt: Ob es das letzte Tonstudio seiner Art bleiben wird, ist allerdings ungewiss. Denn wenn er für eine Idee brennt, setzt er sie um. Er ist ein Macher: Hommelsheim hat im Verlaufe seines bisherigen Lebens an rund 20 Tonstudios mitgewirkt, einige davon gebaut. Und man hört, er habe einiges davon ganz erfolgreich wegverkauft. An Menschen, die weltweite Studiolocations betreiben, mehr als siebzig davon überall auf der Welt. Das ist Geschichte. – Und jetzt ein nennen wir es „äußerst hipper“, pittoresker Platz der musikalischen Begegnung. Ein Hommelshome.

Bilderserie: Blackbird Studios, Wiedereröffnung

Bilderserie: Blackbird Studios, Wiedereröffnung

Die Wiedereröffnung gut gelungen, ein voller Erfolg. Einiges wurde auf die Beine gestellt, das Hommelsheim am Abend den geladenen, wohlsortierten Gästen präsentiert, leise, bescheiden, und mit musikalischem Nachdruck á la Spielman, siehe unten.

Kernstück des wiedereröffneten Tonstudios ist eine NEVE Genesys Black Recordingconsole, ein Sahneschnittchen aus einem „der Häuser“ der Welt, die mit ihren Pulten Studiogeschichte schrieben. Es dürfte sich Stand heute um die einzige dieser Art in Deutschland handeln. Apropos Neve.

In einer Zeit, in der viele große Studios schließen müssen, weil viele Musiker inzwischen in kleineren, billigeren Studios oder zuhause aufnehmen, entschied ich mich, gegen diesen Trend etwas zu setzen, das es so noch gar nicht gibt. (Andreas Hommelsheim, zur Eröffnung 13.11.14)

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Der Film „Sound City“ von Dave Grohl (ex-Nirvana, Foo Fighters) mit einer Spieldauer von 157 Minuten ist ein Filmfilm eines leidenschaftlichen Musikers (Dave Grohl) für Musiker und Musikbesessene aus dem Jahre 2013. Erzählt wird in dem Film an zwei Handlungssträngen entlang am „Früher“ und „Heute“ des Musikmachens von Herzen und aus dem Bauch und später in Protools, Digitalismus und dem Homestudio, dem jetzigen Konkurrent großartiger Soundwerkstätten. Sind letztere aber ernst zunehmen?

Beide Zeiten, Momentaufnahmen von „früher“ und „jetzt“, verbinden sich am Beispiel und am Aufstieg und Fall des kalifornischen Studios „Sound City“. Das Mischpult von Sound City hatte der englische Ingenieur Rupert Neve gebaut, eine Art Papst der Studiotechnik. Es kostete Anfang der Siebziger rund 75.000,- Dollar. Alle ganz großen Stars der Rock- und Musikgeschichte seit diesem Zeitpunkt nahmen hier auf: Fleetwood Mac, Neil Young – unmöglich alle aufzuführen -, Nirvana nahm sein Megaalbum „Nevermind“ (VÖ 1991) auf. So ist auch das Sujet dieses prima Films: „It´s all about Neve“, so lautet in etwa die Vergötterung der Studiotechnologie von Weltniveau. Man spricht es „Nief“ aus, aber nicht „Mief“, denn wie es klingt, so ist es: Das ganze Gegenteil von Mief. Weltklangstudiotechnik Number One.

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Ron Spielman, Musiker, Sänger, Komponist

Hier ist nicht genug Platz, auch noch eine Filmbesprechung abzuhalten. Es ist jedoch nicht abwegig, sich als Interessierter diesen Film unbedingt anzusehen. Der geneigte Leser möge dies als #Filmtipp in seine persönliche todo-Liste direkt übernehmen. Ein toller Film.


Ron Spielman Trio – Song „Patton“ (Blackbird Studio 13.11.14) #related – recorded with Zoom Q4 HandyCam

Am Salzufer ist jetzt nach dem Umbau vieles möglich geworden. Andreas Hommelsheim hat sich hier vorgenommen, als „erstklassige Anlaufstelle“ für bedeutende und bedeutend werdende Musiker zu gelten. Die Räumlichkeiten sind erstklassig. Eine ausführliche Führung eine Woche vor der Eröffnung überzeugte davon. Bei dieser Einweisung in Hommelsheims geschlossene „offene Anstalt“ sahen wir übrigens obigen Film „Sound City“ auf einer Großbildleinwand und mit einer Audiotechnik, dass es einem schwindlich wird, wenn Grohl und Konsorten in die Drums reinkesseln. Wow.

Wir sehen beim Durchwandern der kompletten Etage nirgendwo Verkabelungen, Schächte oder studiose Unordnung. Alles ist professionell versteckt. Es gibt keine parallelen Wände. Spezielle Räume für Schlagzeugaufnahmen (Mosaikfliesung, kleinrasterig), Sprach- und Gesangsaufnahmen, Videoschnittplätze und ein großer Musizierraum, der bei Bedarf auch ca. 80 Gästen Platz bietet, lassen sich nutzen. Blackbird Music Studio wird hier viele Gelegenheiten zur Nutzung anbieten.

Gedacht ist nicht nur an Tonstudioaufnahmen, sondern auch an Präsentationen, an die Vorstellung von Musikern und Bands, die es einmal weiter bringen werden. Syncronarbeiten, Videoschnitt, Multimedia – kurz gesagt eine Art „factory“ im besten Sinne des Wortes, allerdings hätte Andy Warhol zu Lebzeiten wohl gern eine so gut durchdachte Ideenfabrik besessen.

Nehmen wir Andy Warhol gegen Andy Hommelsheim in Schutz: Die Champignonsuppendosen von Warhol wurden legendär. Wie tief Hommelsheim in der Berliner Musikersuppe löffelt, wird man sehen. Als „alter Hase“ weiß er, wie´s geht.

Hommelsheim hat im Musikgeschäft tiefe Spuren hinterlassen.

Solche Spuren hat er als Musiker, Komponist und gefragter Studiomusiker hinterlassen. Ron Spielman. Sehr schön an dieser Stelle die Idee von Hommelsheim, den gemeinhin inzwischen sehr gut bekannten Deutsch-Amerikaner Spielman zu bitten, die Räumlichkeiten soundtechnisch zu illustrieren. Spielman ist ein erfolgreicher Solist seit vielen, vielen Jahren und hat einige CDs veröffentlicht. Viele Jahre befasste er neben seinem Wirken als „himself“ auch ein bekanntgewordenes „Spielman Trio“, eine Art Spielmannszug des Wesentlichen: Es geht um handgemachte Musik. Früher mit Edward McLean (Bass) und Benny Greb (Drums) besetzt, wurde das „Ron Spielman Trio“ Anfang 2014 neubesetzt. Spielman fand zwei neue Mitstreiter und probt jetzt intensiv mit den beiden Ruffcats-Musikern Johannes „monojo“ Weisgerber (b) und Uwe Breunig (dr). Die hier eingestreuten Videos der Studiopräsentation belegen es: Da entsteht gerade etwas ganz Großartiges. Über die „Ruffcats“ kann man nachlesen:

The Ruffcats are Germany’s most sophisticated, most tasteful and hardest working backing-band for Soul, Funk, Hip-Hop & Reggae. When it comes to heavy funk and progressive soul stylings, there ain’t no competition for this 8 piece group from Berlin. (Aus Website Ruffcats)

Ron erzählt: “Das neue Trio schließt sich zu Proben für acht bis zehn Stunden ein. Dann machen wir Sessions und nehmen alles, was wir tun auf. Ich werte unsere Proben aus. Auf diese Weise haben wir ca. zwanzig neue Stücke, die es in sich haben.“ – Der Stil der Bandarbeit unterscheidet sich in erheblicher Art und Weise von dem Arbeitsalltag als vielgefragter Ruffcat, als Auftragsmusiker im Teamplay bekannter Künstler wie bspw. Flo Mega . Dort geht es ums Mitspielen in festgefügten Koordinaten und Mustern, Samples und Loops, darum zu begleiten, was auf Platten die Runde machte und erfolgreich war.

Das Airplay des Ron Spielman-Trios ist damit auch anders, als Spielmans eigene Tonträgerveröffentlichungen, die richtige Songs sind, aus dem Kopf geboren, mit den Fingern entwickelt und ausgefeilt und wohlgeordnet. Das Spielman-Trio ist die Freiheit darüber hinaus, die er meint sich nehmen zu dürfen.

Das interessierte Publikum des Abends im Blackbird Music Studio.

Das ist eine Art „handmade ruff stuff“. So klingen Spielman, Weisgerber und Breunig am Abend im Studioambiente: Sehr sauber zu hören, auf den Punkt, aber durchaus mit einem Schuss „Dreck“ im Portfolio. Allein der Transport über die oben schon erwähnte, handgefertigte, maßgeschneiderte Studio-PA von Hans-Peter Studt: Schön, schön. Wäre man Fotograf, man dichtete vermutlich: Der canvas. Bzw. das.

Hommelsheim sagt: „Ich glaube ganz stark, es gibt immer noch viele Leute, die genau zu unterscheiden wissen zwischen mittelmäßigen, durchschnittlichen und exzellenten Musikern, zwischen angebrachtem und außergewöhnlichem Equipment. Menschen, die Qualität schätzen.“

Der Abend des 13.11. lässt sich großartig an. Hommelsheim hält eine kurze Rede für die Gäste und überlässt den Abend dann dem freien Spiel der Kräfte. Es gibt vegetarischen Fingerfood, Sekt + Selters, und allerhand dem Rahmen des Abends entsprechende Kaltgetränke. Wir sehen Persönlichkeiten, die teils aus ganz Europa angereist sind.

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Großartiger Großraum im Blackbird Studio mit Highend-Equipment


Ron Spielman Trio: „Further Up On The Road“ (Blackbird Studio 13.11.14) #related

Subjektiver Auszug aus der Gästeliste
Augustat, Dirk – Steinway
Bauer, Katrin – VUT
Gwilym, Huw – Neve
Haffke, Helge – Dynaudio
Halfter, Lutz – Musiker
Kootz, Friedemann – Studio Magazin
Krauss, Helmut – Schauspieler
Krauss, Chris – Musiker
Kühn, Rolf – Musiker
Langner, Marc – Studiocanal
Mruk, Peter – Easy Pac
Off, Holger – Berlin Comedian Harmonists
Sittel, Oliver – Believe
Stegmaier, Karlheinz – Akustikbüro
Strucken, Florian – AVS Medientechnik
Studt, Peter – Studt Akustik
Townend, James – Neve
Townsend, Corie – Musikerin
Tulip, Tommy – Musikszenekoordinator blackbirds.tv
Vogler, Sonja – Studiocanal
Wagner , Alfred – Label/Producer
Wagner, Todd – Musiker
Weniger, Peter – Musiker/Jazzinstitut

Und viele mehr…die uns verzeihen, wenn wir nicht alle namentlich aufführen.

Großartiger Abend. Eine sehr schöne Location. Wir werden davon bei Gelegenheit mehr hören….

_link Lotse

(Alle Fotos: Gudrun Arndt, Blackbird Music Studio)

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