1213/15: Nachruf: Hans ‚James‘ Last (* 17. April 1929 in Bremen; † 9. Juni 2015 in Florida, USA)

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„Wir müssen alle atmen, und wenn man dies bei den Streichern übersieht, leiert die Musik dahin, dann fehlt der Nerv, die Intensität. Ich lasse die Unterstimmen über den eigentlichen Notenwert hinwegklingen, überhängend sozusagen, so dass über der Melodie noch eine Harmonie liegt, die sich dann etwa in den Bässen fortsetzt. Daraus ergibt sich ein Nachhallklang, der nicht aus der Raumakustik entsteht, sondern schon in der Partitur notiert ist: Eben das ist charakteristisch für den Last-Sound und macht unsere Streicher unverwechselbar.“
Hans ‚James‘ Last, in „Mein Leben“

Wir machen uns Gedanken darüber, wie man den Bassisten (Sting) zum heimlichen Bandleader macht? Es gibt keine Zufälle. James Last, Bassist, ist und war Bandleader. Ein ganz Großer! Erfolgreich wie kaum ein anderer, prägte er eine ganze Musikgattung, die man „Happy Sound“ nennen könnte. Die Doofen Olli Dittrich und Wigald Boning hätten es „Melodien für Melonen“ genannt.


JAMES LAST with GHEORGHE ZAMFIR – The Lonely Shepherd/Alouette. Live in London 1978 (HD)

Das ganze Leben sollte eigentlich eine Party sein, nicht nur die sechziger Jahre. Und im Grunde hat sich da wenig geändert. Die jungen Leute sind heute so, wie wir damals waren. Nur die Älteren sagen, dass früher alles besser war, weil sie steifer geworden sind und sich nicht mehr richtig trauen. James Last, Der SPIEGEL, hier

Melodien für Melonen: James Last herrschte ohne Wasserkopf.

Für ihn als Musiker und Arrangeur war bezeichnend, wie er beispielsweise in Italien in den Charts war. Damals waren die Beatles Nummer eins, Nummer zwei war James Last mit einer Romanze von Beethoven und erst Nummer drei waren die Rolling Stones.

Ich werde wohl alt, gefühlig leichter erreichbar: Ich ertappe mich manchmal schluchzend, wenn ein Großer gegangen ist und ich einen schmerzhaften Verlust spüre. James Last zum Beispiel oder Pierre Brice. Teile des eigenen Lebens werden einem gefühlt weggerissen. Feste, verlässliche Inventarien meiner Seele verlassen mich. Das ist nicht abgesprochen. Es ist mir nicht egal. Warum?(Zu meinen eigenen Befindlichkeiten beim Gedanken an James Last)

Spartanisch, leise wippend, kühl nüchterner Hanseat, das Wort nur spärlich ergreifend, um auf der Bühne das zu erklären, was er tut bzw. vorhat, mit meist einer von zwei Händen im Dirigat seines Orchesters, eher so schunkelnd, als wäre das ganze Leben eine Party.

Kritisch distanziert äußert sich Burkhart Müller-Ulrich auf  „Die Achse des Guten“, was noch zu beweisen wäre: „Doch im Gegensatz zu jener Körperlosigkeit des Klangs verknüpft sich mit James Last ein Bild, das die Begeisterung des deutschen und des internationalen Publikums erklärt: da steht ein Mann, der seine Band mit nichts als Fingerschnippen dirigiert. Er grinst dazu, weil es ihm Spaß macht. Die scheinbare Leichtigkeit hat etwas Labendes. Sie ist unterkomplex wie die Musik, die da gespielt wird, aber sie macht irgendwie gute Laune. Unsere Spiegelneuronen arbeiten eben manchmal unter Niveau.“ (Quelle: Kompletter Wortlaut hier)

Everybody schnippi, but me. (Otto Waalkes)

Der intellektuelle Diskurs der deutschen Intelligentjia geht in Bezug auf Wert oder Unwert des musikalischen Lebenswerks naturgemäss getrennte Wege vom Volke: Um dabei zu bleiben, dass das nicht Musik sein darf, weil es nur zum Finger schnippen aufgeführt wird. Das leichte Fingerschnippen von James Last setzt Orchesterproben, großartige Bandmitglieder und Arrangeurskunst voraus. – Ich habe immer lieber The Doors und Jimi Hendrix, LZ und DP gehört, und niemals Seichtwasser James Last. Erst mit dem Abstand von Jahrzehnten kann ich jedoch anerkennen, dass James Last vor allem auch ein begnadeter Musiker und Arrangeur war. Ich werde mir auch weiterhin keine James Last-Platten kaufen. Er gehörte aber nichtsdestotrotz fest als Inventar zu meinem Leben, so wie Paul McCartney, Helmut Schmidt und viele andere mehr. Der verlinkte Artikel ist zulässig, ehrlich und distanziert, also berechtigt.

In Florida ist James Last dahin geschieden. So wie einst Bob Marley, im Anflug auf Miami, auf dem Weg nach Kingston, Jamaica. James Last starb seinem Alter gemäß. Jedenfalls wird James Last Winnetou Pierre Brice an der Himmelspforte treffen, bei der Einlasskontrolle. Winnetou raucht Friedenspfeife mit dem Orchesterleiter des deutschen Volks aus Bremen. Winnetou bläst Kreise wie Kurzmitteilungen und Hansi Noten, ganze und halbe, volle und dead notes. Vielleicht so?

Tröstlich.

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