1416/16: Breaking News: Die Berliner Straßenmusikern Elen muss 1.000 EUR Strafe zahlen. Die Musikszene ist verärgert.

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An einem guten Tag verdient die Sängerin mit ihrer rauen, tiefen Stimme 30 bis 40 Euro. An einem schlechten sind es nur ein paar Cent. Viel Geld ist das zwar nicht, sagt Elen, aber dafür sei sie schon auf so viele andere Weisen belohnt worden. Da ist zum Beispiel das vierjährige Mädchen, das immer ganz vergnügt mit ihren kurzen Beinchen zum Takt wippt – und die Sängerin am Ende umarmt. Da ist die Frau, die ihrem autistischen Sohn eine CD der 24-Jährigen mit Cover-Stücken vorgespielt und Begeisterung in seinen Augen gesehen habe. Als sie Elen davon erzählt hat, hat sie aus Dank geweint. (Quelle: Tagesspiegel, hier)

Hier geht es um eine Eilmeldung und um Solidarität. Für eine sachliche Stellungnahme war die Redaktion dieser Website gerade nicht zu gebrauchen. Wir bitten um Entschuldigung. Eine Polemik.

Dass Elen Wendt vortrefflich Straßenmusik macht und bei Bedarf Marius Müller-Westernhagen ein Vorprogramm gibt, hat sich herumgesprochen. Ebenso sehr hat sich das ärgerliche, rechthaberische Verhalten des Ordnungsamts Berlin-Mitte herumgesprochen, mit dem Wendt in der Art einer widerlichen Indiefada (neues Wort) gejagt und gehetzt wird: Mit Bußgeldverfahren. Es geht um deutsche (Kultur)Peinlichkeit pardon Reinlichkeit. Vorschrift ist Vorschrift und Gesetz ist Gesetz. Drei Bußgeldbescheide waren angefochten. Wir haben hier darüber berichtet.

Jetzt hat das Gericht entschieden und im Ergebnis 1.000 EUR Bußgeld festgesetzt. Uns geht es hier nicht um haarkleine therapeutische Aufarbeitung von Behördenbullshit. Wie wir heute aktuell aus der Spezialistengruppe:Musikerwitze auf facebook hören, haben sich deren rund 17.000 Mitglieder zur Solidarität mit Elen Wendt entschieden. Vorgeschlagen wird, dass das Urteil mit der Bankverbindung als pdf ins Netz gestellt wird und dass jeder einen Mikrogeldbetrag an die Landeskasse überweist. Dann gibt es rund 17.000 Kleinstüberweisungen (vorsichtig noch schnell nachrechnen) und die Verwaltung darf wochenlang die Beträge auf die Strafe verbuchen und verrechnen.

Es würden auch gleich ein paar zusätzliche Mitarbeiter in der Buchhaltung benötigt. Was für ein Scheiß. Schämt euch, Elens Musik im öffentlichen Interesse oder im Namen des Volkes zu verurteilen. Wir sind das Volk, und ist der Spruch auch noch so abgenutzt. Wir hören uns noch. Und weint ruhig: Wie die oben angesprochene Mutter des autistischen Kindes. Euren Autismus kann man behördlich nennen. Oder menschenverachtend. Pfui.

Weiterführend
Indiefada Flyer

(Die nachfolgenden Interaktionen werden sich noch organisieren.)

1369/16: Kritik: Nur wenn sie laut ist. Am Beispiel der Straßenmusikerin Elen Wendt zeigt sich die hässliche, deutsche Fratze

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der Kritiker: MRR in jungen Jahren!

One letter difference: Dass der Rechtstaat zum Rechtsstaat verkommt, liegt in der Hinzufügung eines Buchstabens. Oder: Der äußerst unliebsame, digitale Rechtstaat, mit harschen Vorschriften gegen die Vorstellung, ein bisschen Musik im öffentlichen Straßenland zu machen. So kleinkariert. So widerwärtig. So deutsch.

Die Straßenmusikerin Elen Wendt ist hier schon vorgekommen und mit gutem Grund: Sie mag Musik, wenn man ihr zuhört. Derartiges ist allerdings noch keiner besonderen Erwähnung wert. Denn hinzu kommen muss, dass sich beim Zuhörer ein Wohlgefühl unmittelbar nach der Wahrnehmung einstellt.

Das ist im genannten Fall eindeutig so.

Regelmäßig tritt die Musikerin im öffentlichen Raum auf. Der öffentliche Raum ist das Ziel jeder Musikdarbietung, die davon lebt, wahrgenommen zu werden. Dass die Musik überhaupt wahrgenommen werden kann, verstärkt nach landläufiger Meinung, auch von Experten, den Erlebnisgenuss von Musik an und für sich. Vor ein paar Tagen war denn auch die in Berlin bekannte Busking Band Ruperts Kitchen Orchestra ihres nicht immer unumstrittenen Gründers und Drummers Andreas Raab beim Sender RBB am Hackeschen Markt zu sehen. Der öffentlich rechtliche Sender hatte die Band sicherheitshalber in einen Glaspavillon gestellt und ließ sie ein bisschen demoartig vortragen. Das Video der Sendung ist unten verlinkt. Raab erklärt darin eingangs, „wir klingen eigentlich ganz anders.“ – Eben: Man kommt nur nicht immer dazu. Hat Udo gesungen.

Im Kern des RBB-Berichts stand dabei auch die Genehmigungsregelung im verwaltungsbürokratischen Prozedere von genehmigungspflichtiger und genehmigungsfreier Straßenmusik. Drummer Andreas erläuterte: Es macht für Behörden den relefanten Unterschied in der Beurteilung, ob zum Zwecke der Musikausübung Verstärkeranlagen genutzt würden oder nicht?

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1131/14: Video: Elen Wendt und „Nobody else“ #Lied des Tages – Eine Kurzvorstellung

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Elen – Nobody Else

Wieder ist blackbirds.tv auf die Straße gegangen. Kürzlich haben wir die musikalische Arbeit der südafrikanischen Sängerin und Berliner Straßenmusikerin Alice Phoebe Lou vorgestellt. Mit Elen Wendt stellen wir eine weitere Berliner Straßenmusikerin vor.

„Sie hat eine Ausnahmestimme“, sagt Fred Sauer, der schon mit Nina Hagen und Peter Fox zusammengearbeitet hat. Er sei „ein Gott an den Tasten und hat seinen Sternenstaub über das ganze Album verteilt“, sagt sie über ihn. Auch der Kanon der beteiligten Musiker (Video Nr. 2, drunter) ist positiv: Die hat was. Was andere nämlich nicht haben.

„Jeden Tag geht sie raus und macht Musik“, sagt Andreas de Jong, ihr Freund und Unterstützer seit fast sieben Jahren. „Und das ist heute ganz schön selten geworden.“ Das Spielen auf der Straße hat ihr viel Selbstvertrauen gegeben. Wenn sie als bekennende Frostbeule „mit 15 Schichten Kleidung“ alle fünf Minuten ihre Finger an den heißen Tee hält, kann sie es aushalten, sagt sie. Das immerhin wärmt.

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