1731/18: Positionen: Es ist so weit. Die neuen Bundesverdienstkreuze gehen an Musiker. Herzlichen Glückwunsch!

Ich hab auf facebook gesagt: Das ist dann doch mein Land. Warum? Eine kurze Begründung.

Dass diejenigen, die mit einen Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet werden, eine Art Kurzwürdigung in Textform erhalten, ist okay und Teil des Spiels. Schloss Bellevue, üblicherweise. Der Pundesbräsident hält dann die ausführliche, Laudatio genannte Lobpreisung. Niki Lauda ist unbeteiligt. Genug der abgefeimten Formulierungen und eitlen Wortspiele. Regelrecht ins Schwarze trifft Herr Bundespräsident dies Jahr. Ausgezeichnete Ausgezeichnete. Ganz ausgezeichnet.

Otto Waalkes ist ausgezeichnet worden.
Jim Rakete gehört dazu.
Annette Humpe trägt das Kreuz als aller Laster Anfang.
Jocelyn B. Smith hat eins.

Das sind nur einige der diesjährig Ausgezeichneten. Dass ich hier gesondert erwähne, ist subjektiv vollkommen in Ordnung. Alle sind fester, integraler Bestandteil meines Lebens. Mit all diesen Personen verbinden mich seit Anfang der Achtziger Jahre und noch länger (Oh Otto! 1973) inhalatorische Existenzien, ja Molekülbestandteile ihres Schaffens, die ich aufsauge, als hätte ich einen elefantösen Riesenrüssel.

Ohne sie wäre ich nicht zu dem geworden, was ich heute bin. Dafür an die Ausgezeichneten auch von mir und nicht nur vom Bundespräsidenten Danke.

Das habe ich wirklich selten erlebt. Eine Bundesverdienstkreuzverleihung mit lauter Hauptwürdenträgern meines Lebens. Danke, Steini, knorke. Du als Zehlendorfer nä? Aber Spaß beiseite, ich freu mich wie ein Kind. Warum der Bundespräsident das getan hat, hier die Kurz-Würdenbütten.

Otto Waalkes, Hamburg
Verdienstkreuz 1. Klasse

Der gebürtige Ostfriese vertritt seit jeher den Standpunkt: „“Je flacher die Landschaft – desto höher das Niveau““. Von Emden aus hat Otto die Kunstform des „“Blödelns““ in den letzten 50 Jahren auf ungeahnte Spitzen getrieben. Schon als Teenager rockte er mit seiner Amateurband Ostfriesland, doch seine Sprüche und Gags stießen auf noch größeren Beifall als seine Lieder zur Gitarre. Nachdem eher biederen Humor der 1950er- und 1960er-Jahre prägte Otto einen neuen, anarchischen und respektlosen Unernst. 1973 erschien im eigenen Verlag „“Rüssl Räckords““ seine erste Langspielplatte. Seither bringt er mit seinen Wortspielen und Kalauern Menschen aller Alters- und Bildungsstufen zum Lachen. Nicht nur als Komiker, sondern auch als Musiker, Maler, Autor, Schauspieler und Filmproduzent hat sich Otto ein Millionenpublikum erblödelt und ist zu einem leibhaftigen Stück humoristischen Kulturguts geworden.

Jocelyn B. Smith, Berlin
Verdienstkreuz am Bande

Die US-amerikanische Jazz- und Opernsängerin lebt seit Mitte der 1980er-Jahre in Berlin und seit jeher kombiniert sie ihr musikalisches Wirken mit sozialem Engagement. Besonders intensiv unterstützt sie in Kreuzberg die evangelische Kirchengemeinde Heilig Kreuz-Passion, die mit Kunst und Kultur gegen die Ausgrenzung von Obdachlosen eintritt. Jocelyn B. Smith leitet dort ehrenamtlich den Chor „“Different Voices of Berlin““, bei dem jeder willkommen ist, ob arm oder reich, mit Wohnung oder ohne. Die Musik verbindet die Menschen über soziale Unterschiede hinweg und lässt sie Gemeinsamkeiten entdecken und Gemeinschaft spüren. „“Different Voices of Berlin““ – nur eines der vielen sozialen Projekte, mit denen Jocelyn B. Smith zeigt, wie Musik Menschen verbinden kann.

Jim Rakete, Berlin
Verdienstkreuz 1. Klasse

Jim Rakete hat der Porträtfotografie in der Bundesrepublik ganz neue Perspektiven verliehen. Seine durch raue Schwarz-Weiß-Fotografie geprägte Bildästhetik zeigt die Porträtierten oft – im Wortsinne – ungeschminkt und seine Bilder bringen uns Prominente, Stars und politische Akteure ebenso nahe wie diejenigen, die im öffentlichen Leben um Wahrnehmung kämpfen müssen. In den 1970er-Jahren hat Jim Rakete in Berlin-Kreuzberg das Kreativbüro Fabrik gegründet, war Musikmanager und hat die Neue Deutsche Welle maßgeblich ins Rollen gebracht. Immer hat aber auch die Fotografie zu seinem Wirken gehört, der er sich seit 40 Jahren ganz widmet. Dabei sorgt Jim Rakete bis heute dafür, dass der Mensch nicht zum Rohmaterial wird, das künstlich optimiert werden muss, sondern dass sein wirkliches Bild erscheint – einmalig, unverwechselbar und unvergesslich.

Annette Humpe, Berlin
Verdienstkreuz am Bande

Sie steht auf Berlin und ihre „“Blauen Augen““ machten halb Deutschland so sentimental. Die Sängerin Annette Humpe gehörte mit der Band Ideal Anfang der 1980er-Jahre zu den stilbildenden Vertretern der Neuen Deutschen Welle. Annette Humpe besitzt die Gabe, die deutsche Sprache besonders originell mit Punk oder Soul zu kombinieren. Ihre unkonventionellen Texte von einst gehören heute zum Kanon im Deutschunterricht und verbinden Jung und Alt. Als Produzentin und Komponistin hat sie mit den Großen von Rock und Pop unseres Landes gearbeitet – und sie hat viele von ihnen groß gemacht. Annette Humpe – seit Jahrzehnten trägt sie in herausragender Weise zum kulturellen Leben unseres Landes bei und ist einer der wichtigsten Köpfe der deutschen Kreativwirtschaft.

(Einzelne Texte zu Preisträgern: Der Bundespräsident)

Ich fasse mal kurz zusammen:

Nie wieder Nationalsozialismus.

Nie wieder rechtes Gedankenschlecht wie Pechmarie auf deutscher tropfender Befindlichkeitsseele.

Bunte Republik Deutschland.

1549/17: Video: Der alte Ami Rik de Lisle hat noch was zu sagen. Am 4. Juli ist Radio Independance Day deutschlandweit #News

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THE OLD AMI – the unknown American Radio Legend

„He is not Santa Claus, he is Rik and Rik is timeless.“ (Jim Rakete über Rik de Lisle)

Rik de Lisle, das ist vielleicht unzutreffend mit Subtitel angedeutet, ist mitnichten eine unbekannte amerikanische Radiolegende.

Oder ist es eine deutsche?

Im Grunde ist das egal, denn Rik ist bekannter als der sprichwörtliche bunte Hund. Und beliebt.

Das ist offenbar Anlass für den folgenden Film. Alles zusammengefasst…. – Premiere ist übrigens am 4th of July, Radio Independance Day, ja, den Feiertag wird man wohl nun einführen müssen.

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1424/16: Positionen: Blümchentapete, Rocktöpfe, Übungsräume und Schlagzeuger in #Berlin #Proberaum – eine Situationstragik

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Wie versifft? Der Raum ist vintage. #Redensarten

Sie hätten es nicht weit gebracht, hätten sie nicht einen Proberaum bekommen, und auch wenn er mit Blümchentapete tapeziert war: Die Beatles haben Musikgeschichte geschrieben. Der Grund: Sie konnten miteinander ausprobieren, was sich lohnt darzubieten. Erst in einem guten Proberaum entsteht headroom. Operation freier Kopf. Aber bitte in einem halbwegs gepflegten, urbanen Ambiente. Was gehört dazu?

Allein über das Thema Proberaum kann man ganze Bücher verfassen. Historienrückblick: Wir haben uns schon in den Achtziger Jahren im alten Westberlin damit redlich geplagt. Sogar ein großes Benefizkonzert in der Berliner Waldbühne haben wir damals veranstaltet. Johnny & The Drivers spielten, UKW (Sommersprossen), Interzone (RIP Heiner Pudelko, Gott am Gesang), die Insisters und viele, viele mehr. Der 1. Berliner Rocktopf war eine Benefizveranstaltung im ganz großen Stil. Schirmherr war ein Berliner Verein von Musikern, dem ich als Vorstand vorstand, und gängig wurde das sowieso nur, weil der damalige Rockbeauftragte des Berliner Senats Bernd Mehlitz mit seinem Mitarbeiter Uwe Sandhop (Sandy Hobbs, Bassist der Beatitudes) betonte: „Der Senat hat die Absicht, der Berliner Musikszene beim Beschaffen von Übungsräumen zu helfen.“ Ganz anders als Walter Ulbricht. Der hat eine Mauer ziehen lassen, da nahmen die Ostberliner Musiker den Wessis keine Räume weg, Interzone strich sie schwarz an und stemmte sich dagegen, als Jim Rakete den Auslöser drückte. Das Foto machte Geschichte. Mein Gott, Walter: Das war aber so nicht abgesprochen.

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screenshot Christoph Deschner

1112/14: Lied des Tages: „One More Mile To The Border“ von „The John Vaughan Band“ (Westberlin) – Das ist „sooo Siebziger“

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THE JOHN VAUGHAN BAND – One More Mile To The Border

„One More Mile To The Border“ was recorded 37 years ago on November 14, 1977 in Berlin, Germany
THE JOHNVAUGHAN BAND:
John Vaughan – lead vocal, acoustic guitar
Chris Deschner – acoustic lead guitar
Hans-Dieter Lorenz – bass
Christian Evans – drums

Das Lied ist im berühmt-berüchtigten Stil der Siebziger verfasst und dargeboten, den wir von Leuten wie James Taylor und Carly Simon kennen: Großes amerikanisches Songwriting. Mitgespielt haben Berliner, z.B. Hinzugezogene, auch aus Amiland. Und Ungezogene, aus Westberlin, der Enklave mit der einzigen, funktionierenden Stadtmauer rundum und Passierscheinkontrolle. Es war schon ein paar Jahre her, als sich Heiner Pudelko und seine Band Interzone an der Mauer gegen selbige lehnten, sich dabei von Jim Rakete fotografieren ließen, und versuchten, sie flach zu legen. Sie haben es nicht geschafft.

Die Ungezogenen, das waren die Langhaarigen, z.B. die aus der Hagelberger Str., die dort auch eine Wohngemeinschaft gründeten, die man als „einen Ausbund an Kulturbeflissenheit“ bezeichnen könnte. Wenn man nur wollte. Sehr schönes Machwerk. Jetzt auch angekommen im Digitalismus des Jahres 2014. Daumen hoch.

(Mit John Vaughan. Und mit Dank.)

946/14: Video: Jim Rakete, sein Leben


Jim Rakete – mein Leben (via Youtube)

Heute erinnerte mich jemand daran, dass vor 30 Jahren die Band ‚Nena‘ in England die englisch betextete Aufnahme von 99 Luftballons auf Nummer 1 hatte, eine absolute Ausnahme, diese Aufnahme. Von dort aus schwippie de schwappte das German Frolleinwunder (Roter Lederrock, nicht Kadett) rüber nach Amiland. Im Video waberte der Trockeneisnebel nur so. Manager: Jim Rakete.

Jim Rakete war ziemlich lange hier in Berlin der gewaltigste Strippenzieher. In dieser -zu kurzen- Doku kommt Jim zu Wort.

Ein verdienter Berliner, Super-Fotograf, ein glasklarer Mensch, ein netter zumal, ohne Allüren, ehrlich, präzise und sehr ergebnisorientiert. Ich traf ihn am Tag nach der Explosion von Challenger über Amerika in seinem Büro am Ku’damm, Seitenstraße. Fabrikartig Rakete. Bekam früher regelmäßig Fotos und Infos von ihm, über Bands aus Raketes Stall. Spliff-Promo zu ‚85555‘, schwarzweiß auf Karton, Nina Hagen mit Gitarren-Schleudertrauma am Ruinenbahnhof, Anhalter in der Galaxie. Heiner Pudelko in Makrofusion, Herwig Mitteregger mit Dreitagebart und Rita rückte Lindenberg raus, Interconti. Rakete hat sehr viel getan für die Berliner Musikszene, für die Fotografie schlechthin. Er besitzt in dem, was er tut ‚Handschrift‘ und ‚Allein- bzw. Sonderstellung‘, Unverwechselbarkeit.

520/11: Personen & Porträts: Fahrenkrog / Anders – ein MashUp der anderen Art #record release

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„Uwe und ich wollten einfach das Beste der achtziger Jahre und Nena zeitgemäß in die Jetztzeit transformieren. Das ist uns, wie ich finde, sehr gut gelungen. Meine Stimme und die genialen Songs des Soundmagiers Fahrenkrog-Petersen haben ein wirklich atemberaubendes und modernes Popalbum entstehen lassen.“ Thomas Anders über die Zusammenarbeit mit Uwe Fahrenkrog-Petersen an der Neuerscheinung „Two“ von Anders | Fahrenkrog

Uwe Fahrenkrog-Petersen war ca. 1978 Keyboarder der Berliner Band Odessa, die zwischenzeitlich doch in Vergessenheit geraten ist. Die Band stand seinerzeit in dem Stallgeruch, saugute Musik zu machen. Wenig später adelte Fahrenkrog-Petersen eine junge Sekretärin aus Hagen, Angestellte in der Fabrik Rakete von Überfotograf Jim Rakete, indem er ihre musikalischen Rundungen betastete. Gabriele „Nena“ Kerner machte Weltkarriere und war „the german Frolleinwunder“, maßgeblich begleitet durch Uwe Fahrenkrog-Petersen am Keyboard, auch wenn viele witzelten, sie hätte allein ein faible für Schlagzeuger. Was ich mir übrigens merkte.

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