1781/19: Nachruf: Ingo Bischoff (1951 – 2019)

Kerze #Trauer

Kerze #Trauer


Karthago – Karthago (1971) (Full Album) [Krautrock]

Line-up: Joey Albrecht – guitar, lead vocals Ingo Bischof – organ, vocals Wolfgang Brock – drums, percussion, vocals Tommy (Thomas) Goldschmidt – drums, percussion, vocals Gerald „Luciano“ Hartwig – bass, percussion, vocals

Gerade stirbt mir ein alter Freund am Bauchspeicheldrüsenkrebs, der 1953 geboren wurde. Ich bin konsterniert. Wir haben uns nicht voneinander verabschiedet. Keine Zeit. Wir erfahren, Krebs ist ein Arschloch. Unter anderem Krebs. Ja, der auch. Wenigstens ist jener Freund auf dieser Website eingereiht in meine Erinnerungen eines Bedeutungslosen (das bin ich). Im Vergleich mit Eddie mit dem Bauchspeicheldrüsenkrebs, der die Musik später verließ, um anderweitig erfolgreich zu werden, ist Ingo Bischoff im Musikgeschäft herum gekommen und hat deutsche Musik-Nachkriegsgeschichte geschrieben. U.a. mit Kraan.

Ich habe mich versehentlich viel mit dem Wirken von Can (Köln) befasst. Speziell mit dem Schlagzeuger Jaki Liebezeit (Partnerwebsite meinerseits hier – genauer: hier). Dass ich das Wirken in jener Zeit für insgesamt segensreich für die Weltentwicklung im Allgemeinen hielt, brauche ich nicht besonders herauszustellen. In diese Zeit von Ursprünglichem geht der hart erarbeitete, allumfassende Widerstand gegen das System an und für sich. Mit den Mitteln der RAF zogen ein paar wilde Spontis gegen zu viel Raff zu Felde. Bald brannten in Frankfurt/Main Kaufhausetagen. Das war zwar nicht segensreich, im Verhältnis zu dem, was noch folgen sollte, allerdings eher eine Art Narrenspiel. Mit beträchtlichem Sach- und Personenschaden. In den Herzen brannte es lichterloh in jenen Jahren, wie man auch spüren kann.

Im Krautrock war das Mittel gegen Raff das Gitarrenriff, offenbar: Es gab diese Musik als ganze Bewegung in Deutschland, die sich ihren eigenen Weg schuf. Zuweilen wirkte er etwas klerikal, manchmal wie eine Art Sektenbewegung und hier und da war jenes „Age of Madness“ (Jane) eine Art Schreien im Schrein. Krautrock machte friedfertig, aber nicht willenlos, zumindest aber deutlich, dass es um Veränderungen im großen Stile gehen soll. Täglich fit mit 2 g Shit. Ingo Bischoff gehörte zu denjenigen, die in der deutschen Rockmusik immer an vorderster Stelle mitmischten.

Wir blenden aus Anlass seines Ablebens die aufgeführte Rock`n-Roll-Rollade – das Album Karthago von 1971 – ein. Ruhe in Frieden, großer Ingo Bischoff.

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1748/18: Video: Vom Berliner Konnakol als Gebrauchsschlagzeuger erzählt Ulf Fischbeck im Auftrag von Mikel John Winter, der in Frieden ruht

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In Fortführung der konsequent bei der Sache bleibenden Berichterstattung über Persönlichkeiten der Berliner Musikszene zeigen wir hier rund 23 Minuten aus dem Rickenbacker-Mikel-John Winter-Gedächtnisevent ihm zu Ehren. Das Wort hinter den Tama Superstar-Töpfen und Deckeln (Schlagzeug) führt Ulf Fischbeck vom früheren Büro Fischbeck, Schlagzeugschüler von Mikel-John und früher auch Manager des Berliner Bass Balletts.

Am 13.11.2018 veröffentlicht

EmWe (Mikel) Winter ist gegangen. Am 4. Oktober 20918 haben einige Weggefährten, Freunde, Familie mit einer Rock’n‘ Roll Trauerfeier, einen für jede(n) TeilnehmerIn nochmal sehr persönlichen Abschied gefeiert, so wie es EmWe würdig war.

Friend4EmWe hatten Anfang April einen „Mut-mach-Song“ produziert, den Mikel noch gehört hat, das Video hat er auch gesehen. Das war der letzte Song, den er gehört hat. Das ist das Live-Video zu diesem und noch zwei anderen Songs, Ain’t no sunshine und Knockin‘ on heaven’s door.
RIP Mikel

(Ulf Fischbeck, Sprecher hinter Schlagzeug)

Wumms. Klatsch. Bumm bumm tschak, so geht das Berliner Konnakol für Drummies: „Wenn ich was nicht sagen kann, kann ich es auch nicht spielen.“ – Klopf klopf an die Himmelstür. Gedächtnismoment.

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1740/18: Nachruf: Ingo Insterburg eigentlich Ingo Wetzker (* 6. April 1934 in Insterburg in Ostpreußen; † 27. Oktober 2018 in Berlin)


Raucherhusten Blues – Insterburg & Co

Ich liebte ein Mädchen in Lichterfelde,
die lebte zu lange von meinem Gelde,
ich liebte ein Mädchen in Jungfernheide,
wir liebten uns täglich alle beide!
Ich liebte ein Mädchen in Grunewald,
bei der war immer die Bude kalt.
Ich liebte ein Mädchen in Wannsee,
die konnt‘ kein‘ nackten Mann sehn.
Ich liebte ein Mädchen in Wedding,
die wollte immer nur Petting.
Ich liebte ein Mädchen in Tempelhof,
die war sehr lieb, doch ’n bisschen doof.
Ich liebte ein Mädchen in Neukölln,
die wollte es niemals im Hell’n.
Ich liebte ein Mädchen in Heiligensee,
da gabs zwischendurch Gebäck und Tee.
Ich liebte ein Mädchen in Spandau,
von der war immer der Mann blau.
Ich liebte ein Mädchen in Tegel,
die hatte Ohren wie Segel.
Ich liebte ein Mädchen in Tiergarten,
da musste ich immer bis vier warten.
Ich liebte ein Mädchen in Charlottenburg,
die liebte Ingo Insterburg.

Doch dann wurd‘ es ihm in Berlin zu klein, drum zog er in ganz Deutschland ein: 1973 hatte das noch grenzüberschreitenden Charakter. Während Ostberlin unerwähnt blieb, trieb sich Anarcho-Ingo in ganz DDR-Deutschland herum, in Meißen tat sie ihm die Hose zerreißen. Es war eine gesamtdeutsche Freude. Er liebte die Mädchen, aber sie nicht ihn, hieß die Botschaft, im Video unten präsentiert sie passenderweise Manfred Sexauer. Die Happy Aua der Schlüpfrigkeit

In gewisser Weise hat sich Humor inzwischen internationalisiert.

Wir sollen über die Sachen lachen, die anderswo produziert werden. Global Players of Humor produzieren ganze Serien mit xbeliebigem Humor. Richtig beliebig ist er geworden. Der Humor. Dafür gibt es auch Gagschreiber. Die vorn an der Bühne stehen und auftragsgemäße Witze erzählen, sind eben witzige Storyteller.

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