1536/17: Positionen: Zu viel Zukunft, nirgends – Von Michael Pöppl (Gastbeitrag)

Mohr - Stirb nicht im Warteraum der Zukunft

Tim Mohr ist ein amerikanischer Autor, Journalist und Übersetzer. In den 1990er-Jahren lebte er in Berlin als Club-DJ, bevor er nach New York zog und für den Playboy arbeitete. Dort war er unter anderem für Hunter S. Thompson zuständig, mit der er bis zu dessen Tod an dem Buch »Ancient Gonzo Wisdom« arbeitete. Seine journalistischen Artikel erschienen bis dato u. a. in der New York Times, dem New York Magazine, Time Out oder der Huffington Post. Zu seinen Übersetzungen aus dem Deutschen ins Amerikanische zählen Wolfgang Herrndorfs »Tschick«, Charlotte Roches »Feuchtgebiete«, vier Romane von Alina Bronsky und Dorothea Dieckmanns »Guantanamo«, die mehrfach ausgezeichnet wurden. Als Ghostwriter hat Tim Mohr die Memoiren »It’s So Easy« von Duff McKagan (Guns N’ Roses), »The Last Holiday« von Gil Scott-Heron und »Face the Music« von Paul Stanley (Kiss) verfasst. Derzeit arbeitet er an der Lebensgeschichte von Joe Walsh von den Eagles. Tim Mohr lebt in Brooklyn.

Von Michael Pöppl, Journalist, Autor

Mit Vollbart, Hornbrille und Basecap sieht Tim Mohr eher wie ein intellektueller Rapper als wie ein Punk aus. Der New Yorker ist ein bekannter Journalist und Übersetzer, zum Beispiel übertrug er Wolfgang Herrndorfs »Tschick« ins US-Amerikanische und hat als Ghostwriter für Musiklegenden wie Paul Stanley von »Kiss« geschrieben. Dem Phänomen Punk begegnete Mohr Anfang der 1990er Jahre im wilden Berliner Nachtleben, er studierte und arbeitete als DJ in diversen Clubs und lernte dabei einige Akteure der Ostberliner Punkszene kennen. Die Begegnungen faszinierten ihn, über 20 Jahre hat er immer wieder recherchiert. »Das waren solch unglaubliche Geschichten, die ich einfach allen Leuten weitererzählen wollte.« Aus dem Langzeitprojekt wurde das jetzt erschienene Sachbuch »Stirb nicht im Warteraum der Zukunft – Die ostdeutschen Punks und der Fall der Mauer«.

Derzeit ist Mohr auf Lesetour in Deutschland, Österreich und der Schweiz unterwegs. Mit dem Musiker Brezel Göring von »Stereo Total« besucht er nicht nur Punkhochburgen wie Berlin, Zürich oder Hamburg. Gerade in Chemnitz, Erfurt, Leipzig, Dresden oder Jena, überall da, wo es zu DDR-Zeiten eine Punkszene gab, ist der Andrang groß. Auf einem Split-Screen im Hintergrund laufen private Videos von Ostpunks neben schwarz-weißen Überwachungsfilmen der DDR-Staatssicherheit. Zwischen den Lesungsteilen hört man Ostpunksongs aus den 1980ern.

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1494/17: Positionen: Zum Tod von Gerrit Meijer – Von H.P. Daniels (Gastbeitrag)

H.P. Daniels

H.P. Daniels

Am Freitag, dem 17.2.2017, ist völlig unerwartet der Berliner Musiker und Autor, mein Freund Gerrit Meijer, an einem Herzinfarkt gestorben.

Samstagnacht hab ich von Gerrit geträumt: Er war gut gelaunt, sprach von seinen Plänen, was er in der nächsten Zeit tun wolle … neue Songs aufnehmen, noch ein paar Lesungen machen aus seinem gerade erschienen Buch “Berlin. Punk. PVC”. Er hat sich gefreut, als ich ihm sagte, dass mir seine Lesung neulich im “Pinguin” gut gefallen hat. Und er hat mir eine Menge seiner lustigen Geschichten erzählt … was er gemacht hat, was er erlebt hat … über Menschen, die ihm begegnet sind. In seiner typischen Art, ruhig, zurückhaltend … und sehr witzig. Er hat gelacht und war guter Dinge … Es geht ihm gut, dachte ich nach diesem Traum … wie schön.

Vor zehn Jahren (so lang ist das jetzt auch schon wieder her!) hab ich zu “3o Jahre Punk in Berlin, 30 Jahre PVC” ein kleines Porträt über Gerrit Meijer für den Tagesspiegel geschrieben.
Anlässlich seines Todes hier nun noch einmal die Geschichte in der bisher unveröffentlichten, ungekürzten Originalversion:

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772/13: Video: Liebe, Geld und Tod – Ein Film von Annette Humpe #Zeitgeschichte


Jetzt kommt die Flut: Liebe, Geld und Tod (official Video)

Ein Dokumentarfilm von Annette Humpe (Ideal) aus dem Jahr 1982. Der Film erhielt im Jahr 1983 den Adolf-Grimme-Preis.  Annette Humpe fragt sechs Punks und sechs Polizisten im zweiten Ausbildungsjahr exakt die gleichen Fragen (z.B. Was ist Liebe? Was würdest du mit 1 Million DM machen? Wovor hast du Angst?). Alle Befragten sind zwischen 18 und 20 Jahre alt.

Regie: Annette Humpe
Produzent: Horst Königstein
Drehbuch: Annette Humpe

Befragt werden die Punks Frank, Michael, Jörg, Max, Dietmar, Christian sowie die Polizisten Norbert, Andreas, Fred, Robert, Andreas und Thomas.

BRD 1982
ca. 42 Minuten
Farbe

(Danke, Sophia Scalpel!)