1369/16: Kritik: Nur wenn sie laut ist. Am Beispiel der Straßenmusikerin Elen Wendt zeigt sich die hässliche, deutsche Fratze

icon Positionen

der Kritiker: MRR in jungen Jahren!

One letter difference: Dass der Rechtstaat zum Rechtsstaat verkommt, liegt in der Hinzufügung eines Buchstabens. Oder: Der äußerst unliebsame, digitale Rechtstaat, mit harschen Vorschriften gegen die Vorstellung, ein bisschen Musik im öffentlichen Straßenland zu machen. So kleinkariert. So widerwärtig. So deutsch.

Die Straßenmusikerin Elen Wendt ist hier schon vorgekommen und mit gutem Grund: Sie mag Musik, wenn man ihr zuhört. Derartiges ist allerdings noch keiner besonderen Erwähnung wert. Denn hinzu kommen muss, dass sich beim Zuhörer ein Wohlgefühl unmittelbar nach der Wahrnehmung einstellt.

Das ist im genannten Fall eindeutig so.

Regelmäßig tritt die Musikerin im öffentlichen Raum auf. Der öffentliche Raum ist das Ziel jeder Musikdarbietung, die davon lebt, wahrgenommen zu werden. Dass die Musik überhaupt wahrgenommen werden kann, verstärkt nach landläufiger Meinung, auch von Experten, den Erlebnisgenuss von Musik an und für sich. Vor ein paar Tagen war denn auch die in Berlin bekannte Busking Band Ruperts Kitchen Orchestra ihres nicht immer unumstrittenen Gründers und Drummers Andreas Raab beim Sender RBB am Hackeschen Markt zu sehen. Der öffentlich rechtliche Sender hatte die Band sicherheitshalber in einen Glaspavillon gestellt und ließ sie ein bisschen demoartig vortragen. Das Video der Sendung ist unten verlinkt. Raab erklärt darin eingangs, „wir klingen eigentlich ganz anders.“ – Eben: Man kommt nur nicht immer dazu. Hat Udo gesungen.

Im Kern des RBB-Berichts stand dabei auch die Genehmigungsregelung im verwaltungsbürokratischen Prozedere von genehmigungspflichtiger und genehmigungsfreier Straßenmusik. Drummer Andreas erläuterte: Es macht für Behörden den relefanten Unterschied in der Beurteilung, ob zum Zwecke der Musikausübung Verstärkeranlagen genutzt würden oder nicht?

Weiterlesen

1285/15: Video: Das harte Los erfolgreicher Straßenmusik #HIStory

Strassenmusiker_Banner


Dick & Doof – Unter Null (1930)

In „Unter Null“ („Below Zero“) versuchen die Jungs, als Straßenmusiker im eisigen Winter über die Runden zu kommen – ohne viel Erfolg. Als sie eine Geldbörse mit den Initialen F. H. finden, scheint sich das Blatt zu wenden. Großzügig laden sie den Polizisten Frank Holliday zum Essen ein

Jetzt wird es wieder kalt, mit etwas Glück ist was die Erderwärmung betrifft, von etwas milderen Temperaturen als im Winter 1929/1930 zu rechnen. Tröstlich.

Nachdem Dick und Doof zwei Stunden vor dem Gehörlosen-Heim musiziert haben, ziehen sie ohne einen Cent wieder ab und bemerken den Irrtum. Shit happens.

Straßenmusik machen nur die Hartgesottenen wintersüber. Alle anderen Straßenmusiker ziehen im Winter nach Gomera, hip hip, die Hippies. Soweit erst einmal zum vorherrschenden Vorurteil über die sonnenhungrigen Filous. Alle andere genießen im Winter die schöpferischen Kerzenabende zuhause und zünden sich eine an, um bei Kerzenschein und braunem Tee mit Krustenkandis neue Stücke zu komponieren. Und wenn gar nichts gelingt, mit einem Schuss Rum. Bitte schön.

1250/15: Video: Skandal im Sperrbezirk – Heidelbergs Fußgängerzone: Harte Sitten, harte Riten


1250/15: Straßenmusiker in Heidelberg disst den musikalischen Nachwuchs

Schön ist das nicht.

Die beiden waren gekommen, um endlich einmal ihre Musik aufzuführen. Gitarrenverstärker, A-Gitarre angestöpselt, bisschen Verzerrung drauf. Der Andere sitzt auf seinem Cajon.

Da erscheint dieser Straßenmusiker, der hier immer spielt und den man ja kennt. Das ergibt meine Nachfrage. Später, auf einer weitere Loipe mit Rolle rückwärts durch die Heidelberger Altstadt, die grundgängig fußläufig funktioniert, sehe ich ihn dann auch tatsächlich spielen. Allerdings bekommt er von mir nun nicht nur keinen Trinkgroschen (Saufcent, nach Euro-Umstellung) noch Beachtung und auch filmen werde ich ihn nicht. Er ist unten durch.

So wie er diese duften Jungs in ihre vermeintlichen Schranken gewiesen hat. Als Berliner Szenewächter thematisch unzuständig, beschließe ich jedoch später, die Heidelberger Bardenriten öffentlich anzuprangern und obwohl ich die Musik der Jungs zu spät einschaltete, wurde ich doch Zeitzeuge einer elendigen Kulturverdrängungsmaschine. My Generation: Wir sind die Eltern von Kindern, denen wir von Herzen wünschen, mehr Musik zu machen und weniger mit dem Smartphone herumzudaddeln. Dann tun sie das, und dann das. Ekelhaft.

So, der Skandal ist nun ins Licht der Öffentlichkeit gezerrt: Macht was draus und spendet diesem Mann weder Beifall noch Beachtung. Jawoll.

_icon.Update vom 09.11.15: Das Video und der Artikel haben ihren Ursprung gefunden. Auf der YouTube-Seite des Videos hat ein äußerst junger Kommentator, einer der beiden Jungs, sich jetzt gemeldet und dem Artikel nachträglich zugestimmt. Global Village Welt: Schaut mal die YouTube-Seite hier an…