Do. Mai 19th, 2022
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11.05.22 #Facebook #Snippet #MoneyforNotihing #Chicks4free #Payingforplaying #TTT #Tulipstagram
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Das Artenschutztheater ist eine urgemütliche Kleinkunstbühne mitten in Berlin, untergebracht in einem S-Bahn-Bogen in der Nähe der Siegessäule. Vorhang auf – treten Sie ein – herzlich willkommen im ungewöhnlichsten Theater Berlins. (Selbstdarstellung Artenschutztheater Berlin e.V. auf #Facebook)

Machen Livemusikkonzerte glücklich? Also auch heute noch? – Große Aufregung in der Berliner Musikszene: Hört auf, für Nothing zu spielen!

Wenn Adele kommt, geht das klar. Die macht uns glücklich. Falls wir jung genug sind. Oder Sarah Connor: Herz  › Kraft › Werke.  Die Stones, Joss Stone, McCartney, P Diddi, Al Dodi, La Fayette: Wayne interessierts? Hach.

Am 11.05. regt sich Daniel P. auf Facebook (Gruppe Berliner Musiker 11.640 Mitglieder) herzerfrischend auf: Bitte hört auf, für „Umme“ zu performen, Musiker. Wir killen uns alle gegenseitig, es ist nicht professionell und wie soll man unter diesen Umständen vom Musik machen leben? Erste Reaktion: Ja, wie denn? Doch nur, wenn man professionell davon leben kann. Und wenn nicht, dann ist man eben nicht professionell. Das ist doch kein Schimpfwort. Warum schmort Daniel P. aus Facebook so sehr im eigenen Saft?

Die Aufregung der Leser allerdings war umsonst zu kriegen und daher unprofessionell. Man konnte sie liken oder wütende, rotleuchtende Emojis drunter setzen. Nützlich war der Post nicht. Denn abgesehen von viel Verwunderung kassierte Daniel P. vor allem eins: Die Erkenntnis, die Kommentare müssten umgehend deaktiviert werden. Ist auch wirklich besser so. Der Post selbst ist an Unüberlegtheit und einem Mangel an Selbstreflexion kaum zu unterbeaten. Am 12.05. feixt der hiesige Berichterstatter und nimmt diesen Spielball gezielt auf. Denn er ist zerkratzt.

12.05.22 - Artenschutztheater Do, 12.05.22 #EXITreverse +playlinglive #TTT #Tulipstagram
12.05.22 – Artenschutztheater Do, 12.05.22 #EXITreverse +playlinglive #TTT #Tulipstagram

In den Kommentarthread postet er den Kommentar: Vollkommen richtig: Dann kommt bitte heute mal alle bei uns vorbei, damit es kracht. – Zusatz: Dieser grüne Flyer hier oben und die bedeutsame Anmerkung: Nur wenn Du WOKE bist.

Es war leider keiner WOKE. Siehe weiter unten.

Bilanz des Abends: Vier zahlende Gäste. Wir geben zwei Stücke für Umme, die Gäste kriegen ihren Eintritt zurück und wir bauen die Backline wieder ab. Niemand tritt als Band gern vor vier zahlenden Gästen auf. Das Problem ist in Wirklichkeit uralt und Helge Schneider hat darüber längst einen zutreffenden, beißend ironischen Film verfasst. Helge ist Fischverkäufer, Gelegenheitspianist in einer Jazzband und auch der Gast erscheint regelmäßig, meist betrunken und kopfüber auf der Hafenmole Tischkante.

Wohl bekomms.

Ich schau‘ mir gerne Schaufenster in Möbelläden an
(Was dann? Was dann?)
Ich denk‘ auch viel an Autos, die ich mir nicht leisten kann
(Was dann? Was dann?)
Dann geh‘ ich schnell nach Haus‘, denn jetzt fängt Fernsehen an
(Was dann? Was dann?)

Du rufst mich an (du rufst mich an)
Und ich bleib‘ am Boden kleben
Es hat sich ausgeschwebt mit Schweben
Herz ist Trumpf

Tatsächlich fragen wir uns, aus welchem Blickwinkel Daniel P. (siehe ganz oben) auf Facebook zu diesem absurden Post kommt? – Der Text ist zwar nett gemeint, aber leider in sich grundfalsch, mindestens aber nicht zu Ende gedacht. In Stichworten:

  • Musiker sollen bitte aufhören, kostenlos aufzutreten. Sehr gern. Was dann? Was dann? Und ich fange an zu träumen….
  • Es hat sich ausgeschwebt mit Schweben: Wer ist Daniel P.? Ist Daniel P. ein professioneller Musiker? Was dann? Was dann? Hat er ein Recht, von allen anderen Musikern etwas zu verlangen, das ihm existenzgefährdend erscheint? Sieht er nur sich? ► Viele Musiker machen Musik, weil Herz ist Trumpf. Musik ist oft Herzenssache.
  • Musiker sein ist eben nicht ein normaler Job wie jeder andere. Wie kann man Musik ggü. despektierlich abschätzig sein? Schon im nächsten Satz sagt er: Wenn man 1, 2 oder 3 Stunden seinen Körper (Prostitution), Seele (Religion), Herz (Leidenschaft) und Stimme (das Ureigenste, the Inner Voice) gebe (opfert?), müsse man bezahlt werden. – Antwort kurz und schmerzlos: Muss man nicht. Ist allerdings nicht schlecht. Bezahlt ist unbestritten immer besser: Es gibt keinen Zwang, dogmatisch zu denken.
  • Eröffnet Musik nicht auch Kanäle, also nicht nur Channelstrips bei FOHs? Und wer nicht mal weiß, was ein FOH ist, ganz dünnes Eis, Leude, bitte Ruhe!
13.05.22 #PayingForPlaying #2beAprofessionalMusician #TTT #Tulipstagram
13.05.22 #PayingForPlaying #2beAprofessionalMusician #TTT #Tulipstagram

Egal: Der Post ist so absurd und falsch, wie aus der Zeit gefallen. Die Realität, sagen wir mal in Berlin:

* Die nicht davon leben wollen werden überwiegend nicht bezahlt.
* Es gibt verschiedene Modelle (gegen die Tür spielen, feste Gage, Sponsoring), es kommt darauf an.
* Es gibt Musiker, die führen eigene Musik auf und welche, die führen nachgespielte Musik auf. Sie rezitieren oder interpretieren.
* Es gibt Konzerte zum Zuschauen, zum Mitwirken, es gibt Karaoke, wo Musiker nichts zu melden haben, Computer simulieren die Playback-Situation, mehr oder minder talentierte(r) Sänger(in) arbeiten sich am Mikrofon ab. Beherrschung eines Instruments ist vermutlich bereits längst das Gegenteil von WOKE (siehe oben). Es hat keine Bedeutung. Niemand hat die Absicht, mehr als ein zwei Grundkenntnisse in Sachen Musik zu erwerben, aber alle werden Webdesigner, Produzenten, Hookliner, Autotuner (anstatt Sänger)
* Gleichzeitig gibt es weltklasseartige MusikerInnen, die ihr Instrument infolge viel besser Ausbesserungsmöglichkeiten heutzutage besser beherrschen als jemals zuvor.

Kurz gesagt arbeiten sich nicht gerade wenige Musiker als gewillkürte Allroundtalente an allen möglichen Nebengewerken in Personalunion ab, um die Hütte überhaut voll zu kriegen. Menschen bzw. Publikum ziehen ist harte Knochenarbeit. Alle haben sämtliche Möglichkeiten, jeder wischt wie blöde auf einem Touchscreen herum und niemand kann sich noch merken, worüber die Memes im Internet gehandelt haben: Wurde da Livemusik angeboten? Keine Ahnung. Niedlich auch die Flusspferdvideos und das Zebrasterben am Okawongo, wenn die großen Nilkrokodile uns unter Wasser ziehen. Wir werden alle sterben, haltet Euch bereit. (Knorkator) – Musik machen ist das geringste Problem des professionell denkenden, semiprofessionellen oder Amateurmusikers: Es geht um Werbung, Marketing, Auftrittsorte, Auftrittskonditionen, GEMA-Probleme, Audio-, Licht- und Videomixing, Verstärkeranlage, Publikumsbindung. Alles hat ein Ende, nur die Wurst hat zwei. Musiker- sind im Gegensatz zum Kosakenzipfel von Loriot mindestens neunschwänzige Katzen.

Die meisten Auftrittsmöglichkeiten der Berliner Musikszene sind nur sehr schwierig kostendeckend für ihre Veranstalter zu betreiben, großartige Gagen sind berlinweit unüblich. Eine der wenigen Ausnahmen eventuell: Die Berliner Band Disco Inferno, die schon seit mehr als einem Jahrzehnt gekonnt eine Liverevue im Berliner Quasimodo abfeuert und dabei regelmäßig ausverkauft ist. Doch das ist eine ganz große Ausnahme und hat sich mittlerweile herumgesprochen.

03.05.22 #deutscheSpracheschwereSprache #Lauchkundschaft #TTT #Tulipstagram
03.05.22 #deutscheSpracheschwereSprache #Lauchkundschaft #TTT #Tulipstagram

Daniel P., der gerne Englisch spricht im deutschen Facebook für Berliner Musiker, klagt Musiker (Kollegen) an und sagt: Musiker müssen ihre Rechnungen auch bezahlen. Nun versteht diesen Satz auch jeder Zugereiste. Isn’t that so WEIRD? – Und was bist Du überhaupt bereit zu bezahlen, Musiker, wenn Du hier auftreten darfst? Also so richtig vor Publikum. Oder geh zu The Voice of Germany, aber nur wenn du singen kannst. Alles andere kannste glatt vergessen.

Daniel: Hör auf, übellaunig Musiker zu beschimpfen und such Dir endlich eine gutbezahlte Arbeit. Du bist nur Profimusiker, wenn Du davon leben kannst. Damit das ein für alle mal klar ist. Wenn Du was kannst, an Arbeitsplätzen kein Mangel. Wir haben einen Handwerker-Mangelmarkt, es fehlen in Berlin mehr als 170.000 Handwerker in allen Branchen, Tendenz sehr stark steigend. Wenn Du sagst, Musiker  sei ein Beruf wie jeder andere, arbeite jetzt im Rigips-Trockenbau oder als Sanitär-Sanitäter. Und werde damit exklusiver, professioneller und künftig ein Solitär, eine Seltenheit, denn heute sind sie alle Musiker, Webdesigner, CEO, COO, Existenzgründer, aber so Crowdfunding, verstehst Du? Lass doch einfach die Anderen bezahlen, wenn Du auf die Bühne gehst. Geschickt, geschickt. Der Beruf des professionellen Musikers jetzt nur noch professionell ausgeübt? Werde Rohrleger. Croissant-Teigknetmaschinenreiniger, Manufaktur. Mach, hör auf, andere zu beschimpfen, weil sie Musik machen. Musik machen ist gar nicht überwiegend professionell. Musik machen ist geil. Wenn Du davon leben kannst, großes Glück.

Erschütternde Erkenntnisse

* Es interessiert gerade kaum jemanden, ob irgendwo live Bands auftreten. Die Zuschauerzahlen stagnieren bzw. nehmen stark ab.
* Zuschauer sind gefrustet, verängstigt, verunsichert, gebeutelt: Corona hat allen einen anderen Helm aufgesetzt, nicht nur Vorsicht. Soll ich? Soll ich nicht gehen? Lieber nicht. Was wenn ich mich anstecke? Maskenverweigerer, Leugner, alles Anzeichen einer zerbröselnden Gesellschaft mit zunehmend wahrnehmbarer Bösartigkeit und Spaltung. Der 3. Weltkrieg steht kurz bevor, Energie- und Lebensmittelpreise gehen durch die Decke. Geld für Eintrittskarten? Nada, niente.


K.I.Z. – Hurra die Welt geht unter ft. Henning May (Official Video)

Hurra, wir leben noch. Wir sitzen im Atomschutzbunker, Hurra, diese Welt geht unter. Besser als Hennig May feat. KIZ (oder umgekehrt?) performen, lässt sich Ex-Innenminister de Maizieres Bonmot nicht zusammenfassen: Die Gesamtbeschreibung dieser Welt würde signifikante Teile der Weltbevölkerung verunsichern.

Jammernde Profimusiker ohne Einkommen beschimpfen einfach andere Musiker, anstatt sich auf ihre eigenen besten Saiten zu konzentrieren. Nur wer einzigartig ist, kann reichliche Entlohnung für sich beanspruchen. Alles andere ist nicht einmal Existenzsicherung. Profimusiker: Warum sind denn die Eintrittspreise von Konzerten so durch die Decke gegangen, hä?

12.05.22 #Artenschutztheater #RettetdieKleinkunst #LiveOnStageInBerlin #TTT #Tulipstagram
12.05.22 #Artenschutztheater #RettetdieKleinkunst #LiveOnStageInBerlin #TTT #Tulipstagram

Bilanz all unserer Werbepower und zu gestern Abend:
Es kamen vier zahlende Gäste. Das Konzert wurde nicht aufgeführt. Nicht mit uns.

Die Gäste KRIEGEN spezialoperationen Eintritt zurück. Auf- und abgebaut. Aus Nettigkeit noch zwei Stücke umsonst gespielt. Abgebaut.  Das Artenschutztheater ist ein wunderbarer Ort: Den Musikern wird zur Stärkung nach dem Auftritt eine geschmiert. Ein Teller mit Stullen, Wurst, Käse, Paprikaschoten, steht zur Verfügung. Sogar hier und heute und nach einem Gig mit zwei Stücken Musik. Bis zum nächsten Mal.

Alle reißen sich den Arsch auf. Normal ist das alles nicht.

Ich höre schon, wie Daniel P aus Facebook mit den Hufen scharrt. Er ist einfach sowas von sauer auf uns. Wir haben es umsonst getan. Mangels Zuschauerinteresse. Gestern Abend. Das ist ein riesengroßes Ding: Wir haben Arbeitsplätze professioneller Musiker ganz systematisch vernichtet. Stimmt doch, oder?

12.05.22 #Artenschutztheater #RettetdieKleinkunst #LiveOnStageInBerlin #EXITreverse #TTT #Tulipstagram
12.05.22 #Artenschutztheater #RettetdieKleinkunst #LiveOnStageInBerlin #EXITreverse #TTT #Tulipstagram

Dafür ganz viel Entschuldigung.

Wie retten wir die Berliner Musikzähne – das ganze Gebeiß – anstatt sie sinnlos zu fletschen? Hand aufs Herz: Es ist ein Scheiß.

Das Artenschutztheater in Berlin (Moabeat) ist ein kleiner Auftrittsort mit einem großen Charme. Grundgütig liegt er inmitten einer blühenden, prosperierenden Regierungsinsel von Schloss Bellevue, Kanzlerinamt (Kanzlerin Olaf Scholz) und Untersuchungshaftanstalt Moabeat, wo sie unprofessionelle Schlagzeuger untersuchen, ob man ihren Beat retten kann? Ehemalige Staatschefs (Erich, DDR) und Minister (Erich, MfS) saßen ein. Beim Netto gibt es warme Flaschenpfandgetränke. Warum hat ein so pittoresker Auftrittsort inmitten des Ensembles nicht mehr Lauchkundschaft? Anwohner gibt es. Es ist ein special interest-Ort. Er wird (nur) von Terminkundigen besucht, die von anderswoher anreisen. Hier kehrt eben nicht jeder Lauch ein, es muss einem schon zwiebeln. Einmal hat sich eine Gruppe 17-18jähriger Touris verirrt, als eine Jazzjamsession tobte. 3 Cola wurden getrunken, nach 20 Minuten waren sie wieder weg. Es fehlt fußläufige Stammgäste. Der Kiez ist so kaputt, so kaputt war er früher nicht und da waren die Möglichkeiten viel begrenzter. Wir sind heute Konsumenten und Stadtindianer, geschweige denn eine pflastersteinwerfende Stadtguerrilla  und zu aufwändige körperliche Einsätze, regionale Locations, Eintritt, Kaltgetränke und dergleichen werden auf dem Touchscreen weggewischt. Nach oben rechts, wo sie schnell vergessen werden. Flugmodus: Bitte nicht stören. Heute haben wir Telekom. Oder Internet. Hurra – diese Welt geht unter.

(2be continued)

 

 

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