Di. Aug 16th, 2022
Juni 1994: Butterfahrt mit Bazooka Cain (Düsseldorf) nach St. Petersburg: Auf der Ostseefähre Richtung Schweden
Juni 1994: Butterfahrt mit Bazooka Cain (Düsseldorf) nach St. Petersburg: Auf der Ostseefähre Richtung Schweden


Bernadette La Hengst – Der beste Augenblick in Deinem Leben

Jeder erhält die üblichen Butterfahrtgeschenke, völlig kostenlos: einen bunt bedruckten Sonnenhut sowie einen gediegenen Sprachkurs, um mit der Bevölkerung zu kommunizieren, in dem Begriffe wie „Sportschau“ und „Fußballergebnisse“ ebenso vorgesehen sind wie ganze zusammenhängende Sätze. („Was riecht denn hier so komisch?“) Nicht zu vergessen den Parfümflakon für die Dame und den praktischen Klappspaten für den Herrn. Für das Musikalische sind dieses mal neben Bazooka Cain die „P-Whips“ aus Düsseldorf zuständig sowie die halbwegs populäre Band „Die Braut haut ins Auge“ aus Hamburg. – schreibt die TAZ (Link unten) unter anderem.

Richtig exakt habe ich diese paar Tage in Russland in den Zeiten absoluter Grenzenlosigkeit nicht mehr in Erinnerung. Ja: Es hat auch Wodka gegeben. Aber dass wir erst mit Hunderten mit einem Sonderzug führen, um uns in enge Abteile zu fügen dorthin und zunächst nur bis Rügen, weiß ich noch. Tim und ich saßen im Abteil mit Frauen aus Hamburg, die auf den Bandnamen „Die Braut haut ins Auge“ reagierten. Wir als Abteilung Unplugged: Gemeinsam mit den Bräuten mit Schwimmhäuten schmetterten wir Beatles-Songs. Der herrlichste Zeitvertreib. An der Ostsee angelangt wechselten wir auf die Fähre Richtung Schweden. Hier entstand obiges Foto, das Tim schoss, dass mich mit zwei Frauen zeigt. Man bildete hier schnell so Grüppchen, unter Deck aß man Süppchen.

Privatarchiv (mit Dank) Bazooka Cain, Düsseldorf (ca. 1994)
Privatarchiv (mit Dank) Bazooka Cain, Düsseldorf (ca. 1994)

Was für ein herrliches Dorscheinander: In Schweden an Land, stiegen wir um in einen Zug Richtung Stockholm. Am frühen Morgen am Stockholmer Hauptbahnhof warteten 54 Taxis, die uns in abgesprochener Weise Richtung Hafen fuhren. Weiter ging es von dort mit einem Ostsee-Dampfermonster Richtung Turku (Finnland). Auf Deck floss Leningrader-Cowboys-Merch-Bier aus Dosen und als wir in Turku eintrafen, stiegen alle in bereitgestellte Sonderbusse um. Auf jenem Teil der Reise stachen uns die Moskitos wie wild, sodass die meisten von uns nur noch flüchteten ins Businnere. Mehrere hundert Kilometer Sonderreisebus durch russische Waldtrassen folgten. Manchmal überholten wir Motorradfahrer, die anders als im Westen hier in Gummi-Ganzkörperkleidung gewandet durch sowjetisches Fichtendickicht fuhren. Immer an der Trasse entlang.

Die paar Tage in St. Petersburg vergingen wie im Fluch. Ich kann vieles im Nachhinein nicht aufschreiben, nur dass wir in Wohnungen zu Besuch gewesen waren, in denen es keine Tapete gab. Leningrader Punks, nicht Cowboys, hausten dort. Wir übernachteten in einem ausrangierten Kinderheim, indem die gekachelten Gemeinschaftstoiletten keine Blickschutzwände besaßen. Ich weiß, ich hielt das für sehr gewöhnungsbedürftig. Im Nachhinein hab ich mich nie so richtig dran gewöhnt.

Die Rückfahrt habe ich nicht so exakt und fotografrisch in Erinnerung, wie die Hinfahrt.

Um ein bisschen Unabhängigkeit in meine Vergangenheitsbesoffenheit zu bringen, habe ich das nochmal gegugelt. Und bin in dürfter Weise fündig geworden. Es war einer der besten Augenblicke in meinem Leben. So mein Leben Revue passieren gelassen.

Edit: Apropos fotografrisch: Ich muss Tim fragen, ob er noch weitere Fotos von der Reise hat?

Weiterführend

* Bernadette La Hengst – Höchst offiziöse Website
* Was die TAZ über diese Butterfahrt schrieb am 16.06.1994
* Was von Bazooka Cain übrig blieb
* Man ordnete sie der Hamburger Schule zu: Die Braut haut ins Auge

 

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