1994/21 #Linktipp – Bhagwan, Backwaren, 400 frische Brötchen jeden Tag und was von Osho übrig blieb – Die Deutschen und ihr Guru

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Der Film erzählt die faszinierende Geschichte von Aufstieg und Fall des indischen Gurus Bhagwan erstmals aus der Perspektive seiner deutschen Anhänger. Was faszinierte sie an dem Mann, den sie Osho nannten und verehrten?

Die Geschichte der Schauspielerin Eva Renzi wurde in der BZ (einer Springer-Bildpostille für breite Schichten der Bevölkerung) groß aufgemacht. Sex, Gesinnungsterror und vieles andere mehr erzählte die Schauspielerin der BZ und schrieb damit Erinnerungsgeschichte.

Die Zeit orangefarben gekleideter Glaubensjünger, Sanyassins, ist nach der Abschaffung des Kleidercodes vorbei. Und doch stellt sich einem die Frage, was ist aus der Bewegung des indischen Sex- und Überlebensgurus geworden? Ewiges Leben hat Osho, wie er später hieß, nicht gewonnen, jedenfalls nach irdischen Maßstäben. Er starb nur 58-jährig im Jahre 1990.

Ein kluger Intellektueller mit stark emotionalem Einschlag war er vielleicht.

Seinem Leben und seinem Nachwirken auf Teile der verzweifelt nach Erleuchtung forschenden Restbevölkerung in Deutschland spürt die interessant, vielschichtige Dokumentation enervierend nach. Ohne anzuklagen erzählt sie von der Struktur der Organisation, von Sitzungsmodi und kontemplativ geführten seelischen Orgien der Bewusstseinserweiterung.

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1993/21 Filmabend im Ersten – Es wird Mitternacht, Luis Trenker – Vom schmallippigen Konformismus, Ziegenficken und dem schmalen Grat totaler Wahrheit

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Märchenonkel Luis Trenker ist auch Geschichtenerzähler – „Es wird Mitternacht, Luis Trenker“ – Er erzählt in auf Schreibmaschine getippten Tagebuchseiten der Eva Braun, versucht den Stoff nach Hollywood zu verkaufen und scheitert an seiner Belanglosigkeit, weil große Filmstoffe nicht vom warmen Fußbad des Führers handeln. Rund sechs Millionen Opfer eines unbegreiflichen Verbrechens entlarven den Tagebuchschwindler, Märchenonkel und ölige Ziegen fickenden, mittelmäßigen Bergsteiger Luis Trenker bis hin zu seinem Gesamtverfall als alpines Gesamtkunstwerk. – Fakteneinschub: Im Frühjahr 1925 besucht sie in Berlin eine Vorstellung des Stummfilms Der Berg des Schicksals (1924)  des Regisseurs und Bergfilm-Pioniers Arnold Fanck. In einem Hotel in den Dolomiten trifft sie auf Luis Trenker, der in Der Berg des Schicksals mitgespielt hatte. Er vermittelte ihr den Kontakt zu Fanck, der sich begeistert von Riefenstahl zeigt: „Als ich Leni Riefenstahl sah, war mein erster Eindruck: Naturkind. Keine Schauspielerin, keine ‚Darstellerin‘. Diese Frau tanzt sich selbst. Man musste ihr also eine Rolle schreiben, die aus ihrem Wesen geboren ward.“ Und so verfasste Fanck das Drehbuch zu dem Film Der heilige Berg, der von einer Tänzerin handelt, in die sich zwei junge Bergsteiger, gespielt von Trenker und Ernst Petersen, verlieben. Im wirklichen Leben hatte Riefenstahl eine kurze Affäre mit Trenker. (Fakteneinschub, Ende)

Von Tobias Moretti sehr schön dicht gewebte, ganz große Geschichte vom Karriere machen, mit Leni Riefenstahl vögeln, von Goebbels Gnaden und auf Parties von Nazis abhängen, Film, Karriere, Krieg und anschließendem Frieden, gefälschten Eva-Braun-Tagebüchern … „Es wird Mitternacht, Luis Trenker“ (Otto W., Emden).

War Luis Trenker ein gnadenloser Konformist wie viele, die in jener nicht ganz 1.000jährigen Zeitepoche dazu gehören mussten und es am Ende doch nicht konnten? Beispielsweise wg. inhaltlicher Verderbtheit und weil die Leibstandarte Adolf Hitler filmisch nicht vor einem vatikanischen Popen auf die Knie der Anbetung fällt. Inhaltlich vermuteten ja nicht wenige, es sei genau anders herum gewesen, damals: Der Papst habe der Naziclique gehuldigt. Tobias Moretti sagt zum Plan der Verfilmung des Trenkerschern Bergwegs: „Das hätte auch ein Grenzgang von Peinlichkeiten werden können, mit diversen Münchhausiaden, in Wirklichkeit aber war Trenker eine starke Persönlichkeit, beseelt von der Hybris dieser Zeit, nämlich: dass man die ganze Welt erobern kann, mit Ausklammern alles Negativen.“

Am Ende ist mir persönlich nur der Märchenonkel außen Fernsehen geblieben, richtig: Es überwiegen die Außenaufnahmen.

Dass er omnipräsent war als Bergsteiger und Märchenerzähler, das ist fester Bestandteil meiner Kindheit.

Ich zeige einen Link zur ARDmediathek, wo man einen kurzen Trailer ansehen kann. Und den Deeplink zum ganzen Film, der zeitbefristet via ARDmediathek abrufbar/verfügbar ist. Der ganze Film ist gewissenhaft durchgesehen meins. Sehr sehr gut gemacht, große Freude, cineastisches Vergnügen im Homeoffice Tulip. „Der schmale Grat der Wahrheit“ ist in dieser kurzen Zusammenfassung nicht verlassen. Die ölige Ziege ist nebenbei bemerkt die Kollegin Leni Riefenstahl, ein weiteres, fragwürdiges großdeutsches Filmwunder, dessen Demontage uns im Grunde genommen heute nicht mehr sonderlich mühen muss.

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1982/21 #Filmfilm – Als die Kneipen noch auf waren – Leif in Concert – Geile Meile!

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Leif in Concert – Vol. 2 from missingFILMs on Vimeo.

Kleine Wunder zwischen Bar und Bühne – in einer kleinen Jazzkneipe irgendwo in Deutschland hilft Lene (Luise Heyer) anderen Menschen, ihre Träume zu verwirklichen. An einem Ort, an dem andere Gesetze gelten und jeder Teil der Familie ist. Die Menschen, die diese Welt bevölkern sind vergnügt, verwirrt, verwegen und manchmal verzweifelt und machen jede Nacht zu einer wilden Mischung aus Drama, Komödie und Musik. Lene ist immer irgendwie Teil davon, sie ist Freundin und Verbündete all der skurrilen, zwischen Wasser, Bier und Schnaps umherirrenden Gestalten.
Und während sie immer für alle da ist, muss Lene im Laufe nur eines Tages und einer Nacht ihren eigenen Weg finden. Denn auch sie hat einen Traum, der sie bald vor schwierige Entscheidungen stellt… Neben Luise Heyer sind viele weitere bekannte Gesichter dabei: Klaus Manchen, Michael Klammer, Maryam Zaree, Bela B, Dr. Mark Benecke, Tom Lass, Katharina Matz, Florian Bartholomäi, Gerdy Zint, Godehard Giese, David Wnendt, Monika Anna Wojtyllo, Volker Hauptvogel, Wencke Wollny, Jule Böwe, Tilo Prückner, „Gotti“ Gottschild u.v.m.

Liebe Kinder,

in einem Land vor unserer Zeit gab es weder Sperrstunden noch Totalschließungen. Man war ergebnissoffen, leicht einen in der Krone, ließ das Leben als Parvenü an sich vorüberziehen und pflegte die gute Laune mit System. Ein Zacken in der Krone hinderte uns nicht, zu überleben. Von diesen Zeiten erzählt uns Leif in Concert – Vol. 2 online – derzeit erhältlich als Video on Demand, des Filmemachers Christian Klandt. Reichlich Kulisse, witzige Dialoge, heiteres auf Berlin-Kreuzberg schauen, hier und da etwas abgedreht im Yorckschlösschen an der gleichnamigen Straße.

Da sowieso gerade nichts zu tun ist, nehmen wir uns folgendes fest vor: Yorckschlösschen aufsuchen, weißen und braunen Rum trinken, Livemusik hören und sehen und Klandt, Hauptvogel (Fleischers Blues) und Bela B. Felsenheimer (Die Ärzte) verstehen. Bis dahin virtuelles Vergnügen jetzt hier weiterführend verlinkt.

Wir sehen uns bald…im Yorckschlösschen. Just to let You know.

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