1902/20 #Positionen Musik machen im unterschiedlichen Zeitpunkt eigener Lebensphasen

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#Proberaum #Symbolbild

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Buster Keaton Seven Chances (1925) Ausschnitt

Ich vermisse das Ensemblespiel – während dem Studium Normalität und sooo befruchtend für alle Beteiligten! Mittlerweile singe ich in 2,5 Chören mit wirklich hohem Niveau und genieße das gemeinsame Musizieren, das Kennenlernen neuer Stücke, immer wieder BACH … Gemeinsam in die Musik eintauchen ist Seelenfutter und überlebensnotwendig! (Bettina O., auf Facebook)

Ihr erinnert das bestimmt, wenn Ihr das Video oben seht: Ich 1925 auf dem Weg zur Bandprobe. Wie ich ankomme, ist nach einem raschen Blick auf die Uhr schnell klar: Ich bin zu spät gekommen. Wie unzuverlässig. Wir scheuten weder Kosten noch Mühe. Zeiten waren das.

Für das zusammen Musik machen, in einem bandähnlichen Zusammenhang, ist häufig eine bestimmte Lebensphase ausschlaggebend, die möglicherweise beim Jugendlichen beginnt und sich dann noch einige Jahre hinzieht. Bis andere Umstände einen Rückzug ins Private erfordern.

Der feste Partner, das erste Kind, berufliche Sachzwänge, die Miete bezahlen müssen.

Einige pausieren dann, teils jahrelang. Die Musik tritt in den Hintergrund.

Bei manchen rumort es ein paar Jahre später wieder. „Die Babypause ist vorbei,“ sagen sie und suchen im Keller nach den verstaubten Musikinstrumenten.

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1887/19 #Positionen „Vom Sockel“ – Vom Ende am Legende-Gelände. Man lebt ja nicht vom Moos allein. #Erinnerungen

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Dirk Zöllner im Glück - Schwalbe (Foto: Privatarchiv)

Dirk Zöllner im Glück – Schwalbe (Foto: Privatarchiv)

„Sie nimmt mich mit, in ihrem roten Kadett. Raus aus der Bar und weg: Wir sind aufm Schnellweg.“ (Spliff, Duett komplett, 1982) – Die ostdeutsche Variante: Die gelbe Schwalbe. Dirk Zöllner ist hier als rasender Essayist am Werkschaffen: Es geht um die Legende von Kaulsdorf und Aula, der großen Empfangshalle an der Polytechnischen Oberschule Wilhelm Pieck. Im Ernst: Es geht um eine der ganz großen Legenden der Leidenschaft (Ost): Die Puhdys – Der Gastautor ist Jahrgang 1962 und mochte früher auch The Sweet.

 

VOM SOCKEL
Gastautor: Dirk Zöllner, Die Zöllner·Freitag, 6. Dezember 2019·3 Minuten
Dirk Zöllner über das Ende der Legende

Es gibt Figuren des öffentlichen Lebens, die so eng mit der eigenen Biografie verbunden sind, dass ich sie als vollwertige Familienmitglieder empfinde. Obwohl die mich gar nicht kennen oder vielleicht nur am Rande Notiz von mir nehmen. Gojko Mitic, Udo Lindenberg, Chris Doerk und Frank Schöbel, Gregor Gysi, die Digedags und Ritter Runkel, Boris Becker, Angela Merkel… um nur einige von ihnen zu nennen. Diese Lichtgestalten stehen für mich irgendwie über den Dingen, ich freue mich, wenn es ihnen gut geht und ich leide, wenn es mal nicht so läuft. Die PUHDYS gehören auch dazu. Alle die jemals dabei waren: Gunther Wosylus, Harry Jeske, Peter Meyer, Klaus Scharfschwerdt, Peter Rasym (Akronym: BIMBO, „Bin im Moment bassmässig orientiert“) und vor allen die beiden Dieters – „Quaster“ Hertrampf und „Maschine Birr“. Im schönsten DEFA – Film der Welt „Die Legende von Paul & Paula“, spielen die Puhdys – neben Angelika Domröse und Winfried Glatzeder – die Hauptrolle und haben sich mit ihrer Darbietung von „Geh zu ihr“ und „Wenn ein Mensch lebt“ für immer in mein Herz gebrannt.

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1877/19 #Positionen Gedanken an Deutschland

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The Wall - Die Mauer (gif)

Um den 09. November 2019 möchte ich persönlich zwei Gesichtspunkten Erinnerung geben und sie würdigen.

Erstens dem redlich gemeinten Versuch, nach einem durch und durch widerwärtigen Terrorregime im Anschluss an die Kapitulation Deutschlands am 08. Mai 1945 in einem Teil von Deutschland ein bis dahin undenkbares Experiment zu wagen, ein “besseres Deutschland” zu schaffen. Ich habe als Westberliner, Jahrgang 1962, erst im Verlaufe meines Lebens besser kennengelernt, dass es dazu Anlass gab. Dieses tausendjährige Reich durfte sich ein weiteres Mal auf gar keinen Fall wiederholen. Eine große Rolle spielte dabei für mich persönlich der DEFA-Spielfilm “Einer trage des Anderen Last”, der auf preisgekrönte Art und Weise diese Geschichte aus zwei Blickwinkeln versucht zu erzählen. Humorvoll, großartig und gekonnt treffen der Jungkommunist und der Pastor aufeinander und rasieren sich in der Lungenheilanstalt Beelitz, die Internationale singend und einen kirchlichen Choral. Besser konnte man zu jener Zeit vor der Wende nicht versuchen zu erinnern, dass es ein redlicher Versuch war, etwas besser machen zu wollen. Dieser Film ist leider inzwischen in Vergessenheit geraten.

Das die Regierung bildende Regime im Nachkriegsdeutschland hat allerdings allzu sehr den Verlockungen von Macht und Mitteln gehuldigt und erinnerte so später in seinen ganzen, teils durch und durch totalitären Strukturen an die Fabel “Farm der Tiere” von Georg Orwell, einem britischen Kommunisten, der im spanischen Bürgerkrieg gekämpft hatte. Ähnlich wie in “1984” nahm Orwell kongenial die Ausbildung totalitärer Machstrukturen aufs Korn und beschrieb die Bildung von Partei- und Glaubensapparaten auf eine nicht zu widerlegende Art und Weise. Auch das hat mich persönlich zutiefst berührt und geprägt. Ich selbst hatte funktionierende, proaktive Bande in die damalige DDR und suchte stets das Zusammensein mit deutschen Brüdern und Schwestern, um diese widernatürliche Teilung Deutschlands zu überwinden. Ich will diesen Aspekt nicht zu lang machen. Kurz gesagt war 1989 der tote Punkt dieses sozialistischen Experiments gekommen. Ich sag das als Wessi ohne zu jubilieren und zu sagen: “Siehste?” Sondern nüchterner.

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