1959/20 #Tageslied: Du bist alles – Babylon Berlin

Icon #Tageslied

Icon #Tageslied

Du bist alles (feat. Tobias Morgenstern)

Ich war allein in meinen Träumen
In meinem Kopf hab‘ ich geküsst
Eintausend Mal
Heut‘ sah‘ ich dich vor meiner Türe stehen
Frag‘ mich, suchst etwa du nach mir
Ich kann’s in deinen Augen sehen
Nur ich kann diesen Blick verstehen
Du bist alles, was ich will
Du bist alles, was ich will
Komm und trag‘ mich durch die Welt
Komm und nimm mein ganzes Leben
Du bist alles, was ich will
Du bist alles
Uns bleibt nicht lange
Unsere Zeit verrinnt
Siehst du nicht, wie die Welt zerbricht?
Eintausend Mal
Mein Herz es füllt sich und zerfließt
Weißt du denn nicht, was du mir bist?
Ich hab‘ dich viel zu lang‘ ersehnt
Ich hab‘ dir das nur nie erwähnt
Du bist alles, was ich will
Du bist alles
Dieser Stern verglüht im Nu
Unser Glück hängt jetzt am Morgen
Du bist alles, was ich will
Du bist alles
Komm und trag‘ mich durch die Welt
Komm und nimm mein ganzes Leben
Du bist alles, was ich will
Du bist alles

Auf diese Idee kommt kein vernünftiger Mensch. Er ist ein irgendwie chancenloser, verlorener Charakter. Ein Nullum, ein Verlierer. Doch seine Geschichte ist berührend. Er genießt das Protektorat seines Dienstherrn. Der liest ihn auf der Straße auf und macht ihn zu dem, was er voll Dankbarkeit ist: er ist der dem Erkennungsdienst verbundene Haus- und Hoffotograf in der roten Burg, dem Dienstgebäude der Polizei in Berlin-Mitte. Hier gibt er sich im Verlaufe der mehrschichtigen Ermittlungen niemals unterbelichtet, genauer nur ein einziges Mal. Dafür gebietet ihm sein Ziehvater Schelte, doch das weiß er zu nehmen.

Dann feiert er seinen Vierzigsten. Und alle kommen sie, die Kollegen, in jenem Börsencrash behafteten Jahr 1929. Sie singen ihm ihr Ständchen, aber dann bitten sie ihn, auch etwas zu singen. Und dann das. Dieser Monolith der schönen Sangeskunst. Selten ein schöneres Poem an die Liebe genossen, selten die Tränen so weggedrückt, wie in diesem kleinen, vollkommen überraschenden Moment, in dem der offenbar schwule Hausfotograf zu einem besonderen Ausnahmekünstler avanciert, indem er das durchgängig linkische, unsympathische hinter sich lässt, um begleitet von seinem Ziehvater am Akkordeon diese anrührende Liebeserklärung zu zelebrieren. Man glaubt in diesem Moment, Gott nahe zu sein.

Das Lied des Tages auf Blackbirds.tv. Was für ein Song, was für eine Tragweite. Ich geh weinen.

Der Schauspieler, den ich meine, heißt Christian Friedel. Der Akkordeonist ist Tobias Morgenstern. Beide sind als musikalische Brüder auf meiner Annahmeliste. Besser isses.

1777/19: HIStory: Mit dem Rufus Temple Orchestra kehren die Zwanziger zwanzläufig in den Fokus des Interesses zurück

^


Rufus Temple Orchestra – Bei mir bistu shein – Vocal

Es ist wohl nur ein Traum: Katharina von Fintel ist derzeit die in Berlin vielleicht bemerkenswerteste Banjospielerin Berlins. Dabei spielt sie hier gar nicht Banjo, sondern singt. Das bloße Haschen nach dem Wind.

Was war es doch für eine verrufene Zeit.

Doch niemand hat gerufen. Im Yorckschlösschen geht es am Donnerstag ein Stück weit zurück in die Goldenen Zwanziger. Wie shein.

Bei mir bist Du schön, I try to explain. Verderbtes Babylon Berlin.
Das Rufus Temple Orchestra Berlin, beispielsweise am Donnerstag, den 24.01.19 um 21 Uhr, im Yorckschlösschen.
Bitte blättern.

Weiterführend

* Programmheft vom Yorckschlösschen für Januar 2019 (nur kurze Zeit)
* Interview mit Liv Lisa Fries und Volker Bruch über Babylon Berlin
* Beautymountain Berlin-Guitars: In der Motzstr. reüssiert der vermutlich beste Gitarrenladen Berlins in der Motzstr.

1756/18: Video: Bitter Sweet – The Bryan Ferry Orchestra – Eine Bandbreite von Schwermut über niedlichen Charleston bis hin zur romantischen Ballade

Video/Foto (Antonioni, Blow Up)

Bitter Sweet · The Bryan Ferry Orchestra Babylon Berlin ℗ 2017 X Filme Creative Pool Entertainment GmbH under exclusive license to BMG Rights Management GmbH Clarinet, Saxophone: Alan Barnes Vocals: Bobbie Gordon Piano, Producer: Colin Good Viola: Emma Owens Violin: Emma Parker Trumpet: Enrico Tomasso Percussion: Frank Ricotti Trombone: Ian Bateman Drums: John Sutton Accordion: Karen Street Cello: Katy Cox Violin: Lucy Wilkins Trombone: Malcolm Earle-Smith Tuba: Marc Easner Violin: Marina Moore Banjo, Guitar: Martin Wheatley Mixing Engineer: Rhett Davies Producer: Rhett Davies Clarinet, Saxophone: Richard White Clarinet, Saxophone: Robert Fowler Viola: Sarah Chapman Mixing Engineer: Simon Willey Double Bass: Tom Wheatley Violin: Victoria Sutherland Orchestral Arranger: Colin Good Composer: The Bryan Ferry Orchestra

Hart an der Grenze des Erträglichen ist all jene Pestilenz und Verderbtheit, vermutlich, die in den Zwanziger Jahren des letzten Jahrhunderts ihren Schabernack spielte mit der großstädtischen Boheme jener Zeit. Sie war anders, als wir sie heute als digitale Boheme kennen, aus den unzähligen Kneipen und Cafés, wo die Menschen deren Daseinsberechtigung allein aus dem Breitbandnetz des WLANs herleiten. Der digitalen Ödnis bleichgesichtiger Internetmuggel entgegen setzen sollte man die röhrenden Zwanziger Jahre von Heinrich Zille, dem biedermännschen Beobachter: In Miezkasernen Muschis von Haushälterinnen kraulen, solange sie uns ihre Katze leihen, und im Innenhof wachsbleiche Kinderchen, oh kommet. Es ist bald Weihnachten. Irgendwo bellt ein Kettenhund. Auf dem Trottoir beklaut uns ein Jungspund. Wo ist nur die Anständigkeit abgeblieben? – Lola ist mit einem Müllmann verheiratet und singt: „My Baby just kehrs for me“ ♪♫♪ Zu Asche, zu Staub.

Phil Manzanera hat als Gitarrist von Roxy Music ausgedient und sich als Produzent der Berliner Band Poems for Laila mit dem Album I Shot The Moon einen Namen gemacht, aber am besten ist noch das Plattencover, das den Sänger der Band nackt im blauen Licht zeigt. Nein, das heißt nicht „Ich schieß Dich zum Mond!“ – Was haben die Weiber mit den Fingern geschnalzt. Babylon und Mysterium Berlin, Nähe Rotes Rathaus und Bryan Ferry taucht im Moka Efti auf und versucht sein süßes Haschen nach dem Wind. Das Lied des Tages ist der Song Bitter Sweet vom Bryan Ferry Orchestra. Und das nur noch für wenige Stunden bis Mitternacht. Es ist die Zeit dafür.

Ja, ich weiß, es war ne geile Zeit.

Weiterführend