2004/21 #Musikerwitze – Talentforschung und Aberwitz in der Musikalität von Kindern – Wie die Durchschnittlichen die Großartigen kleinreden

Der soziale Netzzwerg (Ani/gif)

Der soziale Netzzwerg (Ani/gif)

Im Sozialen Netzwerk gang und gäbe: Jemand zeigt ein Video von einem sechsjährigen Jungen aus Portugal, der an der Akustikgitarre zupfend das Stück Hotel California von den Eagles aufführt. Und wie er es tut: Man möchte meinen, das Kind sei nicht von dieser Welt. – Nun wendet ein Gruppenmitglied der Spezialistengruppe Musikerwitze gegen diese Darbietung ein, das sei nicht kindgerecht. Ich greife als Administrator der Gruppe ein und versuche, meine Beobachtungen genauer zu erklären. Ich nenne den Beitrag des sechsjährigen Gitarrista einen #Aberwitz. Aus Erfahrung weiß ich, wie sehr uns solche Videos anmachen, also angreifen. Interessant ist aber, was immer wieder aus ihnen gemacht wird. Hier sind wir bei einem Punkt Usererfahrungen angekommen.

Ich möchte meine Erfahrung als #Admin dazu nochmal zum Besten geben.

Für mich gehört dieser Beitrag in eine funktionierende Kategorie #Aberwitz und ist daher nicht #offtopic.

Übergriffig an der Kritik zu solchen Videos ist für mich persönlich, wenn Menschen zu Videobeiträgen wie diesen, sich Theorien zurecht legen, die sich aus dem Beitrag nicht zwangsläufig ergeben, die also nicht erzählt bzw. detailgenau berichtet werden. Dann handelt es sich um wertkonservative Vorurteile des Betrachters, der seine Erinnerungen an früher undifferenziert auf das Gesehene anwendet.

Klassisch also die Vorstellung vom Klavierunterricht der sechsjährigen Tochter, die bis die Finger bluten üben muss, weil die Eltern an ihren Kindern Übersprunghandlungen begehen. Das kann alles sein, ist aber in dem Video nicht zu sehen. Hier sehen wir nur ein Kind mit äußerst bemerkenswerten Fähigkeiten. Wir sehen nicht, wie das Kind dorthin gelangt ist. Wenn wir uns mit den Lebensläufen bedeutender Musiker von Weltrang eingehender beschäftigen, erfahren wir im Grunde genommen ausnahmslos Geschichten von vier bis sechs Jährigen, die sich frenetisch und mit Verve an die Weltspitze gespielt haben.

Hiergegen verblasst nun das Talent der Anderen, die diese Gabe nicht besitzen und hemdsärmelig über diese „Wunderkinder“ urteilen, ohne dass ihnen eine derartige Geschichte von dem Beitrag selbst überhaupt angeboten wird. Dabei ist diese Einrede und Beschwerde häufig sehr genormt und durchschnittlich. Sie ist in etwa so absehbar, wie die Einrede, jemand sei ein Nazi oder ein Schlagerfan, weil der Inhalt eines Beitrages dieses zwangsläufig assoziiere.

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1494/17: Positionen: Zum Tod von Gerrit Meijer – Von H.P. Daniels (Gastbeitrag)

H.P. Daniels

H.P. Daniels

Am Freitag, dem 17.2.2017, ist völlig unerwartet der Berliner Musiker und Autor, mein Freund Gerrit Meijer, an einem Herzinfarkt gestorben.

Samstagnacht hab ich von Gerrit geträumt: Er war gut gelaunt, sprach von seinen Plänen, was er in der nächsten Zeit tun wolle … neue Songs aufnehmen, noch ein paar Lesungen machen aus seinem gerade erschienen Buch “Berlin. Punk. PVC”. Er hat sich gefreut, als ich ihm sagte, dass mir seine Lesung neulich im “Pinguin” gut gefallen hat. Und er hat mir eine Menge seiner lustigen Geschichten erzählt … was er gemacht hat, was er erlebt hat … über Menschen, die ihm begegnet sind. In seiner typischen Art, ruhig, zurückhaltend … und sehr witzig. Er hat gelacht und war guter Dinge … Es geht ihm gut, dachte ich nach diesem Traum … wie schön.

Vor zehn Jahren (so lang ist das jetzt auch schon wieder her!) hab ich zu “3o Jahre Punk in Berlin, 30 Jahre PVC” ein kleines Porträt über Gerrit Meijer für den Tagesspiegel geschrieben.
Anlässlich seines Todes hier nun noch einmal die Geschichte in der bisher unveröffentlichten, ungekürzten Originalversion:

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