1867/19 #Positionen Fahnenneid und Fahneneid, Völkerfreundschaft, weltoffen & gastfreundlich – „Wir fahn fahn fahn auf der Autobahn“ ♪♫♪

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18.10.19 #Fahneneid #Fahnenneid #Völkerfreundschaft #TTT #Tulipstagram

18.10.19 #Fahneneid #Fahnenneid #Völkerfreundschaft #TTT #Tulipstagram

„Wir fahn fahn fahn auf der Autobahn“ ♪♫♪ – Bei den Nazis hatten Flaggen als Fahnen Bürgerstatus und wurden zu offiziellen Anlässen stets pflichtgemäß aus dem Fenster gehängt. Auf diese Weise stach ins Auge, wer sich daran nicht beteiligte: Offensichtlich. In selber zumindest sehr ähnlicher Weise verfuhr man in der DDR. Es ist zwar schlecht miteinander zu vergleichen, aber die Gesinnung vor die Fassade zu hängen, hat eben Tradition. Lange war das nun Gott sei Dank vorbei. Die Deutschen waren fahnenflüchtig. Müde vom Gesinnung zeigen und frönten nun dem Kapitalismus wie nichts anderem.

Es wieder so weit: Waren Bekenntnisfahnen viele Jahre verpönt, weil man ihre stigmatisierende, einengende Wirkung eher unangenehm erinnerte, hängen jetzt Blaubraune gern Fähnchen in den Wind. Ach wäre es doch der weiße Brandenburger Adler auf weißem Grund. Doch es stehen drei Buchstaben drauf, auf dem blassblauen Tuch im Wind. Wenigstens bei Windstille kommt die Omnipotenz der schlaffen Blauen deutlich zum Tragen: Da steht nichts wie ne Eins. Blassblau schlabbert das Fähnchen nackt im Wind. Dort labbert es lau im Gehöft, Grundstücksmitte, auf dem brandenburgischen Bauernhof. Bei denen macht es Piep. Oder?

In der Ostprignitz haben verwegene Brandenburger Hasardeure die blassbläulichen, braun gemeinten Fahnen der neuen Nationalen sportlich genommen. Jetzt hängt wie in Kleinbonum im kleinen Dorf der Unbeugsamen an den Gartenzäunen die Beflaggung: „Weltoffen & gastfreundlich“ heißt es nun: „Es kann so einfach sein.“

Na bitte, geht doch.

Völker, schwingt jetzt die Fahnen. Das ist nicht das letzte Gefecht. ♪♫♪♫♪

Tri tra trulla la: Da gucken die Blauen aus der Wäsche.

Wie man in die Ostprignitz kommt? Na: „Fahn fahn fahn auf der Autobahn“ ♪♫♪

Bleibt wachsam, Ihr Koniferen.

1411/16: Rechtsprechung: Zum Bundesverfassungsgericht, Moses Pelham + Kraftwerk – Urteil 31. Mai 16 – 1 BvR 1585/13 #Sampling

IMG_1478_Bert.Brecht.Zitat

Steht der künstlerischen Entfaltungsfreiheit ein Eingriff in das Tonträgerherstellerrecht gegenüber, der die Verwertungsmöglichkeiten nur geringfügig beschränkt, können die Verwertungsinteressen des Tonträgerherstellers zugunsten der Freiheit der künstlerischen Auseinandersetzung zurückzutreten haben. Dies hat das Bundesverfassungsgerichts mit heute verkündetem Urteil entschieden. Er hat damit einer Verfassungsbeschwerde stattgegeben, die sich gegen die Feststellung wendete, dass die Übernahme einer zweisekündigen Rhythmussequenz aus der Tonspur des Musikstücks „Metall auf Metall“ der Band „Kraftwerk“ in den Titel „Nur mir“ im Wege des sogenannten Sampling einen Eingriff in das Tonträgerherstellerrecht darstelle, der nicht durch das Recht auf freie Benutzung (§ 24 Abs. 1 UrhG) gerechtfertigt sei. Das vom Bundesgerichtshof für die Anwendbarkeit des § 24 Abs. 1 UrhG auf Eingriffe in das Tonträgerherstellerrecht eingeführte zusätzliche Kriterium der fehlenden gleichwertigen Nachspielbarkeit der übernommenen Sequenz ist nicht geeignet, einen verhältnismäßigen Ausgleich zwischen dem Interesse an einer ungehinderten künstlerischen Fortentwicklung und den Eigentumsinteressen der Tonträgerproduzenten herzustellen.

Letztlich ist vielverbreitet moderner Journalismus, auch wie er in Blogs betrieben wird, Sampling. Die zeitgenössische, sekundenhafte Wiedergabe von vorgekautem Tobak. Bzw. vorgeschnupftem. Der nur geringfügig veränderte Einleitungssatz dieses Artikels ist ein Zitat aus einer Pressemitteilung des Bundesverfassungsgerichts heute morgen. Der Musiker Moses Pelham hat gegenüber der Düsseldorfer Band Kraftwerk (nicht Kraftclub) obsiegt. Das Urteil wird Bedeutung haben für die gesamte Branche. Die BGH-Richter hatten zuvor entschieden, dass ein fremder Beat – und sei er noch so kurz – nur dann einfach kopiert werden darf, wenn er nicht gleichwertig nachgespielt werden kann. Für die kurze Zeit von vier Jahren hätten also äußerst gute Schlagzeuger mit weitreichenden Instrumentenkenntnissen einen klaren beruflichen Vorsprung gehabt, weil der BGH das Nachspielen extrem guter, bisweilen schwieriger Beats für prioritär hielt. Die BVG-Entscheidung schiebt da einen Riegel vor. Nachaffen, also Drummer, die erfolgsverwöhnte Beats hammerhart exakt nachzimmern, haben heute morgen einen Auftragsstopp bekommen. Schade für Drummer wie Jan „Stix“ Pfennig oder Ralf Gustke bzw. Felix Lehrmann, die für gute, gekonnte Grooves und „Groove wie Sau“ in diesem Genre herausragend stehen.

Heute nehmen wir das Bundesverfassungsgericht zur Kenntnis und sampleln das juristische Substrat. Schon morgen wird weiter abgekupfert: Wie im obigen Journalismus ist Musik heutzutage vielfach und verallgemeinernd mit oder ohne Bedauern feststellend, ein Sampling des bereits Gewesenen. So richtig originale Musik täte vielfach besser. Allerdings ist es auch nicht die Aufgabe des tulipanischen Berichterstatters aus Schwarzvogelstan, die allgemeine Verbesserung von Musik zu fordern, indem jedes Sampling unterlassen werde. Nein, es sind auch viele gute Musikstückchen, Tortenstückchen der Popmusikindustrie durchs Gerühr und Gequirle mit Sampling-Apparaten herausgekommen.

Wohl bekomms. Wir bleiben auf Beobachtungskurs. Ein Foto, für das wir keine Nutzungsrechte besitzen, ist heute in der Spezialistengruppe:Musikerrwitze auf facebook aufgetaucht und trägt eventuell durchaus die Bezeichnung „Das Foto des Tages“, doch schaut selbst….

Weiterführend
Gelinkt: Die Pressemitteilung des Bundesverfassungsgerichs im kompletten Wortlaut
Empfohlen: Dokumentarfilmer antwortet Niggemeier auf einen Schmierenjournalismusvorwurf zum Thema Xavier Naidoo #Lesetipps

283/10: Linktipp: Wer es noch nicht gemerkt hat: Krautrock ist hier ein Thema und Michael Rother auch!

H.P. Daniels (Quelle: myspace)

H.P. Daniels (Quelle: myspace)

H.P. Daniels war früher, in den 80-ern der Mastermind einer Berliner Band namens Escalatorz. Das ist leider Geschichte, das war ne coole Band! Heute tritt er nur noch gelegentlich auf. Allerdings beschäftigt er sich viel mit Musik, und zwar auch für den Berliner Tagesspiegel. Wie z.B. am 22.09.10! Ein Interview seinerseits mit Michael Rother, der als Interviewpartner ebenfalls in der hier bei uns abgebildeten Krautrock-Dokumentation der BBC vorkommt, finden wir aus aktuellem Anlass so interessant, dass wir uns erlauben möchte, darauf gezielt hinzuweisen.

Gut gemacht und danke, H.P. Daniels! Wer sich jetzt fragt, was Krautrock ist, folge bitte den Links unten! Merci bien….

(mit bestem Gruß an H.P.)