1987/21 #Positionen – Warum war es früher am Rhein so schön? – Und was macht den Schlager so schlecht?

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Melodie & Rhythmus #62 Tonfilmschlager II Notenheft

Melodie & Rhythmus #62 Tonfilmschlager II Notenheft


Ricky Shayne – Mamy Blue (ZDF Hitparade 18.12.1971)

Frage

In der Spezialistengruppe Musikerwitze stellte das Neumitglied Hugo (Name geändert) folgende Frage an 35.000 Mitglieder (Text gekürzt):

Warum haben so viele Musikfreunde (ich eingeschlossen) eine Abneigung gegen „Schlager“? Sind es die eher flachen Texte? Naja, da zieht die Rockmusik durchaus mit, viel übler zuweilen oft. Sind es die eingängigen Melodien? Die mitreißen, die im Grunde den nächsten Ton schon erwartbar vorgeben? Das ist im Blues nicht anders. Und das Getüddel der Singer/Songwriter ist oft keineswegs weniger klischeehaft, weder textlich, noch melodisch. Das komische ist, selbst einer wie ich, der kein Radio hört, nicht auf Volksfeste geht – man kennt trotzdem alle Schlager. Selbst wenn man im psychedelischen Jam ein Schlagermotiv zitiert, dann ist das ein Garant dafür, dass jetzt alle abgehen werden. Das IST witzig. Wann wird Kunst zum Kitsch oder umgekehrt? Was passiert damit in einem selbst? Vllt. auch in dem Zusammenhang: Warum finden wir Punkrocker – wenn nicht immer geil, aber ok – aber eine nur halb so schräg singende Christencombo gruselig? Was macht das mit uns? Was ist das, was da triggert? Ist es, weil den einen dabei der Witz fehlt, die anderen das Unperfekte zum Witz machen, in dem man auf sich knallt, wie in einem psychedelischen Jam? Ist es vllt. diese gekünstelte Perfektionalität? Die Show, die allzusehr offenbart, dass sie eine solche ist? Weil die sich doch gefälligst hinter sich verbergen muss? Bricht ein Schlager mit dieser Regel, ist damit gar „psychedelisch“ – gerade, weil er damit weh tut? Musikalisch gesehen sind Schlager – und auch manch andere Popstücke – eine Aneinanderreihung von sehr eingängigen Motiven. Das „Ta-ta-ta-Daaa!“ aus Beethovens fünfter ist sicher in der Tiefe viel filigraner herausgearbeitet, als das „Atemlos-durch-die-Nacht“ der Helene; wobei letzteres aber auch noch mehr musikalische Tiefe hat, als so mancher herumleiernde Popsong. Vllt. verdichtet sich das sogar auf die witzig-gewitzte Frage: Was ist Musik für euch?

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281/10: Legenden: Moden + Strömungen speisen sich nicht aus dem Erscheinungsdatum, sondern aus meiner Bereitschaft, die Realität Revue passieren zu lassen.

Das ist der Unterschied: Mitte der Vierziger des vergangenen Jahrhunderts hatten die Menschen die Stalinorgel gesehen! Mitte der Siebziger wurde sie durch bunte Lichtorgeln und Stroboskope (Psycholights) ersetzt. Dazu konnte, wer mochte, tanzen. Dies war die Banalisierung des Bedeutungslosen der Siebziger Jahre. Dabei war das Herbeischaffen und der Einsatz von Stalinorgeln alles andere als bedeutungslos: die Sowjetunion hatte den „Vaterländischen Befreiungskrieg“ losgeschlagen. Mit gutem Erfolg: das mörderische Biest namens Hitler wurde vernichtend geschlagen! Die Seventies waren möglich geworden! (gewagte These) 

Ich weiß nicht, wie es Euch geht? Mir geht es so und darüber denke ich gerade nach.

Zuerst habe ich die Musik „wider Willen“ aufgedrückt bekommen. Da lief was im Schwarz-Weiß-Fernsehen, namens Hitparade mit Dieter Thomas Heck. Schon bald switchten wir auf Farbe um. Nun sah ich Rex Gildo, Jürgen Marcus, Cindy & Bert, Bernd Clüver, Udo Jürgens und viele andere mehr, darunter auch Katja Ebstein oder Mary Roos. Zuerst war ich ein Fan von Chris Roberts, der sang die bedeutungsschwangeren Worte „Ich bin verliebt in die Liebe, sie ist oley hey für mich….“. Das sprach mich gleich an.

Irgendwann machte es ratsch und ich kann mich nicht mehr genau erinnern, wann das war? Meiner Erinnerung nach war ich bei einem Freund zu Besuch, dessen Eltern ihm schon eine ganz beträchtliche,  moderne und wohl teure, weiße Schleiflack-Stereoanlage gekauft hatten. Mein Freund, genauso alt wie ich, legte eine Platte auf den Plattenteller. In seinem Zimmer hatte der Vater bereits auch eine Lichtorgel installiert, bestehend aus drei bunten Scheinwerfern, die ein Grundlicht zur Verfügung stellten und sobald die Musik begann, zuckten die Lichter im Takt der Musik.

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