1992/21 #Kritik – Was das Internet mit uns macht – es macht uns alle kirre – Der Blues von Weisbrod, Graubrot und Pumpernickel

02.02.2021 - Record Release 1978 #Ninafaktor #TTT #Tulipstagram

02.02.2021 – Record Release 1978 #Ninafaktor #TTT #Tulipstagram – Artwork, Photography: Jim Rakete, Design: Friedhelm Meinaß

02.02.2021 Ninafaktor #Ninafaktor #TTT #Tulipstagram

02.02.2021 Ninafaktor #Ninafaktor #TTT #Tulipstagram


NINA HAGEN 1997 „Tatort“ scenes with Nina GERMAN TV

TV macht süchtig, TV iss ne Droge. (Nina Hagen, Ich glotz TV, 1978)
Das Internet aber auch. (TTT, 2021, im Internet)

Nina Hagen-Band und der Rockpalast 1987 – Als Zeitzeugnis ein Kronjuwel

Alter, gut abgehangener Schinken: Ich fühl mich alt, im Sumpf wie meine Omi. Das Konzert ist 1978 und sattsam aus YouTube bekannt, derzeit parkiert es als kompletter Mitschnitt auf ARD Mediathek: So schlecht sind Lockdowns jetzt auch wieder nicht. Ich habe es gestern Abend das erste Mal komplett in einem Stück durchgesehen, während ich für gewöhnlich Schlagzeug übe in meinem Studio. Ich kann noch berichten, dass ich die Sticks weglegte und mehrmals wirklich große Emotionen hatte, während des Rockpalasts. Auch ein Aussetzfehler von Nina (falsches Einsetzen) wurde sorgfältig registriert, ich kenne kaum eine Platte mehr aus dem Effeff. 2021 wird ein gutes Jahr: Ich hing an Ninas Lippen. – Und ich drückte für Manne ein, zwei Tränen weg. Was für eine unglaubliche Band das doch war. Gott ist tot, the Lord ist fort. (Sagt der Teufel)

 

Die allerbesten Dinge meines Lebens sind hervorragend geeignet, mich an etwas zu erinnern, das ich gern tue. Leider fehlt mir häufig Zeit dafür. Es ist das Nachhängen in Gedanken, wenn ich schreibe. Im Moment ist die Corona-Pandemie mit Ernst bei der Sache. In mir ordnen sich ein paar ganz hervorragende Gedanken. Ich sehe in der letzten Zeit jeden Tag: Viele Menschen (im Internet) haben eine goldene Mitte in sich verloren, sind verwirrt und verschwörerisch unterwegs. Sie schreiben das Internet voll mit Dingen, die keiner näheren Prüfung standhalten würden. Was ich tun muss, ist was ein Typ tun muss: Ich schreibe sowas gern auf. Schreiben ist Balsam für die Seele. Oder?

In Zeiten wie diesen wirft das öffentlich-rechtlichen Zwangsgebührenfernsehen (Formulierung aus der Sicht anderer) viel Entertainment raus. Wir dürfen uns jetzt verstärkt sogar Konzerte ansehen. Eins davon dürfte zu meinen persönlichen Glücksmomenten des Jahres 2021 gehören. Ich entdecke in der ARD-Mediathek einen ihrer ersten großen Auftritte der Nina Hagen-Band aus dem Jahre 1978 in der Westfalenhalle. Das Konzert ist unten verlinkt.

Mein Leben ist mit Nina Hagen sehr stark verbandelt. Ich erinnere, als ich Nina Hagens Band erstens auf Tonträger wahrnahm (bestens funktionierender Schwarzmarkt: Vinyl wurde überwiegend schwarz gepresst), dass nicht nur das Titelbild der Platte (das Cover) in mir rumorte, der Meisterfotograf Jim Rakete zeichnete verantwortlich. Indem er zeichnete, schuf er ein Bild wie gemalt. Die Band in meiner Wahrnehmung eine absolute Ausnahmeerscheinung von Könnern an allem, was zu einer guten Band gehört, von einer Konzernsprecherin namens Hagen aus Ostberlin geleitet, die ihresgleichen weder suchte noch hatte. Auch weltweit nicht, selbst wenn Nina in der Zeit zwischen 1976 (Übersiedlung) und 1978 (Record Release) häufig in der Ursuppe des Punks in London bei ihrer Freundin Ari (The Slits) aufhältig war.

Punk á la Nina Hagen war niemals hinterhältig, sondern frisch, direkt, ehrlich und gottgewollte Schönheit. Für den Background zu diesem vorzüglichen Defilée sorgten nämlich Musiker, die nicht wie U2 das Jahr 1978 als ein Jahr aufregender Neuentdeckungen auf ihrem Griffbrett fabulierten.

1978 war in der Tat ein richtig aufregendes Jahr für U2. Wir hatten gerade fis-Moll entdeckt. Damit hatten wir den vierten Akkord." Bono (U2) #WoW #WordsOfWisdom #TTT #Tulipstagram

1978 war in der Tat ein richtig aufregendes Jahr für U2. Wir hatten gerade fis-Moll entdeckt. Damit hatten wir den vierten Akkord.“ Bono (U2) #WoW #WordsOfWisdom #TTT #Tulipstagram

Halaschka, Beisenherz und der Gottschalk zeigen rote Karten

„Wo bist Du geboren?“
„Krankenhaus“
„Nein, ich meine vom Ort her!“
„Berlin“
„Nein, ich meine so vom Hintergrund!“
„Keine Ahnung, glaube die Tapeten da waren beige“
„Nein, ich meine woher kamen Deine Eltern?“
„Von zu Hause“
„Nee, ich meine gebürtig!“
„Auch aus einem Krankenhaus“

#Regendelfin Twitter)

Die kühn überspitzte Titulierung „Die letzte Instanz“ ist nun gewissermaßen eine solche. Es kommt zum Shitstorm. Die Sendung ist unten verlinkt. Ansonsten verkommt das Sendeformat zur kühnen Back- und Hackware auf Twitter, Facebook und Co. – gerungen wird von Rettern der Welt gegen jene, die die Sendung gesehen und für zwanglos unmaßgeblich gehalten haben. Ich schaue solche Sendungen nicht an, weil sie mich nicht interessieren. Mit diesem Grundsatz habe ich gebrochen und vorher schon im Internet: Ich erbrach alles Nahrungsmittelartige unverdaut und spie Gift und Galle.

Eine vollkommen langweilige Sendung, doch das sagte ich schon. Was hinterher passierte, erregte allerdings mein öffentliches Ärgernis.

Via Twitter @tuliptommy @MickyBeisenherz #DieletzteInstanz: „Das war kein Fehler, die Zusammensetzung der Gäste. Die dürfen reden. Folgeproblem: Lädt man noch mal „Betroffene“ ein? Kein Verbot: Die Geladenen müssen KEINEM Sprechverbot huldigen. Es muss und darf nicht jede Sendung in sich austariert sein.“

Dieser Tweet meinerseits war eine direkte Antwort auf den Weiße-Kartoffeln-Tweet von Micky Beisenherz

„Eine Sendung, in der vier Kartoffeln sitzen und mittels Karten über Rassismus abstimmen hat ein Problem. Und auch meine Rolle in der Show war keine gute. Ich habe die Kritik aufmerksam gelesen und finde sie auch berechtigt. Ganz klar mein Fehler. Sorry“ #DieletzteInstanz

Ich frage mich bei den meisten Kommentaren zu dieser Sendung, die ich mir ausdrücklich angesehen habe, was vor allem in die Köpfe der Internetmenschen gekommen ist, sich über diese Sendung so zu echauffieren. Es bleibt mir auch mit längerem Nachdenken einfach nur befremdlich. Ich war der, der Micky Beisenherz wohl als Einziger geschrieben hat, einer Entschuldigung bräuchte es nicht. Es dürfe solche belanglosen Sendungen geben.

Dass Sendungen im Öffentlich Rechtlichen immer – je Sendung – inhaltlich und political komplett gerecht austariert sein müssen, steht nirgendwo geschrieben. Es kommt doch nicht auf die Hallaschka-Sendung an. Es kommt darauf an, wie wir alle tatsächlich mit Fragen wie diesen umgehen. Ob Thomas Gottschalk als Jimi Hendrix zu einer Party ging, ist keine Frage von besonderem Wert und beweist auch nichts anderes. Gottschalk sagte aber übrigens auf Twitter mal lange vor dieser Sendung, Zitat (gestern rausgesucht): „Bis ich gecheckt habe ob es missverständlich, übergriffig, unsensibel oder political incorrect ist, habe ich vergessen was ich sagen wollte.“ (via @Herbstblond, #twitter) – Dem ist nichts hinzuzufügen. Alles andere ist ein kranker Machtkampf um Vormachtstellung bei den herrschenden Meinungen. Vollkommen Killefit (Düsseldorf).

Bill Kaulitz und die Hollywood Hills

Bill Kaulitz (Tokio Hotel) hat nach relativ wenigen Lebensjahren bereits seine Memoiren geschrieben. Die Zeit rezensiert das Machwerk schon mal. Lars Weisbrod heißt der Mann, dem dies gelingt. Er schreibt unter anderem über Haare am Sack:

Die Nacherzählung gerät zu einer langen Sexbeichte, so hätte man das damals im Boulevardfachjargon genannt. Die ostdeutsche Jugend trieb es früh und überall, auch im Altpapiercontainer hinterm Supermarkt. „Ich war gerade erst elf Jahre alt und liebte es, mich an Mädchen zu reiben und über Genitalien zu rubbeln, aber ich hatte ja noch nicht mal Haare am Sack“, schreibt Kaulitz. #Lesezeichenohnegleichen

Ein Weißbrot aus dem Internet schreibt und bemerkt dazu:

Weltliteratur auf die wir gewartet haben! Die Verblödung nimmt ihren gewollten Lauf!

Ich denke: „Weiß nicht genau, ob das richtig ist. In erster Linie dürfte es mal ein außergewöhnlicher Lebensweg sein, der mehr oder minder geglückt erzählt zu werden interessieren könnte, durchaus eine größere Menge an Menschen.“

Das Brot reagiert erläuternd: „Es ist für mich nicht unbedingt wichtig. Mich interessieren mehr die Biografien von lebenserfahrenen Menschen, die in ihrer Komplexität interessant sind.“

Ich denke: Die Verblödung nimmt ihren gewollten Lauf! und Weltliteratur auf die wir gewartet haben! ist bei einem Lesetipp zu einer Buchrezension für mich nicht passend oder auch nur ein Spiegelbild des Verfassers selbst. Der fordert nun -nacherklärend- Biografien von lebenserfahrenen Menschen, die in ihrer Komplexität interessant sind. – Das alles ist also Bill Kaulitz nämlich nicht, damit es gleich jeder weiß. Verblödung ist für mich eher so ein sakrosankter Zustand fertiger Weltbilder, die man, um sie festzuhalten, möglichst gar nicht mehr verändert. An denen man lieber nicht rührt, um sie nicht zu erschüttern. So wird aus einem möglicherweise etwas zu selbstgefälligen auf Menschen herabschauen eine Erlebnissackgasse, in der man selbst die Welt für fertig erklärt, sie komplett durchschaut und jede Veränderung seiner eigenen Selbstbeobachtungen mit Verboten belegt. Ich glaube daher, es könnte interessant sein zu lesen, was Bill Kaulitz aufgeschrieben hat, denn in der Tat besitzt er eine Art „unique Lebenslauf“, der in seiner Komplexität interessant ist und wer wenigstens nur ansatzweise mitreden will, müsste davon erst mal ausführlich lesen. Und drüber nachdenken. Denken hilft immer.

Die Lösung: Im Internet weiß immer irgendjemand alles besser.

So wie dieses Graubrot, er meint: „Die Welt…Bildzeitung auf anderem Niveau. Hätten Maurer n Abi würden sie das Schundblatt lesen. Springerpresse bleibt Springerpresse.“

Wenn er schon mal was sagt, dann frisst Du das auch, Mensch, pass bloß auf, sonst wirst´n Allesfresser, Allesfresser, Allesfresser (Nina Hagen, 1978, Superboy)

Und ich: Ein #Lesezeichenohnegleichen stellt nichts anderes als ein Angebot zum Nachlesen dar. Über die Welt, den Springerverlag und die grundsätzlichen Probleme der freien Presse der Völker richten wir in einem anderen Post, erneut auf dieses wichtige Thema zurückkommend.

Empfehlung: lös dich mal ganz locker von Zwängen, immer vom Thema abzuweichen, um enge Grenzen zu ziehen. Das gilt auch für Handwerksberufe. Mit und ohne Abitur, übrigens. Es berührt mich doch einigermaßen vor allem dies: Schreib irgendwas ins Internet, aber erwarte nie eine dazu passende Kommentierung. Mehr oder minder ist es vollkommener Zufall, was Du zu lesen kriegst. Dazu gehört auch der Unsinn von einer vollkommen abwegigen Geisteshaltung, wonach Maurer ohne Abitur hier angesprochen sind. Und überhaupt, alles daran ist vollkommen flapsig und verachtend formuliert: „Die Welt…Bildzeitung auf anderem Niveau. Hätten Maurer ´n Abi würden sie das Schundblatt lesen. Springerpresse bleibt Springerpresse.

Wer hat aufmerksam bis hierher gelesen? – Dieses Graubrot ist ein Vollkorntrottel. Warum? Oben steht es ganz deutlich, ich wiederhole nochmal: Die Zeit rezensiert das Machwerk schon mal.

Man liest das mehrmals und immer wieder und fragt sich: Was will er uns damit sagen? Und NÖÖ, ich habe eine vollkommen andere Wahrnehmung. Bin ich jetzt uncool? Und JA, der Text oben (Linktipp) ist wirklich nicht schlecht geschrieben. Nur er steht halt zufällig in einem missliebigen Blatt, von dem morgens die Maurer ihre Maurermarmelade beim Frühstück löffeln, also das gemischte Hack mit Zwiebeln. Soviel Denkfallen, wie das nun bietet: Ach Du Scheiße. Du heilige Scheiße.

Geht bloß nicht ins Internet. Es ist der Tod jedes vernünftigen Zeitvertreibs. Und überhaupt: Früher waren alle viel jünger.

Es riecht so gut. Sie sind nämlich hinter Dir her, Du alter Kiffer! Dabei geht ihre Gesellschaft am Alkoholismus zugrunde. Nina Hagen #Unbehagen - Screenshotdesign: © #TTT #tripletT - https://blackbirds.tv

Es riecht so gut. Sie sind nämlich hinter Dir her, Du alter Kiffer! Dabei geht ihre Gesellschaft am Alkoholismus zugrunde. Nina Hagen #Unbehagen – Screenshotdesign: © #TTT #tripletT – https://blackbirds.tv

Seit die erste vollkommen schwarze Nina Hagen-Band-Platte erschienen war, wartete ich dringend auf die nächste. Als sie schließlich erschien, spürte ich bereits ein großes Unbehagen und bekam eine Vorstellung davon, nichts ist auf Dauer, so sieh das doch ein. Ich weiß, Du willst unendlich sein, schwach und klein. Feuer brennt nieder, wenn’s keiner mehr nährt. Kennst ja selber, was dir heut widerfährt. So will ich es für die Nachwelt stehen lassen. Man merkt der zweiten Platte den Zustand ihres Aufnahmeprozesses in einem Zustand von Kabbale deutlich an: Die Mitglieder der Nina Hagen-Band hatten hauptsächlich mit der durch Abwesenheit glänzenden Grandezza von Nina Hagen zu tun und nahmen ihre Tracks im Hansa-Studio weitgehend alleingelassen auf. Feuer brennt nieder, wenn´s keiner mehr nährt. Und so ist heute auch das Internet insgesamt: Abgelenkt, durcheinander und niemand nährt noch das Feuer einer besseren Zukunft. Jetzt sagt im Netz jeder Idiot irgendwas und nennt es sogar Meinung und hat gar keine. Es ist bedauerlich.

Das ist doch das Problem. Ist noch Schwarzbrot da? Die alte Frau bezahlt mit Kleingeld, wir warten auf den nächsten Zug: Oder Pumpernickel.

Weiterführend

1946/20 #Buch Quartier Latin – Berlins legendärer Musikladen 1970-1989 368 Seiten, Autoren: Henry Steinbau, Marco Saß – L+H Verlag Berlin #QuartierLatin

B3 - Fake News (B3 Berlin, Band)

B3 – Fake News (B3 Berlin, Band)

Buch Quartier Latin - Berlins legendärer Musikladen 1970-1989 368 Seiten, L+H Verlag Berlin #QuartierLatin #TTT #Tulipstagram

Buch Quartier Latin – Berlins legendärer Musikladen 1970-1989 368 Seiten, L+H Verlag Berlin #QuartierLatin #TTT #Tulipstagram


B3 Berlin – Fake News

Andreas Hommelsheim (p, kb)
Ron Spielman (voc, g)
Lutz Halfter (dr)
Gérard Batrya (b)
B3 on Spotify: https://sptfy.com/2nQF
B3 on Facebook: https://www.facebook.com/B3Berlin/
Download and stream „Fake News“ by B3: https://backl.ink/14254284
Song and video were made without B3 bassist Gérard Batrya who had to stay in his homeland France due to the corona pandemic.
Recorded and mixed by Heiko Gigner at Blackbird Music Studio, Berlin http://www.blackbird-music-studio.de
Film by Erik Schütz / GoodBY Production https://www.goodbyproduction.com
© 2020 Blackbird Music http://www.blackbird-music.de
#b3berlin #fakenews #jazzrock

Henry Steinhau kenne ich seit ca. 1983 (geschätzt) aus journalistischen Texten, die Mensch gern liest. Seine Texte waren Die Wahrheit. So hieß die Zeitung. Wunderbares Labeling, wenn einer Dinge aufzuschreiben beginnt, die sich alsbald einen gewissen Ruf erarbeiteten. Marco Saß lernte ich meiner Erinnerung nach im selben Jahr unabhängig davon kennen, da er Sohn von Manfred Manne Saß ist, jenem Mann mit dem Papagei. Marco hatte damals schon immer eine Kamera am Mann. Steinhau und Marco Saß gehören in die DNA der Kultur-Enklave West-Berlin.

Heute ist an der Potsdamer Str. (96) der Wintergarten der Baufirma Kuthe (Freymuth, Spandau). In Westberliner Zeiten der Jahre 1970 bis 1989 betrieb Manfred Manne Saß mit Frau Christa das Quartier Latin, einen Livemusikclub, der auch Sprungbrett war für Musiker, vor einem größeren, relevanten Publikum aufzutreten. Nationale und internationale Künstler fanden hierher. Einer der emsigsten der amerikanische Bluesmusiker Champion Jack Dupree. Hausherr Manne Saß verstand sich mit Champion Jack Dupree blendend, beide waren Smutjes gewesen, Schiffsköche. Eine Art frühere Rote Gourmet Fraktion? Lecker Zeiten.

Dagegen heute alles anders: Wir befinden uns mitten in einer weltweiten Pandemie, ein paar Clubs werden den Löffel abgegeben haben. Die jetzt noch wieder aufmachen, kommen nicht ohne Blessuren aus tiefroten Zahlen. Wäre der Niedergang nur noch mit Komasaufen für die Gastwirte aufzuhalten? Es wird was hängen geblieben sein, bei den Gastwirten, mindestens blaue Flecke. Zum Beispiel die gestundeten Mietzahlungen, ein Erlass war nicht Teil des Nicht-Spielprogramms. Noch liegt eine Bilanz nicht vor, wir werden sicher bis zum Jahresende genaues wissen. Nachrichten über die an Corona gestorbene Berliner Lokalszene sind bis dato unbewiesen: Fake News. Die große Plapper: Szene-Gerede.

Populismus: Weltweit pandemisch wie Corona, zerzauste britische, wirre Premiers, amerikanische Orange Utahs, die ihre Berater fragen, ob Norwegen ein Teil von Russland ist  – und via Twitter immer schön populistisch, flach Zange. Es muss dem Volk gefallen. Wie werden wir diese Geißel je wieder los? „Wir fahren jetzt nach West-Berlin, Wahnsinn.“ (Lilli Berlin) Oder ganz zurück, in die Zeit bevor es begann. Fake News konnten sich damals nicht so schnell verbreiten, es gab viel weniger Parallelwahrheit.

Vorwärts hinein in die Vergangenheit: An die Potse, Potsdamer Str., vom Potsdamer Platz, gedachte Verlängerung Richtung Kleistpark. Quer durch. Paar 100 Meter weiter links wohnte David Bowie über dem Schwulenclub Anderes Ufer. Iggy Pop war oft zu Besuch bei Bowie. Berlin: Großstadt-Dschungel, aber doch klein, funktionierend umzäunt und an der Nürnberger Str. der Club gleichen Namens. Mal sehen, was im Dschungel läuft? (Ideal)

Karrieren wurden im Quartier Latin angezündelt. Udo Lindenberg spielte bereits 1974 hier. Sein Schlagzeuger Bertram Berte Engel trat mit seinem Bruder als Gebrüder Engel auf. Spektakuläre große Erstauftritte lieferte 1978 die aus Musikern der Lokomotive Kreuzberg als Nina Hagen Band der Ausnahmesängerin und Godmother of Punk Nina „Farbfilm“ Hagen ab. Apropos Nena Hagen: 1982 debütierte die Band NENA, unter den Fittichen des Fotografen und gewieften Musikmanagers Günter Jim Rakete (hier). 1983 nahm der Berichterstatter als Mitglied der Jury des Berliner Senatsrockwettbewerbs ROCK NEWS den Ärzten ihren Gassenhauer Anneliese Schmidt ab, die Ärzte blieben Sieger des Wettbewerbs. Der Rest ist Musikgeschichte.

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1727/18: Erinnerungen: An Manfred ‚Manne‘ Praeker und die frühe Nina Hagen – Sie waren viel zu gut und strichen graue Mauern bunt.

Nina Hagen (gif)

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The #blacktulip (new version) - To The Honor Of...

The #blacktulip (new version) – To The Honor Of… (Grössere Ansicht: Aufs Bild klicken)


Nina Hagen (1975)

Manfred „Manne“ Praeker (* 25. September 1951 in Berlin; † 17. September 2012 ebenda) war ein deutscher Musikproduzent, Sänger und Musiker. Er spielte auch Synthesizer und Schlagzeug, war aber vor allem als Bassist bekannt. Bekannt wurde er als Mitglied der Nina Hagen Band und Spliff. (aus Wikipedia, hier)

Heute hat Manfred Manne Praeker Geburtstag. Hätte. Wenn er nicht bereits gestorben wäre.

An Manne kurz zu erinnern, ist Chronistenpflicht. Und dass du dir jetzt ’n Wald suchst, um dir im Mos ’n Bett zu bau’n. Dein Riesen Saxophon ist natürlich auch da und Flöten, Flöten soll’n auf der Wiese wachsen. Ich frag die Alte, wo der Wald is‘, sie sagt „Mein Udo is‘ schon lange tot.“ In meinem Hals, da steckt ’n Bonbon.

Und die Erfrischungswaffeln sind ausgelaufen.

RIP – Manne. Eine schwarz Tulpe für dich.

Und danke, Nina, danke Spliff, dass es Euch gegeben hat. Ihr wisst gar nicht, wie wichtig das war. Oder doch?

Wir streichen graue Mauern bunt. Jetzt muss ich weinen.

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