Selma Meerbaum-Eisinger "Sehnsuchtslied" #ZfZ

1450/16: Positionen: Vom Versuch, Musik zu machen 

Sehnsuchtslied

Leise schlägst in deinem Lied du einen Ton an – und dir ist, als fehlte noch etwas. Und du suchst verwirrt bei allen Tönen, ob sie dir nicht sagen können, wo’s zu finden, wo und wie und wann…

Doch der eine ist zu blaß und zu lüstern ist der zweite und der dritte ist so voll mit Weite – viel zu voll. Du suchst lange – Moll und Dur und Moll werden lebend unter deinen Händen. Und dann schlägst du plötzlich eine Taste an, und – es kommt kein Ton.

Und das Schweigen ist dir wie ein dumpfer Hohn, denn du weißt es plötzlich ganz genau: Dieser fehlt dir. Wenn ihn deine Hände fänden, fiele ab von deinem Lied der Bann, war‘ das Ende nicht mehr leer und grau.

Und du rührst und rührst die Taste – fragst dich, wo hier wohl die Hemmung liegt, suchst, ob nicht doch deiner Hände Weiche siegt, deine Augen betteln voll Verlangen. Kein Ton kommt. Einsamkeit bleibt nun zu Gaste in dem Lied, das dir so schwer und süß gereift.
Um den ungespielten Ton wirst du nun ewig bangen,  bangen um das Glück, das dich nur leicht gestreift in den leisen Nächten, wenn der Mond dich wiegt und die Stille deine Tränen nicht begreift.

Selma Meerbaum-Eisinger – 09.01.1941

ZfZ_Ikone #ZeitfürZärtlichkeit #ZeitfürZartes

1414/16: Positionen: Vom Komponieren und dem einen fehlenden Ton – ‚Sehnsuchtslied‘ von #MeerbaumEisinger #ZfZ

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Selma Meerbaum-Eisinger "Sehnsuchtslied" #ZfZ

Sehnsuchtslied

Leise schlägst in deinem Lied du einen Ton an –
und dir ist, als fehlte noch etwas.
Und du suchst verwirrt bei allen Tönen,
ob sie dir nicht sagen können,
wo’s zu finden, wo und wie und wann…
Doch der eine ist zu blaß
und zu lüstern ist der zweite
und der dritte ist so voll mit Weite –
viel zu voll.

Du suchst lange – Moll und Dur und Moll
werden lebend unter deinen Händen.
Und dann schlägst du plötzlich eine Taste an,
und – es kommt kein Ton.
Und das Schweigen ist dir wie ein dumpfer Hohn,
denn du weißt es plötzlich ganz genau:
Dieser fehlt dir. Wenn ihn deine Hände fänden,
fiele ab von deinem Lied der Bann,
war‘ das Ende nicht mehr leer und grau.

Und du rührst und rührst die Taste –
fragst dich, wo hier wohl die Hemmung liegt,
suchst, ob nicht doch deiner Hände Weiche siegt,
deine Augen betteln voll Verlangen.
Kein Ton kommt. Einsamkeit bleibt nun zu Gaste
in dem Lied, das dir so schwer und süß gereift.

Um den ungespielten Ton wirst du nun ewig bangen,
bangen um das Glück, das dich nur leicht gestreift
in den leisen Nächten, wenn der Mond dich wiegt
und die Stille deine Tränen nicht begreift.

Selma Meerbaum-Eisinger – 9.1.1941

1239/15: Gedenken: „Trauer“ – Herbert Grönemeyer & das World Quintett

Trauerkerze

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Lichter spiegeln sich in schmutzig-nassen Pfützen,
gelb und fettig, schmutzig auch und schwer
Helle Häuserfenster können gar nichts nützen
Tore hallen hehr und leer
Liegt der Nebel müde auf den Straßen
und der Regen rinnt und rinnt
Menschen sind zu traurig, um sich noch zu hassen
und es hüstelt irgendwo ein Kind
In den Gärten liegen halbverfaulte Blätter,
stehen Bänke, traurig, nass und grau,
kommt die Sonne immer seltener und später
Nimmt’s der Mond mit scheinen nicht genau
Dringt das halbe Tageslicht noch durch den Nebel
trüb und grau und klebrig schwer
Klirrt die Wache schläfrig mit dem Säbel
und ein nasser Vogel zittert sehr
Dringt das halbe Tageslicht noch durch den Nebel
trüb und grau und klebrig schwer
Klirrt die Wache schläfrig mit dem Säbel
und ein nasser Vogel zittert sehr.
(Trauer – Selma Meerbaum-Eisinger)

Das Lied des Tages der Berliner Formation Bluma (Artikel vorher) erinnert mich in ungewollter, allerdings nicht unangenehmer Art und Weise an ein Lied, das mir mehr als viele andere so zu Herzen ging, dass mir die Tränen in die Augen schossen. Ich war zutiefst berührt. Heiter bis wolkig, Bluma bis Klezmer, Klezmer zu Selma – genauer, zu Selma.TV, um auch begnadete Rechercheure zu ihrem Recht kommen zu lassen.

Herbert Grönemeyer hat das bei mir nicht notwendigerweise immer vermocht. Lange Zeit hielt ich ihn ohnehin für einen mit Bildern spielenden Sänger, Texter und Komponisten, der zwar kenntnisreich mit Andeutungen spielt, aber zu klaren Aussagen nicht fähig ist. Seit wir das Album Mensch von Herbert Grönemeyer gehört haben, ist dies Gerücht jedoch nicht weiter tragbar, es entpuppte sich als Vorurteil.

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