1983/21 #Kritik – Das öffentlich finanzierte Gebührenfernsehen, Kapitalverbrechen und Tatortverwerfungen in der Öffentlichkeit

War der Tatort nun gut? Oder war er schlecht?

Die Herangehensweise, dieses Urteil für sich selbst zu fällen oder für die Öffentlichkeit, sollte durchaus unterschiedlich sein. „Mir hat er nicht gefallen,“ ist ein reinfließendes Urteil, dem man sich leicht anschließen kann. Viele andere Werturteile in der Öffentlichkeit tragen jedoch kaum Glaubwürdigkeitsaspekte in sich. Ganz schlimm sind Hinzufügungen wie z.B. „Kein Wunder, das ist eben öffentlich-rechtliches Gebührenfernsehen.“ Sehr schnell ist die Jugend mit dem Wort. Man neigt zum „Idiot“ lesen. Schade eigentlich. Will man gar nicht. Ist aber so! Zwölf Ausrufezeichen.
Wenn er schlecht war, ist der gelungene, nachvollziehbare Verriss am öffentlichkeitswirksamsten. Man braucht nämlich sehr gute Argumente dafür.

Leichter ist das sofortige Lobpreisen der Folge.

Was mir immer wieder auffällt.

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1980/21 #Kritik – Tatort Stuttgart: Ein schrecklich nette Patchworkfamilie – Das ist unser Haus

der Kritiker: MRR in jungen Jahren!

#Tatort #TTT #Tulipstagram

#Tatort #TTT #Tulipstagram


Theodor Shitstorm – Tanz die soziale Distanz – Official Video: Dietrich Brüggemann – M+T: Theodor Shitstorm. (p) und (c) staatsakt 2020.

Vor vier Wochen sind die Mitglieder der Baugemeinschaft Oase Ostfildern in ihr Gebäude eingezogen und schon muss wegen eines Abdichtungsproblems das Fundament wieder aufgebaggert werden. Zum Vorschein kommt ein noch größeres Problem: eine nicht identifizierbare weibliche Leiche. – schreibt die ARDmediathek (Link unten) – »Menschen an sich sind halt schwierig und nervtötend und fehlerhaft. Aber wer das nicht will, der kann ja in so ein Reihenhaus ziehen – und sich dann am Ende wundern, wenn er stirbt und keiner vermisst ihn. Hier hat man halt die ständige Auseinandersetzung mit Leuten, die sich die Hälfte der Zeit aufführen wie egozentrische Kleinkinder. Aber die finden einen wenigstens, wenn man tot ist.« sagt die Protagonistin Christiane Rösinger gegen Ende des Tatorts Stuttgart, erklärend.

Unter Regie von Dietrich Brüggemann strahlt die ARD die Folge „Das ist unser Haus“ aus. Ein Schelm, wer an Ton, Steine, Scherben denkt. Vielleicht ist die Assoziation von Gott gewollt.  Sischer dat. Ein Dutzend ähnlich interessierter Bauherren stellt einen Neubau hin, um den Altbau nebenan. „Den haben wir gleich mitsaniert“, erklärt Ulrike, Kommune 2020-Bewohner*innen älteren Semesters. Alles ist hier genderneutral, ausführlich detailliert und jeder Moment findet ein gerechtes, ausreichendes ausuferndes Betrachten aller denkbaren Gedanken – nur stets aus allen sämtlichen denkbaren Perspektiven. Sind die Gedanken auch frei, nehmen wir sie als krude wahr. Das Regiespiel gelingt: Christiane Rösinger aka Ulrike wird Fernsehpublikum und Kommissar Leinöl-Richy Müller (aka Thorsten Lannert) die Pole zwischen selbstbestimmt ausgefüllten Leben erzählen und jenem in einer Community of Housemartins, wo jeder von jedem verlangt, jeden Kleinstgedanken denken zu dürfen und diesen aber auch zu gerechtfertigen. Wir verstehen inzwischen, warum in Berlin weit über 50% der Menschen lieber als Singles leben. Schaut auf dies Ostfildern. Wo nie gutes Karma regnet. Am Fundament dringt bei Regen immer Wasser ein. Brüggemann erzählt ergebnistief von fiesen Verwerfungen durchgeknallter Menschen, die spirituell glauben,  hinzugewonnen zu haben. Den Sinn des Lebens sowieso. Baumängel und eine unbekannte Leiche. Und das Vorleben abgelehnter Mitwohnkandidaten*innen.

Fronleichnam als Happy Kadaver in der wiedergeöffneten Baugrube, weil die Bauherren den Rat zum Trotz alternative Abdichtungstechniken am Keller-Außenmauerwerk anwenden. Nun läuft die braune Plörre in die Keller und man steht vor einem Sanierungsproblem. Hier ist die Kritik beißend fassbar: Das ist unser Haus, es ist unser erstes Haus und wir haben ein Recht auf Anfängerfehler. Auf diese Weise verbeißen sich die Bewohner erstmal in der Suche nach Schuldigen. Das gilt für die Baumängelhistorie ausufernder Sitzungsprotokolle genau so wie für die Leiche, und es betrifft die Suche nach dem vermeintlichen Täter. Ein Lehrstück der klassischen Psychologie, mit Projektionen und Schuldzuweisungen der allerbesten Art.

In erster Line war der Stuttgarter Tatort am Sonntag mal eine herausragende Sozialstudie über das Wesen von gemeinschaftlichen Wohnprojekten mit esoterischem Grund-Handwerkszeug, in denen Spekulationen über ein Kapitalverbrechen Tür und Tor geöffnet wird. Mit allen Verwerfungen, Glaubensrichtungen und intersexuellen Neigungen. Am Ende bricht jede Tätertheorie in sich zusammen und der nachweisliche Sexual-Triebtäter Heinz Rudolf (Kunze) wird öffentlichkeitswirksam freigesprochen, indem er nicht mehr zu Wort kommt. Summa summarum sehr gelungen.

Man kann den Tatort im Zugriff der ARD-Mediathek sehr wohl empfehlen. Viel Spaß beim Nachsehen. Die Musik zum Tatort fertigte Regisseur Dietrich Brüggemann selbst an. Wer in dieser Art von Welt leben möchte, muss sich diesen Tatort bitte unbedingt ansehen. Gnade Euch Gott, denn er hat „Hurtz“ gesagt.

Weiterführend

Das hat das Herz berührt!

1090/14: Gigs, Preview: Nikolai Tomás – Im Schmerz geboren: „Another Poems for the 20th Century“ | Gig: 25.10.14 Berlin #frannz

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Das hat das Herz berührt!


Nikolai Tomas – Another Poems for the 20th Century

Nikolai Tomás interpretiert 12 der besten POEMS FOR LAILA Stücke neu! Im Stil von Cash, Dylan, Cohen, Waits und Brel entstanden 25 Jahre nach dem Debut der Band teils überraschende, sehr moderne und intime neue Versionen der besten songs der ersten 3 Alben.(Worum es geht, lt. Frannz Club, Link unten)

Der TATORT „Im Schmerz geboren“ (hier) war besonders. Viel Blut. Blutrot. So viel Blut, dass es Tatort-Gewöhnte nicht ertragen mochten und beckmesserten. Man war bislang weit weniger gewöhnt. Als Schauspieler Uli Matthes, im Film der Bösewicht, dem Garagenbesitzer erklärt, was es mit dem biblischen „Es werde Licht“ auf sich hat, spielt er „Festival of Lights“ mit dem rotem, sehr asketischen Zielpunkt. Aus dem Hintergrund fällt der Schuss und schlägt hindurch durch die Buchschwarte mit dem Durchschussloch, an dem bereits zuvor der Sohn des vierten Toten verstarb. Hölle.

So in etwa bzw. so ähnlich wirkt der Plot des Trailers von Nikolai Tomás zu drei Konzerten, die er gibt. Ins Auge fällt uns der Termin am 25.10.14 im Frannzclub im Prenzlauer Berg. Dazu sehen wir uns das obige Kurzfilmvideo an, es geht um Menschenblut, während eine weitere, eine assoziative Gewehrkugel sich lichtern eine Bahn bricht. Wuhuu, wie gefährlich.

So gefährlich ist auch die Stimme des Herrn Sängers, die einen in den Bann schlägt. Unvergessen und für uns eins der „besten Berliner Alben der Welt“: I Shot The Moon„. Another Poems greift nun wieder etwas auf Geschichte zurück. Das Konzert ist oben angeschlagen. Virtuell. Hingehen? – Und Achtung: Diese Konzertankündigung wurde nicht „im Scherz geboren“! TATORT „Frannzclub“, vormerken!