79/10: Kleinanzeigen: SängerIn gesucht? Ein schwieriges Unterfangen…bisweilen richtig ätzend (Teil 1)

Ich hab im Moment echt viel zu tun. Ich melde mich später!“ (aus einer Email einer Sängerin)

Ach ja, seufz. Das ist echt ätzend. blackbirds.tv hatte ja schon vor dem großen Website-Relaunch (der Anfang Januar stattfand) von der „wunderbaren Welt der Kleinanzeigen“ ausgiebig berichtet. Gab viele Fans dieser Reihe, die aus voller Brust zustimmen mochten. Wer Kleinanzeigen liest, kriegt krauses Haar, ein Grund, warum eine alte Release (Ausgabe) der famous, xtraordinary blackbirds.tv (eine Coverband mit anarchischem Zuschnitt) stets mit schwarzen Kunsthaar-Afroperücken auftrat.

Nicht alle allerdings: Wenn’s zu heiß war bei einem Auftritt, trennte sich die Spreu vom Weizen. Olaf, Schlagzeuger von Second Live, kann da zitiert werden: „Auf der Bühne erkennt man die wahren Steher“, sagt er und meint diejenigen, die bei jedem Wetter die Perücke konsequent tragen. Die Perücke tragen, das ist ein Statement, ein Bekenntnis. Sänger und Sängerinnen zu suchen: ein Scheißjob! Ehrlich. Doch jetzt gibt es eine Lösung, die das Ergebnis konsequenten Nachdenkens ist. Und Erfahrungen geschuldet ist, von denen wir weiter unten berichten. Zuerst einmal zum Kern dieses Beitrags.

(Für eilige Leser: Sänger & Sängerinnen): Zum Kern dieses Beitrags

Für eine neue Release (Ausgabe) der xtraordinary, famous blackbirds.tv sucht die Redaktion nach ein oder zwei Sängern/Sängerinnen, die Lust haben, ein „funkorientiertes“ Programm mit Avancen in den Soul, Pop und „zu gutem Groove“ auf die Beine zu stellen. Neu ist die Art und Weise, wie diese Suche jetzt vonstattengehen wird. In dieser Woche haben einige Musiker sich in einem Proberaum zusammengefunden und ein bisschen gejammt. Es wurden so Audioschnipsel erstellt, die man als eine Art repräsentativen Klangteppich deuten darf. Das Zeug durchzuhören, wird Erkenntnisse zeitigen: isn´t it a good groove? Nö, nicht? Gut, einfach wieder abschalten. Demokratie pur. Zur Klarstellung:

Das ist kein fertiger Song. Das ist eine Jamsession, das Ausprobieren einer Line, die sich verändert und an der rumgefummelt werden sollte, wenn Sänger und/oder Sängerin(nen) hinzukommen. Ganz zu schweigen davon, dass auch der Bläsersatz, der noch fehlt, gern drauf drüber funken dürfte…one after another…

Wem’s gefällt, nein besser, wer sich vorstellen kann, dass das Gehörte aber ausbaufähig sein könnte oder anders rum: wer eine Vorstellung hat, dass man da sogar drüber singen könnte, der ist herzlich eingeladen, sich zu diesem Soundschnipsel ein paar Gesangsentwürfe zurecht zu legen. Gesangsmelodie, gesungen, gerappt, ge-aneinandergetextet, die gute Idee, die „hookline“, die ihr aussucht, ist herzlich willkommen. Besser noch: stellt euch alternativ mehrere Entwürfe dafür zusammen. Etwas einüben. Und wenn ihr das Gefühl habt: okay, könnte man machen, dann meldet euch einfach: Schickt uns eine Email, Euren Namen, ein Foto, eure Kontaktdaten (Telefonnummern, bei Bedarf mehrere) und wir verabreden eine weitere Session, wo wir das Zeugs (und weiteres) mit euch spielen.

Mal sehen, ob sowas konkretes und handgreifliches besser funktioniert? Warum wir das tun?

Erfahrungsbericht aus der letzten Woche Sängersuche

Aufgrund einer „handelsüblichen Kleinanzeige“, die seit Wochen im Netz hängt, bewarben sich zwei Frauen, unabhängig voneinander. Beide beabsichtigten, Sängerinnen einer Band zu werden. Beide „30plus“, also sagen wir Frauen. Beiden wurde der Zugang zu Audiofiles ermöglicht, um rein zuhören.

Die eine nennen wir mal Natascha (* Name geändert). Natascha hat mehrere Profile bei myspace. Darunter auch eins mit Audiobeispielen, wenn sie singt. Gut so. Okay, denken wir, das geht eventuell. Mal sehen. Sie will vorsingen, sagt sie. Man vernetzt sich auf üblichem Weg. Ein bisserl Myspace, ein bisschen facebook. Ein bisserl Email. Man telefoniert sogar! Das ist schon gar nicht mal so wenig. Beschließt dann, in Kontakt zu bleiben. Schließlich ist es soweit: alle Voraussetzungen sind da und die Band mitgliedermäßig aufgestellt, nach wenigen Tagen. Natascha hat eine große, schnell wachsende Freundesgemeinde, fällt einem auf. Jeden Tag X neue Freunde. Na gut. Sie bekommt eine Email: Jetzt ist es so weit: Dienstag. Sie antwortet, damit ist sie noch eine Ausnahme. Denn viele antworten dann nicht einmal. Sie sagt, sie sei ein bisschen erkältet und da könne sie nicht singen. Gut, ein andermal. Sie meldet sich, sagt sie. Sie meldet sich aber nicht, andererseits: Jeden Tag ist sie fast rum die Uhr online und schließt jede Menge neue Freundschaften ab. Doof, das man das sieht. Irgendwann fragen wir nochmals an: Was ist denn nun? Sie antwortet wieder, sie ist zuverlässig: „Im Moment habe ich so viel zu tun.“ Okay, die Geschichte ist kurz abgeschlossen: Es wird uns schwierig fallen, ohne sie auszukommen, aber wir werden es erst mal versuchen.

Die andere Sängerin nennen wir Anastacia (* Name geändert). Als sie auf die Anzeige antwortet, bekommt sie sofort Antwort. Eine Woche lang geschieht nichts. Dann schickt sie ein zweites Mal eine email und sagt, sie hätte sich schon mal gemeldet und sie schreibt, sie hat „die Voice“ für sowas. Und das wir uns melden sollen. Wir antworten ihr nochmals und sagen, wir hätten geantwortet, aber sie hätte sich nicht gemeldet. Zusätzlich greifen wir ihr Myspace-Profil an und addieren sie als Freundin. So bekommt man Freundinnen zuhauf. Bullshit.

Das klappt aber. Inzwischen hat sie vier Nachrichten, drei davon mit der inständigen Bitte, eine Telefonnummer mitzuteilen oder selbst anzurufen. Einmal hat sie auch geantwortet, gesagt, sie ruft an, vielleicht schon heute, schreibt sie, oder in ein paar Tagen. Seit mehr als einer Woche ruft sie nicht an.

Sänger und Sängerinnen, das ist offenbar ein ganz schwieriges Kapitel. Als ich es den anderen schildere, lachen wir alle. Alle sagen, mit Sängern und Sängerinnen, doch das ist eine andere Geschichte. Auf die beiden und „solche“ habe ich jedenfalls „null Böcke“ mehr. Ja mei, mir lex am Arsch, scheiss Gelump, verrecks…(würden die Bayern sagen).

Weiterführend

3 Gedanken zu „79/10: Kleinanzeigen: SängerIn gesucht? Ein schwieriges Unterfangen…bisweilen richtig ätzend (Teil 1)

  1. Hi Tommy, das ist ja „unbelievable“! Ich erlebe das oft mit anderen Musikern, aber das Sängerinnen so blöd sein können. Gerade die russischen Vertreterinnen der Sangeszunft scheinen sich schwesterlich „verbrüdert“ zu haben! Ich empfehle dringend einen einheitlichen CASTINGTERMIN ins Internet zu stellen, damit das obligatorische Zickengen angeregt wird, mal ordentlich Engagementenzin (von der russischen Wissenschaftsmaffia neu entwickelter Botenstoff zur Ankurbelung weitestgehend abgestorbener Gehirnzellen bei Sängern!) zu produzieren. Ick drück Dir janz feste beide Däumchen. Claudi aus Spandonien

  2. Hi Claudia, danke für dein Statement. Mit den Russinnen habe ich allerdings noch wenig Erfahrung. Weder Ukrainerin, Polinnen noch Spandonier haben sich bislang gemeldet. Aber wat nicht ist, ….

  3. Pingback: http://blackbirds.tv – Berlin fletscht seine Szene » 209/10: SängerIn gesucht? Ein Erfahrungsbericht aus der Berliner Musikszene

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