Di. Dez 6th, 2022

#49 ist das neue #19 – Wie Jahre die Sicht verändern, aber nicht die Liebe zur Musik

Streng gibt es ein Begeisterungsverbot im Rezitieren alter Herrlichkeit. Wegen Urheberrechtsschutz ist fragwürdig, ob es sich um eine Verletzung der Rechte Dritter handelt, wenn man eine Plattenhülle öffentlich herzeigt. Dass man sich mit einer von John Lennons und Yoko Onos Album Plattenhüllen (Two Virgins z.B.) Ärger einfangen konnte, war früher weltweit bekannt. Das Cover wurde dann in Packpapier neutralisiert. Paul und Linda McCartney, schwarze Sträflingskleidung, Suchspot(t) der Wachtürme. James Coburn und Christopher Lee, zwei Schauspieler sind dabei und unten links Denny Laine, ein gerade noch verbliebenes Mitglied von Paul McCartney & The Wings. Über frühere Alben und ihre Entstehung kann man heute noch blühende, fantasievolle Geschichten erzählen. Ganz anders später. Als ich im Tränenpalast an der Friedrichstr. in Berlin bei einer Gelegenheit den Weltkasse-Drummer Terry Bozzio zu seiner Zusammenarbeit mit Steve Vai (1991) beim Kultalbums „Sex & Religion“ befragte, wie denn die Zusammenarbeit konkret ausgesehen habe, sagte er nur und kürzte damit das Storytelling brüsk ab: „Wir haben uns gar nicht gesehen. Wir haben uns die Bänder hin- und hergeschickt.“ Wie langweilig. 🙂 – In Vietnam it was #19 – Hä?

Band on the Run war meine allererste Paul McCartney. Ich saß als Jungspund im Kino und schaute Leben & Sterben lassen (James Bond), mit Roger Moore. Mein erster James Bond im Kino. Mann, war das geil. Was nun die Musik im Vor- und im Abspann des Films anging, darf ich der Einfachheit auf den obigen Herrn und George Martin verweisen, die diesen Filmtitel ausbaldowerten. Der Song war gar nicht auf dem Album Band On The Run. Ich wusste 1973 (Ich war 11) noch nicht viel, ich wusste, „Der Typ war früher bei den Beatles gewesen?“ – Nachdem ich diese Platte hatte, gehörte sie zu meinen Meistgehörten. Ich hatte auch noch nicht so viele, so war das gar nicht so schwer. Dafür kannte ich alle Songs total auswendig und auch die Reihenfolge der Songs prägte sich für immer ein. Wie oft hörte ich die Platte.

Das war früher so, man hörte ein ganzes Album, aber nicht nebenbei, sondern das Hören war die Hauptsache. Dazu konnte man sich hinsetzen, hinlegen undsoweiter. Später hörte ich noch (sehr viel später), Paul war mit Linda in der Karibik im Urlaub und sie trafen während ihres Urlaubs u.a. Dustin Hoffmann, der dort gerade drehte. Und da lag eine Zeitung herum und sie berichtete von Picassos Tod und welche seine letzten Worte gewesen waren. „Drink to me drink to my health, You know I can’t drink anymore.“ Der Song „Picassos last words“ ist auf dem Album. Dustin Hoffmann lernte an diesem Tag, es ist wahr: McCartney kann jeden Tag einen Song schreiben, allein aus dem Studium der Tagespresse. So wie auch das ganze Album hieß: Wahrer Fakt. Die gesamte Band Wings hatte Paul verlassen, sodass er das Album fast allein aufnahm in Afrika, mit Linda zusammen und mit Denny Laine. Hach, das Album geht mir so sehr zu Herzen. Kann ich mir mit einem aktuellen gar nicht mehr vorstellen. Schade, eigentlich.

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