232/10: BandSoziologe: Zustandsbeschreibungen aus dem Bandalltag #Hype erzeugen

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Einige leben intensiver! Weil sie mehr verlangen…. (aus der älteren Coca-Cola-Werbung)

Beziehungsstatus: Es ist schwierig. So lautet eine einstellbare Statusmeldung zur eigenen Beziehung bei facebook. Und das trifft auch auf den Status als Bandmitglied in einer Band aus mehreren Musikern zu. Schwierig, schwierig. Es gibt sowas wie Gruppendynamik.

Gruppendynamische Prozesse. Die einen, die sind so, die anderen, die sind anders. Und manch einer schlägt komplett aus der Reihe. Musik machen wollen sie alle, die einen wollen mehr erreichen, die anderen weniger.

Sie haben die Band erst kürzlich zusammengewürfelt. Es hatte sich durch Zufall so ergeben, dass sie nun zu fünft als Stamm- bzw. Kernmannschaft zusammen waren. Ihr Plan, das war ein Bandprogramm aus fremden (Cover-)Stücken und aus eigenem Material, Richtung Funk, tanzbar, groovend. Kein Dogma, aber eine Art roter Faden.

Und dann begannen die Proben. Zuerst spielten sie nur Sessions. Alles wurde aufgenommen. Probe für Probe, Rehearsals, recorded live. Kam viel gutes Zeug bei raus, so Sachen, die man sich hinterher gern anhörte. Alle waren begeistert vom „gewissen Etwas“, vom „common spirit“, positive Energie floss aus allen hörbaren Kanälen. Und als zufällig bei einer Geburtstagsparty ein begnadeter Sänger als Fünfter hinzukam, der sich dazu auch noch auf dem Keyboard zu begleiten wusste, erschien einem das als Lottogewinn.

Die ersten Proben zu fünft verliefen sehr erfolgversprechend. Sie coverten erste weltbekannte Stücke mit gutem Ergebnis. Schon bald schlug der Schlagzeuger vor, dass man jetzt Ende August einen ersten Gig veranstalten solle. Eine Website der Band sollte mit ansehbarem Referenzmaterial bestückt werden. Das Problem: Stücke von weltbekannten Stars spielen, das ist heikel im öffentlichen Gebetsraum des Internets. Nicht umsonst hat selbst youtube inzwischen einige Meinungsverschiedenheiten mit den verbeamteten Urheberrechtsschützern, die noch gar nicht in der neuen Zeit angekommen sind.

Für einen Auftritt, von dem hinterher vorzeigbares Material auf Websites gezeigt würde, so der Schlagzeuger, müsse daher auf jeden Fall ein gewisses Quantum neue, eigene Stücke her. Nur die könne man vorzeigen. Außerdem versaue sich jede Band schnell ihren Ruf, wenn sie im wesentlichen Covermaterial vorzeige. Sie sei dann eben schnell „nur eine Coverband“. Hier drifteten bereits die ersten Meinungen stark auseinander. Während der Schlagzeuger meinte, man müsse mindestens sieben bis zehn eigene Stücke vorzeigen, verwies der Bassist auf das Unmögliche, bis Ende August eine derart große Zahl von eigenen Stücken einzuspielen.

Gottseidank hatte der Sänger bereits eine DemoCD mit vierzehn vorzeigbaren Stücken vor kurzem aufgenommen. Sänger und Schlagzeuger erarbeiteten daher „hinter den Kulissen“ für die anderen Bandmitglieder Transkriptionen, schriftliche Ausarbeiten von Songsheets (Ablaufplan, Akkorde, Lyrics) der Stücke. Aktuell stand jetzt die Gruppe schon bei Stück Nummer Sieben (eigene Stücke), insgesamt sollten achtzehn Stücke aufgeführt werden. Drummer und Sänger beschlossen, das reicht aus.

Nun meldete sich wieder der Bassist. Er habe von vornherein gesagt, dass maximal drei eigene Stücke realistisch seien. Die Band hatte aber schon fünf eigene Stücke fertig. Die ganz neu Übersandten ergänzten das Programm auf sieben eigene Nummern.

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Es geht um Leistungsbereitschaft: Wie viel Stücke schaffen wir uns drauf. Kein Problem, noch fünfzehn weitere, aber wozu? Es geht um Kompromissbereitschaft: Sind die Stücke, die auf die Schnelle herbeigeschafft wurden, auch stilsicher, genau die richtigen Stücke? Gefallen sie? Es geht um Gruppendynamik: Gibt es in der Band zwei Chefs, die den Orgakram in täglicher, mehrere Stunden langer Kleinarbeit noch rechtzeitig herbeischaffen und den anderen „übersemmeln“? Wie stark dürfen die anderen mitreden? Dürfen sie das überhaupt? Oder sollen sie großzügig herangehen und notfalls eben Dinge spielen, die man spieltechnisch bewältigen kann, aber dafür sind sie eben nicht ganz 100%?

Wie erzeugt man einen bandinternen Hype, eine Euphorie, einen gemeinsamen, festen Willen zum Erfolg? Etwas wo alle freiwillig mitmachen, weil sie wissen, das wird gut, saugut? Und nichts anderes ist möglich als genau das….

Fällt die Band in ein Stilloch, aus dem sie dann nicht mehr herauskommt?

Deutlich treten die Unterschiede in der Natur der beteiligten Personen zutage:

Es gibt Optimisten in der Band, die sagen, es gibt ein Ziel und das schaffen wir.

Und es gibt Pessimisten in der Band, die sagen, was wir uns da vorgenommen haben, das schaffen wir nie.

Immer wenn ich sage: Komm, wir machen was, sagt er: So nicht! (Gedankenblitz eines Schaffenskräftigen, Optimisten)

Welche Fraktion hat Recht?

Um einen raschen Riesenschritt zu tun, muss man in den Details nicht verliebt sein, sondern in die Struktur des Ganzen! Man muss erkennen, an welchen Stellen man schlicht mal „die Fresse hält“, um in Riesenschritten voran zu kommen. Dann wird man Riesenschritte gehen und erfolgreich sein. Die Zweifler und Haderer müssen sich zurücknehmen, sonst ist es Essig mit dem Erfolg des gemeinsamen Projekts. Für Zweifel und Abänderungen ist Zeit nach dem Gig, nicht vor dem Gig!

Im Moment steht es unentschieden. Interessant aber ist: die Pessimisteneinstellung drückt aufs Gemüt und lähmt die Schaffenskräftigen, weiterhin konsequent am unbedingten Erfolg der Band zu arbeiten. Stillstand. Der Hype hat nicht alle befallen, einige schauen nur passiv zu, was passiert und melden sich immer dann, wenn sie glauben, eigene Festhaltepositionen zur Gewinnung von Oberwasser an den Mann bringen zu können.

Seid Öl, nicht Sand im Getriebe der Welt!

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