2154-26 – #Scaps – Dystopia #2026 – Sagen, was ist (Rudolf Augstein) – Krieg der Meinungsbanden auf Social Media

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Dystopia #2026 - Sagen, was ist. (Rudolf Augstein) #GeorgeOrwell #1984 #Dystopia #TulipKI #Tulipstagram
Dystopia #2026 – Sagen, was ist. (Rudolf Augstein) #GeorgeOrwell #1984 #Dystopia #TulipKI #Tulipstagram (aufs Bild klicken)

 

Ich habe abgewogen. Mit einem SPIEGEL-Abo hadere ich. Immer wieder. Ich habe nicht genügend Zeit, mich intensiv als Leser und passiver Konsument zu betätigen. Es gab und es gibt immer wieder Veröffentlichungen, die ich wie mit einem Grenzflächenmikrofon wahrnehme. Manches hat einen Sound des unglaublich Unerträglichen. Jawoll, man kann trefflich über den SPIEGEL streiten. Ich fasse das Medienangebot aus HH nicht als Anschlag auf allerbeste Demokratie auf oder gar als agitatorische, interessengeleitete Hetze. Eine solche Institution hat zu sagen, was ist. Punkt. Folglich sitze ich wie Vincent 1948 in der verrotteten Empfangshalle beim Spiegel (mit KI) und direkt in der Fantasie des kränklichen George Orwell, der wie kein anderer kurz nach dem Zweiten Weltkrieg selbstreflektorisch fiktionierte. Weltkrieg II vorbei, Kommunist Orwell hatte im spanischen Bürgerkrieg mitgewirkt. Ganze große gesellschaftliche Skizzen von Tragweite und tiefer Beobachtungsgabe: In wenigstens den Büchern „Farm der Tiere“ und „1984“ beschrieb Orwell ein widersprüchliches Zerrbild menschlicher Widerlichkeit, wahnwitzige Unterdrückungsapparate und Strukturen von so großer Bösheit, dass man ihn nur als einen bedeutsamsten Schriftsteller seiner Zeit betrachten kann. Wer Orwell nicht gelesen hat, hat große Fehler begangen. Allerdings muss man ihn auch verstehen. Die Zeit hat sich weiterentwickelt, wie sich Zeit weiterentwickelt. Es wird kein zweites III. Reich geben. Das Böse wiederholt sich niemals deckungsgleích. Die braune Masse lebt und klebt, sie lernt aus Fehlern und wappnet sich für Größeres. Die Linken sehen nicht, wie sie ihnen dabei helfen. Dabei sind die Klügsten aller Reußen stets Linke gewesen. Ein unauflöslicher Widerspruch.

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Im Jahr 2026 wurde die Lage für den aufgeklärten Journalismus endgültig existenzbedrohlich. Im Netz rotteten sich die Menschen zu ideologischen Meinungsbanden zusammen. Sie duldeten Berichterstattung nicht mehr, wenn sie nicht mit ihrem zerrütteten Weltbild übereinstimmte. Vincent (Bild) beobachtete den Verfall von einer alten Bank aus, umgeben von Trümmern einer Epoche, die einst auf die Macht des geschriebenen Wortes vertraut hatte.

Die Netze waren voll wütender Mantras. Unaufhörlich zerrissen die Banden Arbeiten der verhassten Presse, veröffentlichten Hassreden und gaben private Adressen derer zur Jagd auf sie preis, die Nachrichten und Infos kuratierten, Hintergründe vermittelten. Es galt das unerbittliche Gesetz des Lautesten: Wer am lautesten schrie, behielt recht. Die Wahrheit war kein Auftrag, keine Berufung und kein beharrliches Werk von Fleiß, Verstand und Gewissen, sondern ein Ärgernis.

Bald schloss sich die Organisierte Kriminalität den Banden an – politische Ausrichtung war gleichgültig. Unaufhörlich lagen rivalisierende Gruppen im Krieg miteinander. Der entfesselte Kapitalismus hatte die Menschen stumpf gemacht; Bildung und Kultur versanken im Chaos. Die Fähigkeit, Gut von Böse zu unterscheiden, ging verloren. Jede Debatte war von erbittertem Hass geprägt. Nachdenkliche Sätze wie „Da muss ich noch mal überlegen“ oder „Das muss ich auf mich wirken lassen“ galten als Verrat. Stattdessen sicherten Clanbosse ihre Claims. Es herrschte ein Krieg aller gegen alle. Russland war nicht unbeteiligt.

Tote blieben nicht verschont. In Keitum auf Sylt besprühten Kriminelle den Grabstein von Rudolf Augstein – dem Verleger und FDP-Bundestagsabgeordneten (1972–1973) – mit roter Farbe und der Schmähung „Kommunistensau“. Es war der Beginn der großen Dystopie von 2026, dem Vorboten der rechtsradikalen Machtergreifung im Jahr 2028. Der berühmte Satz des Spiegel-Gründers wurde schließlich verboten – und mit ihm das Bestreben, „zu sagen, was ist“. So wurde 2026 der Weg bereitet für eine neue, finstere Zeit. 1948 war 1984 entworfen worden, 2026 wurde 1984 zur modifizierten, bitteren Realität. Niemand bemerkte die Manipulation der Kapitalisten, die die Gefühle ahnungsloser, überforderter Menschen einlullten mit wertlosem Tand und billigproduziertem Wohlstandsbohei von TEMU und ALIBABA, der flugzeug- und containerweise aus Fernost eingeflogen wurde. Brot & Spiele, Opium fürs Volk.

Elon Musk verhalf einer deutschen Partei an die Spitze und finanzierte deren Dienstwagen, Mark Zuckerberg zahlte pro forma Milliardenstrafen, seine Aktienwerte schossen vierfach in die Höhe. Donald Trump wurde an der Costa Gaza in ein Strandresort einquartiert und spielt seitdem Monopoly um den Golf von Persien. Barron Trump wurde 48. Schattenpräsident der Vereinigten Staaten von Amerika unter Weisung von Musk und Zuckerberg.

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Auf Facebook tobt ein beherzter Krieg gegen die Journalisten vom SPIEGEL. Die Art und Weise, wie irgendwelche grauen Männchen von der Zeitsparkasse in die Arbeit der Journalisten angreifen, um sie zu schmähen und zu verreißen, sieht besorgniserregend aus. Mit den Mitteln eines gescheiten, gesunden Menschenverstands lässt sich dieses kaum ertragen. Vielmehr scheint sich jetzt eine Art Meinungsstalinismus herauszubilden, ein War of Opinion, der mit sorgfältigem Journalismus nichts zu tun hat. Schließlich geht es in der Medienberichterstattung zuallererst einmal nicht um Meinung, sondern um Wissensvermittlung, Recherche, Sorgfalt und Realität, die abzubilden zu den hohen Künsten gehören dürfte. Immer quatscht irgendein Idiot dazwischen, brüllt die Anderen nieder und fordert Kadavergehorsam. Letztlich gehören solche Gesichtspunkte nicht in einen sorgfältig kuratierten Journalismus. Vielmehr sind dieses Folgefragen einer freien Berichterstattung. Der Spiegel hat sich die Veröffentlichung des Interviewentwurf mit Elif Eralp alles andere als leicht gemacht, wie nachzulesen ist.

Wenn nun vermeintiche Wortführer des öffentlichen Diskurses umso größer das Wort schwingen, so dürfen sie das ausdrücklich. Sie sollten nur nicht verwechseln, was es ist. Es ist Meinung, Haltung, Ethik und Männeken Piss am Demokratiebrunnen vor dem Parlament. Wie schön, dass das noch möglich ist. Diese blöden Sprüche „Die sollen erstmal arbeiten gehen“ sind sicher passé. Nein, die dürfen das. Allerdings sollte man ihnen das einräumen, was sie damit verdienen: Irrelevanz. Der Spiegel ist seiner Aufgabe vollkommen unbedenklich und wohl abgewogen nachgekommen. Grüße nach Hamburg gehen raus.

In einer selbst gewählten Liebesbeziehung zum Vermächtnis von Rudolf Augstein. Hier stand ich einst auf Sylt an den Marken meiner Tage. Nur wenige andere Medienhäuser haben vergleichbare Reputation erlangt. Dass dieses alles zunehmend der Zerstörung anheim fällt oder man wenigstens beherzt versucht, es zu zerreden, hängt mit dem Zeitgeist der Moderne und einem Maß an gesellschaftlicher Verwahrlosung und Zerrüttung zusammen, das man gut beschreiben kann. So lange man noch sagt, was ist.

Dem ist nichts hinzuzufügen.

(Dieses Stück ein Kommentar. Kein Journalismus. Die Benutzung des Kopfs und dieser Website ist kostenfrei, umsonst, aber nicht vergeblich.)