

GAS, wer kennt sie nicht. GAS, das ist eine ziemlich fiese Krankheit, welche vor allem Fotografinnen und Fotografen befällt. Man erkrankt erst ganz unbewusst daran und wenn man es merkt, ist es meist schon zu spät. – schreibt Christian Leipner (Link unten)
Es ist die erfolgreiche Kurzgeschichte seiner Genesung, die Anlass gibt, wissenschaftlicher auf GAS zu blicken. Denn die Inspirationsquelle heißt Walter Becker, Gitarrist von Steely Dan und soll auf diese Weise im Ursprung verbrieft sein.
Das „Gear Acquisition Syndrome“ (G.A.S.) ist eine humorvolle Bezeichnung für den zwanghaften Drang, Ausrüstung und Instrumente zu kaufen, zu sammeln oder zu horten – oft, obwohl man sie gar nicht braucht.
Was ist G.A.S.?
• Der Ursprung: Der Steely-Dan-Gitarrist Walter Becker verwendete den Begriff erstmals 1996 als „Guitar Acquisition Syndrome“. Später wurde er auf „Gear Acquisition Syndrome“ ausgeweitet und bezieht sich nun auf alle Arten von Ausrüstung.
• Die Grundüberzeugung: Die Betroffenen glauben, dass der Kauf neuer Ausrüstung sie sofort kreativer oder geschickter macht.
• Häufige Hobbys: Betroffen sind Menschen in den Bereichen Musikproduktion, Fotografie, Laufen und Filmproduktion.
Kreislauf von G.A.S.
• Unzufriedenheit: Man ist mit seiner aktuellen Ausrüstung unzufrieden.
• Recherche: Man verbringt Stunden damit, Testberichte zu lesen und Optionen online zu vergleichen.
• Kauf: Man kauft den Artikel und verspürt dabei einen Rausch der Begeisterung.
• Schuldgefühle: Man bereut das ausgegebene Geld.
• Rückfall: Die Zufriedenheit schwindet, und der Kreislauf beginnt von Neuem.
So stoppst du G.A.S.
• Social Media einschränken: Halte dich von Plattformen und Videos fern, die neue Produkte anpreisen.
• Ungenutzte Ausrüstung einpacken: Packe Ausrüstung, die seit einigen Monaten nicht mehr benutzt wurde, weg, um zu sehen, ob sie vermisst werden.
• Vorhandene Ausrüstung nutzen: Konzentriere dich darauf, die Ausrüstung, die du bereits besitzt, zu beherrschen, anstatt nach Upgrades zu suchen.
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Gear Acquisition Syndrome (G.A.S.) trifft Musiker besonders hart, da die Musikindustrie ständig neue klangliche Versprechungen macht. Oft verwechselt man dabei den Kauf von Werkzeugen mit dem eigentlichen kreativen Prozess.
Hier ist, wie sich G.A.S. spezifisch bei Musikern äußert und wie du damit umgehen kannst:
Typische Formen von G.A.S. bei Musikern
• Gitarristen & Bassisten: Die unendliche Suche nach dem „perfekten Ton“. Das äußert sich meist in einer Flut von Effektpedalen (Stompboxes), Kabeln, Amps oder der fünften Gitarre, die „nur minimal anders klingt“.
• Produzenten & Keyboarder: Das Anhäufen von Synthesizern, MIDI-Controllern und Studio-Monitoren. Oft stapeln sich die Geräte, während am Ende doch alles mit der Maus in der DAW bedient wird.
• Sänger & Podcaster: Die Jagd nach dem perfekten Mikrofon oder Vorverstärker (Preamp), in der Hoffnung, dass die Stimme dadurch sofort professioneller klingt.
• Das Software-Problem: Unzählige VST-Plugins, Sample-Packs und Software-Synthesizer, die bei Sales (wie dem Black Friday) gekauft und danach nie geöffnet werden.
Warum Musiker so anfällig sind
• Die Inspirations-Falle: Wenn dir eine kreative Blockade zu schaffen macht, fühlt sich der Kauf eines neuen Instruments wie ein Neustart an.
• Youtube-Review-Kultur: Sogenannte „Gear-Kanäle“ zeigen perfekt produzierte Videos. Man vergisst leicht, dass dort Profis in optimierten Räumen spielen.
• Die 10%-Illusion: Man glaubt, das neue Equipment würde die letzten 10% zum perfekten Song ausmachen. Meistens liegt es aber am Songwriting oder der Übung.
Strategien speziell für Musiker
• „One In, One Out“-Regel: Für jedes neue Pedal oder Instrument, das du kaufst, musst du ein altes verkaufen. Das zwingt dich zu Prioritäten.
• Kreative Einschränkung (Artificial Scarcity): Nimm dir für den nächsten Song bewusst vor, nur drei Elemente zu nutzen (z. B. nur eine Gitarre, ein Amp, kein Hall). Limitierungen fördern oft die größte Kreativität.
• Die „Deep Dive“-Herausforderung: Nimm ein Plugin oder ein Effektpedal, das du kaum nutzt, und lerne jede einzelne Funktion auswendig. Versuche, ihm Sounds zu entlocken, die du so noch nie gehört hast.
• Deinstallieren statt Kaufen: Lösche alle Plugins, die du im letzten halben Jahr nicht genutzt hast. Ein aufgeräumter PC senkt die Reizüberflutung.
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