Michi Hartmann (Foto: Privatarchiv)

1384/16: Positionen: Als Frau auf Session, erlebt Michi Hartmann krassen Scheiß! Krasser Scheiß, krasse Session, krasse Gitarren!

Michi Hartmann (Foto: Privatarchiv)

HOLY SHIT oder warum ich zur Emanze wurde
2. April 2016 – Text: Michi Hartmann

Samstag nacht: Ich bin auf eine Jamsession gegangen. Eigentlich sollte ein Konzert stattfinden, ich war eingeladen, aber die Band kreuzt nur teilweise auf. Ich werde den Leuten vorgestellt als Gitarristin, spiele ein bisschen auf dem vorhandenen Instrument, alle Jungs sind erst mal megageflasht, vor allem weil es afrikanische Musik ist und ich weiss bin. Ich sage, Musik hat keine Farbe und jeder Mensch kann alles lernen.

Der Sänger sagt, es ist das erste Mal in seinem Leben, dass eine Frau für ihn Gitarre spielt und er ist nicht mehr jung. Naja, denke ich, geh mal woandershin, da findest du auch Musikerinnen, aber stimmt ja, es gibt nicht so viele. Wir spielen. Die Leute sind begeistert, die Session rockt, die Leute sind voll baff, weil ich spielen kann und locker mithalte obwohl ich auch noch blond bin.

Gitarrengriff: Schiß-Moll

Gitarrengriff: Schiß-Moll

Bitte gebt uns eine Chance und lasst das Telefon ausreichend lange klingeln, um das Werkzeug abzulegen, das Instrument zu sichern und dann im Hechtsprung zum Telefon zu sausen und dann tatsächlich jemanden an der Strippe zu haben 🙂 Am allersichersten ist es, eine mail zu schreiben, die kommt immer an, manchmal hört man leider das Telefon nicht – wenn z.B. die Hobelmaschine läuft. (Auszug aus der Website von Krasse Gitarren, Link unten)

Erst steige ich auf den Groove ein, finde passende Akkorde auf anderen Frequenzen und picke im Afrostyle-Dreifingerpicking, so dass die Gitarren sich schön ergänzen, der Sänger spielt auch Rhythmusgitarre. Dann spiele ich das ein oder andere Solo, kommt gut. Ein Schlagzeuger steigt ein, der ist klasse, ich setzte mein kleinen Akkordpaketchen auf seine Snarefigur. Ich gebe auch mal was vor, der Percussionist erzählt zu meinem Pattern kleine Geschichten mit den Fingern auf seiner Trommel, ein super Musiker, der hammergut zuhören kann, eine Freude, mit solchen Leuten zu jammen.

Pause. Alle erzählen mir, wie geil ich Gitarre spielen kann, ich freue mich. Dann geh ich raus rauchen. Ein Musiker fängt an, mir seine Liebe zu erklären. Ich sage, keine Chance, ich will Musik machen und nicht Männer fangen. Wir gehen wieder rein, die Session geht weiter. Der Musiker ruft zu seinem Kumpel: ein Monat mit dieser Frau und ICH bin Millionär … tatsächlich, und was ist mit meiner Kohle? Ich krieg nix?

Jetzt wollen alle mit mir spielen, leider sind auch paar dabei, die es gar nicht draufhaben, es wird total chaotisch. Ich höre erst mal auf, die anderen lärmen weiter. Der Percussionist ist toll, die anderen, die sich eingeklinkt haben, machen alles kaputt, weil sie sich aufführen wie die Gockel und sich produzieren, dabei können sie gar nichts. Vielleicht sind sie auch einfach schon zu betrunken, der Alkoholpegel scheint mir ganz schön hochgeschnellt zu sein. Ich versuche, wieder einen Groove mit dem Percussionisten zu entwickeln – unmöglich. Ich halte die Gitarre, aber spiele nicht mehr. Dann kommt plötzlich ein total besoffener Typ vom Lärm genervt und sagt – nicht etwa zu den randalierenden Leuten – nein, zu mir: wenn man es nicht kann, soll man es lassen. Ich habe keine Lust, mit ihm zu diskutieren, denke, was für ein Arschloch, ich bin für dich ja wohl total die falsche Adresse, es reicht mir und ich packe die Gitarre ein. Aber danke, dass ich deine Projektionsfläche sein darf.

Ich geh raus, will rauchen. Der liebestolle Musiker kommt mit und fängt an mich zu belatschen – wenigstens ein Kuss …. ich sage nein, nein, nein. Er wechselt die Seite vom Tisch, setzt sich mir gegenüber und beugt sich zu mir. Ich denke, er will mir was erzählen und beuge mich vor, um zuzuhören. Er schiebt mir seine Zunge in den Mund. Ich fahre zurück, leider habe ich sein Vorhaben nicht schnell genug gepeilt … Ich möchte ihm gerne eins in die Fresse hauen, beherrsche mich aber, stehe auf, zische ihn an NEIN und gehe rein. Ich nehme meine Gitarre und gehe nach Hause.

Flugzeugsabotage (gif)

Meine PHANTASIE: „fick dich selber du beschissenes mieses kleines Arschloch, was glaubst du eigentlich, wer ich bin, irgendsoeine Weddinger Nutte, die du dir einfach nehmen kannst? Sogar bei der musste vorher zahlen! Also sogar Gratishure? Was glaubts du eigentlich, wer du bist, der Südseekönig von Berlin, dem alle Frauen sofort zu Füssen liegen und bereitwillig sich in alle Löcher ficken lassen? Und dann in deiner Band spielen für dich, dass du alles Geld kassierst und ich mich nach jedem Konzert wieder bereitwillig in alle Körperöffnungen ficken lasse? Ich trete dich in die Eier dass die platzen, ich hau dir alle Zähne aus der Fresse, ich zerstampfe dich zu Staub“ ….. und das nächste Mal, wenn mir sowas passiert, DANN kriegt der ganz sicher eine geknallt …

‪#‎sexismus‬ ‪#‎belästigung‬ ‪#‎frauenundmusik‬

Text: mit freundlicher Genehmigung von © michi hartmann – Link: personanongrata

Michi Hartmann ist Musikerin durch und durch, Gitarristin und betreibt in Berlin-Prenzlauer Berg eine kleine, sehr feine Gitarrenwerkstatt, in der von Reparaturen über Umbau bis hin zu vollkommen neuen, eigengebauten Instrumenten alles denkbar und möglich ist. Weitere Informationen über Krasse Gitarren findest Du auf dieser Website

Schreibe einen Kommentar