1622/17: Video: Erdmöbel feat. Judith Holofernes – Von der „Hoffnungsmaschine“

This Machine Kills Fascists

This Machine Kills Fascists. (Quelle: Wikipedia, Gitarre von Woodie Guthrie Foto: 08.03.1943)

Gastbeitrag

Autor: Björn Casapietra

Etwas seltsames passiert gerade.

Bin durch Zufall auf diesen neuen Song, auf dieses Video gestoßen.

Eigentlich haben FB-Freunde von mir es gepostet um sich darüber lustig zu machen. „Fremdschämen“, „peinlich“, „wenn ZEIT-Redakteure singen“, „Gutmenschenlied“, „Lied der Dinkeldeutschen“ – all das war zu lesen.

Nun, da ist auf jedenfall was dran. Die Jungs von der Band Erdmöbel hätten ihre Pulloverauswahl bestimmt überdenken sollen.

Aber etwas anderes passiert mit mir. Nachdem ich zuerst auch so dachte, hat mich dieser Song so dermaßen in seinen Bann gezogen… ich weiß nicht, wann mir das zum letzten mal passiert ist. In den vergangenen Tagen hab ich dieses YouTube-Video unzählige Male aufgerufen. Gestern im Tourbus auf der Rückfahrt von unserem Konzert bestimmt alleine 8 mal. Und das erste was ich heute morgen nach dem Aufwachen tat, war nach diesem Video zu suchen und es anzuschauen.


erdmöbel & judith holofernes: hoffnungsmaschine

Erdmöbel sind eine in Münster gegründete und mittlerweile in Köln ansässige Band um den Sänger und Songwriter Markus Berges. Erdmöbels neues Album kommt im Februar 2018. Hier die erste Single. Das Lied für unsere harten Zeiten.

Meine Faszination hat mehrere Gründe.

Aber der Hauptgrund ist definitiv: Judith Holofernes Gesang. Der immer noch so dermaßen EINZIGARTIG und besonders ist, dass es einem die Schuhe auszieht. Alleine ihre erste Strophe, wie sie: „Ja ich hör dich, und ich schwör ich“ singt… sie braucht nur diese 2 Zeilen singen und ich möchte sie küssen und heiraten. Irre. Und dann singt sie im Anschluss „schlaf nie wieder ein“… ihre ganze Stimme, ihr Körper fällt bei diesem „schlaf nie wieder ein“ nach unten. Ich kann das nicht erklären aber keine Sängerin des Landes hat so viel Individualismus in ihrem (ungeschulten) Gesang wie Judith. ich steh so gar nicht auf Deutschpop aber von „Wir sind Helden“ war ich damals ein großer Fan.

Ein weiterer Grund für meine Faszination ist aber der Song selber. Die Moll-Harmonien des Liedes sind schön und was das Klavier da im Refrain macht ist einfach zauberhaft. Die Bläser (mag ich normalerweise überhaupt nicht) passen super zum Song und der Typ in dem roten Pulli, der die ganze Zeit versucht die Leute zu animieren ist so, ja, so niedlich (Judiths Lächeln wenn er das macht tut sein übriges). Überhaupt ihr Gesicht. Wenn der Typ gleich zu Anfang singt: „Erinnere dich, an die Liebe… schreibe ich“…. wie sie bei den Worten „schreibe ich“ guckt… unglaublich reizend.

Noch was. Das Ende des Videos erinnert mich an das Ende des Weihnachtsfilms „Tatsächlich Liebe“, wenn der Film die fiktionale Ebene verlässt, und in die Realität überblendet. Wenn auf dem Flughafen sich nicht mehr die Schauspieler des Films, sondern ganz reale Menschen alle umarmen.

Naja, und schließlich steht auf dem Klavier dann noch: „Diese Maschine tötet Faschisten“ (ziemlich progressiv für so einen „Gutmenschen-Song“) 😉 .

Schönes Lied und Hammervideo.

Heute das Lied des Tages: Hoffnungsmaschine auf blackbirds.tv

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