1756/19: Video: Rammstein und „Deutschland“ – Das Problem bleibt bestehen – Alle reden Kokolores und keiner scheiß Beweid!

„Man hat mancherorts versucht, die dieser ästhetischen Strategie zugrundeliegende Haltung als Ironie zu bezeichnen. Freilich beinhaltet der Begriff der Ironie auch die Fähigkeit zur geistigen Lockerung und Reflexion; beides lässt sich bei Rammstein eher nicht finden. Stattdessen bieten sie – darin liegen ihre unbezweifelbare Genialität und wohl auch die Wurzeln ihres ungeheuren Erfolgs – ein getreues Abbild einer Gesellschaft, die im Kampf aller gegen alle immer weiter zerfasert und die sich gleichzeitig nach einer überindividuellen Kollektividentität sehnt, die diese Kämpfe zumindest zu rahmen und ihnen einen Sinn zu geben versteht.“

Es war deutlich zu hören: Das (neue) Video kommt. Allen Eingeweihten bei Todesstrafe verboten vorab darüber zu schreiben stand fest, hörte man von Brancheninsidern: Sie werden ALLE reden. Jeder redet irgendwas, aber keiner weiß genau Bescheid. Man redet, um dazu zu gehören. Die Sour Crowd: Rammstein ist der Mediencoup großartig gelungen und das Video wird 7millionenfach angeklickt innerhalb nur eines Tages. Die Echozonen der Audiorepublik Deutschland teilen sich in zwei: Die Chillzone, in der sich alle wohlfühlen, die das mögen. Und die Zone der Entsätzen, die wortreich ihr Entsätzen, also ihre nicht vorhandende Sprachlosigkeit artikuzulieren versuchen. Oder ähnlich. Dabei war es Absicht und wer von Euch erlaubt sich, der Gruppe Rammstein ihre Art Redlichkeit vorzuwerfen? Ihr seid, was Ihr immer ward, Randfichten.

Wir müssen uns wieder mehr um eine bescheidene, nicht soo aggressive Sprache bemühen, die nicht verletzt. So verfickt pullerisiert. Wer auf den zweiten und dritten Blick von sich selbst auf das Machwerk achtet, stellt fest, dass Rammstein uns im ersten Shitstorm in eine gedankliche Falle geführt hat. Das war offenbar Teil des Plans.

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1750/19: Positionen: Quo vadis Deutschland?

Maria Steuer - Zwischen Betonstelen! (Foto: Maria Steuer, Privatarchiv)

Maria Steuer – Zwischen Betonstelen! (Foto: Maria Steuer, Privatarchiv)

Wir wissen doch alle nicht so genau, wohin es geht mit Deutschland in den nächsten Jahren. Irgendwo hin. Irgendwann. Apropos Stelen: Deutschland trollt sich und stiehlt sich fort. Verdünnisiert sich. Wir gehen ein Stück des Weges. Links und rechts Beton. Stelen.

Errichter und Betreffende des Holocaust sagen über dessen Gedenkmal, bei zu vielen Menschen sei der Kontext des Denkmals im Zeitpunkt ihres Besuchs nicht sauber genug. Es fehle dieses kontemplative Element, Leute wüssten und spürten, wofür es steht. Für Erinnerung. Dass sich derartiges nicht wiederholen soll. Häufig entstehen hier Sammelsurien eines Besucherdurcheinanders ohne jede Vorbereitung und Spiritualität, wie sie dieser Ort aber verlangt. Wie benimmt man sich richtig?

Nein, das Holocaust-Denkmal ist Opfern gewidmet und was Menschen gegen die Erinnerungs- und Projektionsfläche einzuwenden haben: Sie war wichtig zu schaffen, sie hat feste Verbindung zur Gegenwart und wer immer sie in redlicher Absicht und der Absicht entsprechend durchquert, ist Gleichnisträger der drängenden Frage: Quo vadis, Deutschland?

Nie wieder Braunau. Verstrahltes Deutschland.
Auf die Sozis gehört hätten haben müssen: Selbst in Neuseeland (Christchurch) ist Braunau nicht zu überhören.

Nie wieder.

Die eingeblendete Playlist betrifft die Carpenters und ist insbesondere Karen Carpenter gewidmet, die 1983 im Alter von 32 Jahren starb. Auf arte.tv ist dieser Tage bis zum 06.04.19 eine sehenswerte Doku über Karen Carpenter zu sehen.

Weiterführend

* Too Young To Die: Arte.TV Doku über das Leben von Karen Carpenter