Sa. Sep 24th, 2022
MSP - Meinungen, Statements, Positionen!

icon Positionen

Tommychair

Jennifer Weist ist eine deutsche Sängerin mit deutlich erkennbar viel Konturen. Zu nennen sind eine beeindruckende Erscheinung, viele Tatoos und ein glasklarer Kopf, der Dinge benennen kann. Sie wird in zwei Kategorien in Deutschland gehandelt: Traumfrau. Versus Alptraumfrau. Dazwischen gibt’s nichts. Oder?

Statement

Vor einigen Tagen lief mir ein Video der Band Jennifer Rostock um die stark pigmentiert tätowierte Sängerin Jennifer Weist über den Weg, indem die Band (darunter auch deren Sängerin) aufforderte, mit bestimmten Einzelbeispielen übereinstimmende Ziele von Wählern durch Stimmzettelkreuze für die Alternative für Deutschland zu entscheiden. Ich nehme an, ich muss zur Erläuterung nichts weiter ausführen. Man darf das Video selbst suchen und wird dann schon verstehen. Es beinhaltet eine einfache Botschaft.

Was aus diesem viel angeklickten Song mit einfacher Klavierbegleitung geworden ist, ist wiederum ein guter Außen- und Hohlspiegel der deutschen, verzweifelten Gesellschaft. Es ist ein Hauen und Stechen.

Prince.Tatoo.Tommy.Tulip

Es ist nicht die Ausnahme: Das ist das Regelpaket Deutschland 2016, indem wir uns derzeit befinden. Wir sind in einer Art Massenpsychose und jeder hat Angst vor jedem. Und Hass. Um es klar zu sagen: Für eine derartige Grundhaltung steht die Band Jennifer Rostock in dem Song nicht ein. Sie steht für eine grundgute, deutsche Republik, in der es sich lohnt zu leben. Eben.

Was wir derzeit von der Politik erwarten?

Es sind, nehme ich an, viel zu viele große Baustellen in der Welt, um sich nur ein, zwei Thementeaser herauszusuchen und damit die ganze Verkommenheit der Welt zu entblättern.

Es wird derzeit auch kaum noch von großen Flüchtlingsproblemen geredet werden müssen. Das Ergebnis der Merkelschen Politik war doch gerade, dass dieses Problem des Jahres 2015 sich in 2016 auf eine friedfertige, humanistisch anständige Art und Weise regelt. Es war ein Angebot der Liebe. Realitätsnaher kann man kaum kommentieren, als es Anja Resch getan hat, die subsummierte: Es ist doch eigentlich gar nichts Schlimmes passiert.

Wir haben das wohl geschafft. Tja, Mist aber auch.

Natürlich werden jetzt die Ewiggestrigen und die einfach Gestrickten in ihren Erinnerungen verharren und das Thema künstlich aufrechterhalten. So waren diese rechten Socken schon immer. Sie sind einfach nicht in der Lage, im Hier und Jetzt zu leben. Sie berufen sich auf vergangene Zeiten. Ob es 1933 bis 1945 war? Eigentlich egal: Die Nazischublade ist ausgeleiert. Deutschland wird nicht wieder vergleichbare Erfahrungen machen.

Jennifer Weist (artwork: www.blackbirds.tv)

Große Teile der einfachst gestrickten Bevölkerungsschichten mögen nun Simplifizierer, Vereinfacher, Populisten wählen wollen: Das wird nicht zu ändern sein. Noch geradezu jede derartige Bewegung im Nachkriegsdeutschland hat es auf Dauer nicht geschafft, erfolgreich zu bleiben. Denn regieren macht Arbeit und ist ein harter Kampf, ein Beharrlich sein. Der dieser Tage vom Spiegel inszenierte, vermeintliche Kotau von Angela Merkel vor dem türkischen Erdohahn (Kikeriki!) in der Armenienfrage macht es doch wieder deutlich: Regieren ist ein wirklich schweres Geschäft. Reagieren auf internationale Erfordernisse und Notwendigkeiten nicht weniger. Eine beharrlich kluge und auf Pragmatismus gerichtete Außenpolitik auf der einen Seite und auf der anderen Seite ein Volk von immer mehr simplen Geistern, die nach einfachsten Lösungen geifern, die ihnen irgendwelche uncharismatischen Spießbürgerredner auf Populismusbasis entgegen schleudern.

Leider, leider: Die Welt ist nicht einfach, derzeit.

Derweil blasen geistig gestörte Männer (Frauen sind es nicht) zum großen Halali auf Anja Resch (ARD) und Dunja Hayali (ZDF), diese zwei Vorzeigefrauen für mutigen, ehrlichen Journalismus mit Herz und Verstand. Sie werden eingeschüchtert, als „Judenfotzen“ beschimpft und es gibt Morddrohungen.

So abgehalftert, so verkommen, ist die Bunte Republik Deutschland 2016, nur sind die, die  derartiges schicken anonyme Feiglinge.

Jennifer Rostock (gif)

Bei der Band Jennifer Rostock ist es genauso. Geistige Nachtwächter auf unterirdischem Intelligenzniveau nutzen die Videodarbietung, um mit Hass und widerlichem Abscheu gegen die Frontfrau der Band, die Sängerin Jennifer Weischt zu ejakulieren. Dabei lässt sich unter normalen, halbwegs gesunden Menschen kaum ein vernünftiger Angriff gegen die Band rechtfertigen, die lediglich nur bekannte programmatische Aussagen der AfD aufgreift und sie karikierend ins Gegenteil verkehrt. Was wäre wenn? Nicht mehr und nicht weniger versucht die Band zu beantworten.

Natürlich ist auch die Hasswelle gegen die rechten Vereinfacher groß und starrt vor Angst wie eine Massenpsychose. Kaum jemand ist geduldig genug abzuwarten, ob diese Simpels demnächst in Regierungsverantwortung kommen, wo sie mit einiger Sicherheit zum Scheitern verurteilt sind. Ich habe noch von keiner radikalen Partei in Deutschland after worldwar II gehört, die auf Dauer Bestand gehabt hätte!

Die Aktion von Jennifer Rostock ist eine gelungene Portion Ermunterung nachzudenken. Es ist eben gerade nicht die Menstruation eines German Tittenwunders, wie nicht wenige Hassgegner unzulässiger Weise durcheinander bringen. Die Fokussierung auf die äußerst eloquente, bewunderungswürdige Frontfrau der Band zeigt vor allem eins: Den Sexismus. Jennifer Rostock ist eine Band aus mehreren Männern und einer Frau.

Im sozialen Netzwerk, das nicht sozial ist, sondern hanebüchen, ejakulieren gestörte, einsame Wölfe gegen Jennifer Weist, weil sie keine abbekommen haben.

Nochmal für zu kurz Gekommene: Die Sängerin der Band heißt Jennifer Weist. Weischt?

Der ganze Abschaum der Verlierer Deutschlands greift Platz und jeder prügelt auf jeden ein. Menschen greifen sich gegenseitig an und würdigen das Video über die Person der Sängerin der Band herab, indem sie andere Gesichtspunkte einführen („mehr Titten als Verstand“) oder sie krönen die Königin der Wahrheit von AfDeutschtland. Es liegt offenbar im Auge des Betrachters und alles ist sozusagen irgendwie Zwecksprech, was man zu pro und contra ins Feld führt. Das ist meine tulipanische Relativitätstheorie: Es bringt also zusammengefasst nichts, derartige Postings auf Facebook stehen zu lassen, wenn das Ergebnis genau das gleiche ist wie überall. Menschen versuchen sich mit Worten möglichst weh zu tun. Wahlweise auf Spiegel Online, ARD und bei den Zeitungshäusern Deutschlands. Es ist ein Hauen und Stechen.

Das tut mir sehr leid.

Schreibe einen Kommentar

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.