1779/19: Nachruf: Andreas Hähle (* 12. November 1967 Borna – † 24.04.2019) – Zum Tode eines Liebewesens.

Kerze #Trauer

Kerze #Trauer

Verscheuch nicht die Gespenster. Jag sie nicht fort. Sie brauchen eine Heimat und ein gutes Wort. Jag nicht deine Schatten und fang nicht die Feen. Sie können sonst nicht mehr atmen und nicht mehr nach dir sehen. Tanze mit den Elfen, doch tanze ganz sacht, weil ne Elfe ohne Füße nie mehr wieder lacht. Spiel ruhig mit dem Einhorn, aber tu ihm nicht weh, es kann sonst nicht mehr rennen und nicht mehr nach dir sehn. Wenn einst am Tage die Nachtvögel schrein, find ich mich wieder oder du bleibst allein. Ich hab mich ’n Leben gefragt, wer ich bin. Ich bin nur ’ne Frau und ’ne Nachtvögelin. Schau nicht nach den Eichen, wenn du sie nicht liebst. Schau dir keinen Mann schön, wenn du ihm nicht vergibst. Hilf den Zwergen Gold zu graben, doch dann lass alles stehn, sie könn‘ sonst nicht mehr singen und nicht mehr nach dir sehn. Wenn einst am Tage die Nachtvögel schrein … Du bist so wie ich – mal gierig, mal wild, mal zärtlich, mal scheu, bist mein Spiegelbild, mal böse, mal hart, mal verloren, mal still. Du bist mein Widerpart! Wenn einst am Tage die Nachtvögel schrein, find ich mich wieder oder du bleibst allein. Ich hab mich ’n Leben gefragt, wer ich bin. Nimm mich heut noch zur Frau. Ich bin ’ne Nachtvögelin.

(Die Nachtvögelin) Text: Andreas Hähle

Andreas Hähle (* 12. November 1967 in Borna bei Leipzig – † 24.04.2019) war ein deutscher Dichter, Sprecher und Moderator.

Andreas Hähle hat den Kampf verloren.

Wir trauern mit Lika Hähle (Leipzig) um Andreas und sind mit guten Gedanken in der Erinnerung und mit Liebe und Klarheit bei den Hinterbliebenen. Es herrscht dort jetzt Idylle im Krieg, so jedenfalls einer der unglaublichsten und schönsten seiner vielen Songtexte.

Ruhe in Frieden, Andreas Hähle. Meine Verneigung. Mein Dank für Dein bedeutendes Schaffen. Eine 🌷 und mindestens drei 🖤🖤🖤

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1528/17: Positionen: Vive la revolution! – Die Moritat von Xavier (Gastautor: Grit Maroske)

Vorab: Ich schreibe diesen Text in dem Wissen, dass einige Leute ihn garantiert in den falschen Hals bekommen werden. Menschen, die mich gut kennen wissen hoffentlich, wo ich politisch stehe und dass ich eine gefestigte Persönlichkeit bin und werden mir das zugute halten. Lasst euch mit mir gemeinsam einfach mal auf ein Gedankenexperiment ein, denn mit diesem Text schauen wir in einen Spiegel und sehen alles (naturgegeben) seitenverkehrt.

Heute Nacht hatte ich einen seltsamen Traum. Mein Land war in Aufruhr. Menschen liefen schreiend und mit hochroten Gesichtern zum Marktplatz, in der Hand Forken und Fackeln. Sie schüttelten wütend die Fäuste gegeneinander, rempelten und schubsten, jeder wollte der Erste auf dem Marktplatz sein, denn eine öffentliche Hinrichtung stand an. Die einen versprachen sich Nervenkitzel bei der Volksbelustigung, andere setzten besorgte Minen auf, Dritte rieben sich schadenfroh die Hände während wieder andere den Märtyrer aus den Fängen der Gerichtsschergen befreien und auf ihren Schultern durchs Stadttor tragen wollten.

Am Marktplatz angekommen, hatte sich bereits eine stattliche Menge versammelt. Viele deckten sich an einem der zahlreichen Stände noch mit faulen Eiern, matschigem Gemüse und Steinen ein, alle Ausrufer bläkten durcheinander in einer infernalischen Kakophonie von Neuigkeiten. “Xavier beim König in Ungnade gefallen!” “Minnesänger ruft zum Umsturz auf” “Hofnarr ohne Kleider wird des Landesverrats bezichtigt” und zwischendurch riefen sie die neusten Ergebnisse beim Strohballenweitwurf, Rabattangebote des lokalen Dirnenhauses und Wettervorhersagen in die Menge. Ich ließ mich mitziehen zur Mitte des Platzes, wo schon ein Podest aufgebaut war. Dort sollte, deutlich sichtbar für das VOLK, heute Recht gesprochen und vollstreckt werden.

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