836/13: Positionen: In den Besenkammern der eigenen Möglichkeiten, von Dirk Zöllner und einer neuen CD „under construction“

Dirk Zöllner (Foto: © Rubini Zöllner)

Dirk Zöllner (Foto: © Rubini Zöllner) – mit Dank


Komm, wir setzen die Segel! (by Dirk Zöllner, CD-Ausschnitt aus „Uferlos“, nachbearbeitet)

Ab heute ziehen wir uns ins Studio zurück und die Geburt eines neuen Zöllneralbums wird eingeleitet. Mit André Gensicke, Marcus Gorstein, Andreas Bayless, Oliver Klemp, Heiko Jung und Marcel All Orange Music. Ich bin aufgeregt. (sagt Dirk Zöllner auf facebook, aktuell, und leitet damit eine nichtöffentliche Kloster- bzw. Werkstattphase ein) – Wir fragen uns: ..kann´s noch besser werden…? „Uferlos“ war schon ein Meilenstein, finde ich. Und nach „7 Sünden“ ein ziemlicher Schwenk…. – Dirk Zöllner sagt: „Ich weiß es nicht.“ Genau. So ist es.

Während der Sommer im Monat Juno des Jahres 2013 in die Vollen geht, meldet Dirk Zöllner, sich dieser Tage einschließen zu wollen. Nicht im Kloster Andechs wie Horst Seehofer oder den Südtiroler Bergen, wie Adson von Melk, der junge Novize in „Der Name der Rose“, der seine persönliche, erstmalige „Klosterfrau Melissengeist“ kennenlernt, sie besteigt und mit ihr (körperliche) Liebe macht. Der graue, altehrwürdige William von Baskerville (Sean Connery) kommentiert süffisant: „Ich verfüge zwar nicht über den Vorzug Deiner Erfahrung“, zu den fleischlichen Gelüsterfahrungen seines blutjungen Novizen. So sieht Altersweisheit aus, jawoll.

Dirk Zöllner ist eher so „wie Sand“, der Wind trägt ihn umher. „Ich bin die Spur.“

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Die Zöllner: „Sand“ (via youtube)

Die bange Frage des „Werktätigen der Kunst“  ist: Wird mir ein großer Wurf gelingen? Wird das Neue Bedeutung entfalten? – Der Pessimist sagt: Ich weiß, ich hab den Zenit längst überschritten. Der Optimist sagt: „S´wird scho. Gelle?“ Zwischen diesen beiden Polen ist die Grauzone der Polarkappen von vollkommener Bedeutungslosigkeit und großem Ruhm. Es ist hie und da allerdings auch geboten, sich selbst seines Glücks zu versichern und demütig zu werden.

So hat es Dirk Zöllner schon mal vor kurzem deutlich gesagt. Er sei sich des Glücks bewusst, empfinde es als Privileg, als Musiker leben zu dürfen, davon leben zu können. Zöllners „ferne Inseln des Glücks“, sein Lebensentwurf. Als deutsch-deutscher Wandersmann heute hier, morgen dort, aber was bleibt? In sich selbst ankommen? Wahrscheinlich. Mit jedem neuen Album ein Stück mehr. Dieser Prozess ist sowieso nie abgeschlossen. Wir wachsen weiter, bis wir dahingehen, so ist nun mal das Leben.

2012 war ein gutes, zöllnersches Jahr. 2008 war auch ein gutes, zöllnersches Jahr. Die Zeitenwenden seiner Veröffentlichungen sind auf eine so vielschichtige, große Art auch persönliche Wendemarken und Wiederspiegelungen persönlicher Entwicklungen. Eins ist das Problem jeden guten Musikers: Allein bist du nichts. Außer vielleicht, du heißt Steve Binetti. Er ein Wind- und Wonderkind: „♫♪♫ Yes, I wish, I was a butterfly….“

Das Beste daran: „Leute, holt die Kinder rein! Der Zöllner hat jetzt Führerschein!“ Das Roadmovie „HowTo Record A New Record“ kann beginnen.

Leo Sayer sang: „Yes, I´m a one man band“ und war sich sicher, dass niemand ihn so richtig verstand. So zieht auch Steve Binetti durch die Lande, feet stompin´.  Dirk Zöllner ist jahrelang Jesus Christ Superstar gewesen, das stählt strahlt. Das war nur eine Rolle. Geblieben davon ist die Sandstrahlung des Websiteauftritts. Wie Sand.

Dann gab es dieses Konstrukt „Die Zöllner“, an dem sich über die Jahre viel, sehr viel verändert hat und immer wieder verändert. Panta Rhei, alles fließt. Kein Fluss ohne Kontinuum: André Gensicke ist noch dabei und wird es vermutlicherweise auch immer bleiben, Dirk Zöllner ist André Gensicke und umgekehrt. Beide sind eins.

Von den Restzöllnern hingegen kann niemand heute noch behaupten, es gäbe sie. Vielleicht der Einzige, der noch übrig ist, ist Skip Reinhardt, der großartige Skip an der Trompete. Er ist hier schon mal als Musiker porträtiert worden. Marcus Gorstein ist musikalischer Weltbürger und Wegbegleiter von Zöllner seit „Uferlos“.

Der Musikstil spielt keine Rolle. Als studierter und ausgebildeter Klassischer-, Musical-und Jazz Musiker, der in Berlin lebt, fühle ich mich in jedem Genre wohl und kann von Gregorianisch über Pop bis Jazz arrangieren und singen. (sagt Marcus Gorstein auf „backings on demand“, hier)

Was treibt einen an, im Moment des Anbeginns vom Arbeiten an einer neuen CD? Welches Konzept? Welche Grundeinstellung hege man, Herr Hegemann? Vielleicht Demut? Oder Glauben, Glauben, was auf der Wiese wächst.

Denn wenn man etwas liebt,
was man eigentlich kaum bekommen kann,
was unerreichbar fern erscheint,
wird man ein Stück traurig.
Wird man ein Träumer.
Oder wird man ein Radikaler.
Oder ein radikaler Verwirklicher seiner Träume … .

( aus Susanne Zühlke, „Laufen lernen“)

Erwartungen an sich selbst

Jeder Mensch steckt im Grunde genommen nur in der „Besenkammer eigener Möglichkeiten“. Ob diese schlecht, besser oder gar großartig sind, hängt von Zufällen bzw. Konstellationen ab. Ein bisschen von Talent & schließlich von Förderung, die aus Zuneigung erwächst. Nichts wird großartig, nur weil man es sich wünscht. Großartigkeit ist nicht planbar. Nachher, hinterher schaut man zurück. Glück hat, wer von Mitmenschen getragen wird und sich darauf verlassen kann, auf Dauer. Zum Erfolg zu führen, aber dabei nicht alleine zu bleiben, ist das höchste Glück. Zu neuen Ufern. Zu noch besseren Ergebnissen seines Schaffens gelangen. Allein ist am Ende der Tod. Bis dahin regiert die Liebe als universale Triebfeder, die dich trägt und dir hilft zu sein, was du bist.

In diesem hoffnungsvollen Sinne kann man Dirk Zöllner nur gutes Gelingen wünschen, aber auch seinen derzeitigen „Hoffnungsträgern“, den fest eingebundenen Mitmusikern am nächsten CD-Projekt „Die Zöllner“ von dem wir uns lediglich nur vorzustellen vermögen, dass es wie das letzte Album „Uferlos“ ein großer Wurf werden könnte.

Macht einen das Musizieren am Stück dieses Lebens nicht auch irgendwie unsterblich? Posthum, post mortem, oder „hier und jetzt“?  Ja, die Glücklichsten leben in der unverbrüchlichsten Gegenwart, im „hier und jetzt“ und schaffen etwas, das in seiner Bedeutung weit darüber hinaus geht, davon handelt gute Musik.

Das ist das Ergebnis intensiven Nachdenkens darüber. Nur Mut.  S´wird scho gelinge…. – Wir aber waren gerade eben Begleiter einer Entwicklung und haben sorgfältig nachgedacht. Nichts wird morgen so sein wie heute. Soviel ist gewiss.

_link Lotse

2 Gedanken zu „836/13: Positionen: In den Besenkammern der eigenen Möglichkeiten, von Dirk Zöllner und einer neuen CD „under construction“

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