Sa. Mai 28th, 2022

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MSP - Meinungen, Statements, Positionen!

Freiheit ist auch das Recht, dem anderen etwas zu sagen, was der nicht hören will. (Überarbeitung des Luxemburgischen Prinzips von #Freiheit)

Zur hiesigen Überschrift ist von Anfang an eins klarzustellen: Es gibt zu dieser Überschrift keine Idealmeinung und kein Überwiegendes, das allein richtig ist. Für diese Frage kommt es vielmehr auf eine Gesamtgemengelage an. Die Zusammensetzung der Band spielt eine Rolle. Wie auch das kreative Potenzial der Bandmitglieder.

Ich selbst habe in chaotischen, dilettantischen Bands gewirkt, in denen die Covers, die wir spielten, auf eine großartige Art und Weise zweckentfremdet und verwurstet wurden. Und in anderen, in denen ich dachte: Diese Band hat das Talent für mehr als das, was wir machen. Wir könnten Karriere machen. Dazu kam es aber nicht. Warum?

Freiheit - performed by Rosa Luxemburg, Entertainerin der Freiheit
Freiheit – performed by Rosa Luxemburg, Entertainerin der Freiheit

Wie schön, sich ein Stück weit weg zu entfernen von erstickenden Situationen. Die Gedanken an vergangene Erfahrungen sind wie in ein Kloster nach Tibet zu gehen. Um endlich Klarheit zu erlangen.

Aber es hat überhaupt nicht geklappt und ich erstickte im Kokon einzelner, für mich genialer Mitmusiker. Oder die ganze Band erstickte in der angstbesessenen Durchschnittlichkeit einzelner Mitspieler, die mit ihrer Paranoia jede Kreativität kaputt machten. Mit Angst kann man vieles platt machen.

Alles platt gemacht haben die Spießer, die Ängstlichen und die Unwilligen, kreativ werden zu wollen, unsere Rollen zu durchbrechen, sie zu überwinden und wirklich etwas Wichtiges zu machen.

Eigene Stücke spielen oder Covers?

Covers sind eine gute Brücke zu etwas besserem. Covers sind für mich eine Eselsbrücke. Covers zu spielen darf aber nicht zu einer „Beschäftigungsgarantie“ verkommen, denn das ist für mich nicht das Wesentliche. Ich will Musik machen, das ist das Wesentliche. Für mich ist unwesentlicher, ob ich mit meiner Musik auch „Jobs“ bekomme. Ich bin darauf nicht angewiesen. Ich handle nicht im Auftrag vieler Herren, sondern bin mein eigener.

Wer meint, dass das regelmäßige Auftreten auf allen möglichen Bühnen höheren Sinn hat, obwohl so gut wie nichts eigenes dem anhaftet, ist für mich nicht Musiker, sondern eine Jukebox. 50 Cent einwerfen und ein Stück bestellen, und nur dann klatschen, wenn die Jukebox den Song so ähnlich auswirft, wie man ihn kennt.

So kann es ein großartiger Sänger, den ich kenne. Der macht es so. Auf Bestellung ist er in der Lage, die ganzen Großartigen dieser Welt nachzuäffen. Fünf Stunden lang. Und alle klatschen und trinken sich das schön. Schön. Ich freu mich für die insoweit reichlich Beschenkten. Es sind „Laubenpieperfeste der Lust“.

Aber das ist kein Original.

Ich wollte immer meine eigene Stimme zum Ausdruck bringen. Gott sei Dank seltener als Sänger, übrigens.

Covers zu spielen hat etwas Geistreiches und etwas Quälerisches.

Geistreich: Man kann mal üben, wie die ganz Großen es taten. Was sie tun mussten, damit es so erfolgreich werden konnte.

Quälerisch: Die Mitmusiker, eingeschlossen ich, sind eventuell gar nicht gut genug, das so nachzuspielen, wie es gemeint war. Beispiel: „Rosanna“ von Toto. Bis ich diesen Groove so spielen kann, wie ihn Jeff Porcaro (Toto) erfunden hatte zu spielen und Simon Phillipps (jetzt) ihn live spielen, na ja, seufz.

Was also, wenn nur der Sänger (siehe oben) gut ist und der Rest der Band nennt sich „die Nulpen“? Haha.

Eigene Covers mit Alleinstellungsmerkmal

Vorweg nur so viel: Das machen die wenigsten Coverbands wirklich. In Berlin kenne ich wenige. Eine der besten für mich ist die Band Disco Inferno Berlin. Sie sind in der Lage, die Originale zu zelebrieren. Alles ausgezeichnete Musiker. Wer Eintrittskarten für sie kauft, weiß was ihn erwartet. Genau das. Sehr gut.

Das Heer der Coverbands wird seinem Auftrag kaum gerecht. Wenn schon die „totale Perfektion“ des Nachspiels nicht erreichbar zu sein scheint, müsste daher in meinen Augen wenigstens eine „komplette Überarbeitung“ der Ursprungsidee erfolgen und eine „Coverung mit ganz anderen Mitteln“.

Nicht einmal dazu reicht es bei vielen, vielen Coverbands. Und hier stellt sich dann die Frage, was Musik machen in den Augen derjenigen für einen Sinn ergibt, als nur diesen einen: Spaß haben, etwas „Eigenes“ zu tun und das als etwas „ganz Besonderes“ verstehen zu wollen. Nein, eine regelrecht platt und gerade sorgsam eingespielte Proberaumstudioaufnahme von „Something got me started von Simply Red“, das ist so langsam wie bedeutungslos, ist oberflächlich, hundslangweilig und gerade keine Referenz für einen gut talentierten Booking Agent, der eine Idee davon braucht, mit seinem Auftrag Leute einzukaufen, die die Veranstaltung zum Kochen bringen.

Da bringen dann auch schlecht durchdachte Homepages mit Bildergalerien wenig, auf denen man den Musikern ihre Langeweile, ihre Angst sich auszudrücken und ihren mangenden Spaß daran aufzufallen ansieht. Der Auftritt ist das höchste Moment des künstlerischen Schaffens, bunt, grell und geboren aus der Lust, einen ganz besonderen Moment zu zelebrieren.

Das Gegenteil davon ist im Übrigen die Regel und nicht die Ausnahme.

Kleingärtner, Wurstbruzzler und GNTM-Gucker

Wir müssen eben unterscheiden, was wir selbst wollen. Wollen wir, wie viele erwachsen gewordene Menschen, unseren Hobbies nachgehen und Darts spielen, an der Supermarktkasse Payback-Punkte erwirtschaften, GNTM gucken und Grillfeste veranstalten, auf denen wir dann auch „Blowin´in the Wind‘ spielen dürfen und das sogar als Band verkleidet? Oder wollen wir die Welt berühren. Durchschnitt ist langweilig und so mopsüberflüssig wie nichts anderes.

Oder machen wir etwas ganz anderes, lehnen uns bewusst weit aus dem Fenster, um möglichst positiv aufzufallen und eine ganz andere Seite „einer bereits gefressenen Medaille“ zu sein, bunt, schillernd, klasse vom ersten Moment an. Es ist bei vielen Musikern, fürchte ich, genauso wie bei den Wurstbruzzlern. Nichts gegen die, aber für das, wofür ich hier eintrete, ist das das herzlich wenig.

Traut euch.

Sonst erstickt hier alles in vollkommener Bedeutungslosigkeit, Freunde.

Lieber gar nicht auftreten als schlecht.

Eine eigene Konnotation

Die gute Coverband hat eine eigene Konnotation namens „Unverwechselbarkeit“. Sie macht keine besonders „werktreuen“ Replikate, sondern schafft neue Facetten in noch nie gehörter Abwandlung, Überarbeitung und Verwandlung. Vielleicht nicht immer besser als das Original, was gar nicht immer möglich ist. Die Überarbeitung von Originalen muss allerdings wesentliche Bestandteile des Originals aufweisen, die besonderen Duftmarken berücksichtigen, die die Originale aufwiesen. Beim Stück „Zombie“ von den Craneberries ist es die laienhaft gespielte Gitarrenintro-Melodie von Dolores O´Riordon (Sängerin), die unnachahmlich und damit unentbehrlich ist. Ansonsten reicht es bei dem Stück aus, eine gute Stimme zu haben, durchaus mit eigener Stimmfärbung und Attitüde und in den Metaphern angedeuteter Stimmungsschwankungen zu bleiben, sprich: „leise anfangen“, „lauter werden“ und „volle Kanne“. Wie genau das ausgestaltet wird ist zweitrangig, solange es in den angedachten Grundbahnen zuverlässig schwimmt.  Alles darf durchaus umgekehrt sein, nur ist Dynamik wichtig im Sinne von Dramaturgie.

Covers spielen ist erlaubt in dieser Hinsicht, finde ich.

Willst du einen regelmäßigen Zusatz- oder Hauptverdienst erreichen? Dann sei wie das Original, bilde es möglichst „mainstream“ nach und führe es auf. Lass jeden, den Du aufforderst, die Augen zu schließen, denken, da steht Joe Cocker auf der Bühne oder Michael Jackson oder Ray Charles. Und dann sehe von Zeit zu Zeit in Deine Auftragsbücher und vergewissere Dich: Hattest Du damit genügend Aufträge? Warst Du gut genug? Dicht genug am Original? Was heißt „Werktreue“?

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Toto – Rosanna Live 1990 (via youtube)

Das Stück „Rosanna“ von Toto gilt Musikern weltweit als eine Art Referenzstück. Schlagzeuger bspw., die „Rosanna“ korrekt spielen können, gelten als Könner ihres Fachs. Mit dem Stück haben sich Generationen von Musikern mit unterschiedlichem Erfolg befasst. Wer es gelungen covert, hat schon mal ein paar Bonuspunkte.

Willst du in erster Linie Musik „aus Spaß“ machen, lass all diese Gedanken links liegen. Denn auf sie kommt es nicht an. Du kannst aus einer Perspektive des Spaßvollen im Nebenleben zu „ganz anderem Broterwerb“ als Müllkutscher, Steuerberater oder Gebärdensprachdolmetscher nicht so gut werden wie das Original, wenn Du das nicht ernsthaft übst. Vergiss es.

Nähere dich daher jedem nachgespielten Stück „mit einer eigenen, unverwechselbaren“ Interpretation in abweichlerischer Absicht.

Oder komponiere eigene Stücke, arbeite an ihnen und verzichte bis dahin auf irgendwelche unwichtigen Auftritte mit etwas Übergestülptem, einen Anzug, der Dir sowieso nicht passt. Es gibt auf der Welt bereits genug Lärm. Wozu willst Du ihm weiteren hinzufügen?

Nein, um Covers in schlechter Qualität aufzuführen, dafür würde ich nie die Mühe in Kauf nehmen, eine ganze Band mit lauter freiheitsliebenden Individuen zu bezähmen. Oh Gott, was für eine gräusliche Vorstellung.

Ich gebe gern zu, dass dieser Artikel noch nicht alle Fragen abschließend beantworten konnte. Allerdings hörte ich auch, dass noch ein bisschen Webspace im Internet frei ist. Vielleicht bei Gelegenheit noch ein paar Zusatzgedanken. Für heute, hurtz!

(EP)

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